Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

108

21.11.1939, 20:15 Uhr ( 14. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Lang-Trio (Bern?)

Kägi, Walter, Violine
Hindermann, Franz, Violoncello
Lang, Walter, Klavier

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 1, Nr. 1 (1793/94)

Allegro
Adagio cantabile
Scherzo: Allegro assai – Trio
Finale: Presto

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Klaviertrio Nr. 2, c-moll, op. 66 (1845)

Allegro energico e con fuoco
Andante espressivo
Scherzo: Molto allegro quasi presto
Finale: Allegro appassionato

Maurice Ravel
1875-1937

Klaviertrio, a-moll (1914/15)

Modéré
Pantoum: Assez vif
Passacaille: Très large
Final: Animé

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 1, Nr. 1)

Wer sich Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2); doch trat dieser 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Sie waren nicht Beethovens erste Beiträge zur Gattung. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmte. Erstmals erklangen sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt. Für den Druck wurden sie überarbeitet. Mit seinem op. 1 begründete Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig. Er fügte an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch mag sein, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht mehr um ein Menuett handelt, obwohl der Satz in der Violinstimme noch so bezeichnet wird.

(zu Mendelssohn Bartholdy, Klaviertrio Nr. 2, c-moll, op. 66)

Sechs Jahre nach dem ersten Trio hat Mendelssohn in einer Phase, in welcher er die Ruhe suchte und auf Reisen verzichtete, in Frankfurt eine zweites, wieder in Moll, geschrieben und es Louis Spohr gewidmet. Es hat nicht ganz die Beliebtheit des früheren Werks erreicht, obwohl es an Schwung und Dramatik dem ersten Trio nicht nachsteht. Es ist das komplexere Werk und seine Entstehung war komplizierter als beim Trio op. 49. Das gilt vor allem für den Klavierpart, über den Felix an seine Schwester Fanny schrieb: „Das Trio ist ein bisschen eklig zu spielen.“ Das Werk ist dramatischer angelegt, worauf schon die Bezeichnung des Kopfsatzes hinweist: Allegro energico e con fuoco. Sein wenig melodiöses Hauptthema, das sich zunächst wie eine Begleitfigur anhört, schraubt sich im pianissimo in sechs Takten immer weiter empor, bevor es im siebten zum Grundton C zurückfällt. Es eignet sich aber gut für kontrapunktische Verarbeitung. Im Höhepunkt dominieren heftige Oktavgänge und kräftige Akkorde des Klaviers. Das Andante in Es-dur mit seinen Kantilenen kehrt die vorangehenden Leidenschaften ins Idyllische, bleibt aber blass. Grandios und im Klavier besonders „eklig“ ist das Scherzo in g-moll mit dem graziösen Trio in G-dur. Mendelssohn wiederholt zum Schluss nicht einfach den Scherzoteil, sondern verkürzt ihn und verbindet ihn mit Themen des Trios. Höhepunkt des ganzen Trios ist das leidenschaftliche Finale mit drei Themen, die intensiv verarbeitet werden. Das erste, heftig bewegte Thema beginnt mit einem die Bewegung gleichsam anreissenden Nonensprung. Die weiteren Themen beruhigen das Geschehen. Besonders wichtig wird das dritte, ein Choral („Vor deinen Thron tret ich hiermit“ bzw. „Herr Gott, dich loben alle wir“). Er führt in der Coda in Kombination mit dem 1. Thema das Werk zum krönenden Abschluss in C-dur.

(zu Ravel, Klaviertrio, a-moll)

Fast zwölf Jahre nach dem Streichquartett hat Ravel auch die Gattung Klaviertrio mit einem Werk bedacht. Pläne dafür gab es bereits 1908. Entstanden ist es in baskischer Umgebung, in St-Jean-de-Luz, nahe von Ravels Geburtsort Ciboure. Darauf weisen die Anklänge an baskische Rhythmen gleich zu Beginn des Kopfsatzes hin, dessen Hauptthema im ungewöhnlichen 8/8-Takt, allerdings asymmetrisch zerlegt (3+3+2) über einem Bass in Vierteln, gehalten ist. Das 2. Thema verschiebt die Betonung (3+2+3). Das Scherzo trägt den fremdartigen Titel «Pantoum», Hinweis auf eine malaiische Dichtungsform, bei der die 2. und 4. Zeile einer Strophe wiederholt werden, um daraus die 1. und 3. Zeile der folgenden Strophe zu bilden. Ravel benutzt für dieses Wechselspiel drei Themen. Die streng gebaute Passacaglia in fis-moll und cis-moll, deren achttaktiges Thema im Klavierbass eingeführt wird, zeigt Ravel als einen Neoklassizisten vor dem Neoklassizismus der zwanziger Jahre. Brillant, rhythmisch ungewohnt im (baskischen?) Wechsel von 5/4- und 7/4-Takt und in beinahe orchestraler Klangfülle zieht das wirkungsvolle Finale vorüber: Man spürt die Nähe zur Musik von Daphnis und Chloé, die kurz zuvor abgeschlossen wurde.