Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

159

5.4.1946, 20:00 Uhr (Extrakonzert 20. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Pablo Casals, Violoncello
Paul Baumgartner, Klavier

Casals, Pablo, Violoncello
Baumgartner, Paul, Klavier

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2, g-moll, op. 5, Nr. 2 (1796)

Adagio sostenuto ed espressivo – Allegro molto più tosto espressivo
Rondo: Allegro

Johann Sebastian Bach
1685-1750

Suite für Violoncello solo Nr. 3, C-dur, BWV 1009 (vor 1726)

Prélude
Allemande
Courante
Sarabande
Bourrée
Gigue

Robert Schumann
1810-1856

Stücke im Volkston, op. 102, für Violoncello und Klavier (1849)

Stark und markiert
Nicht zu rasch
Nicht schnell
Langsam
Mit Humor

Johannes Brahms
1833-1897

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1, e-moll, op. 38

Allegro non troppo
Allegretto quasi Menuetto
Allegro

(zu Bach, Suite für Violoncello solo Nr. 3, C-dur, BWV 1009)

Die genaue Entstehungszeit der sechs Cellosuiten ist bis heute nicht geklärt. Das Autograph fehlt, eine erste unvollständige Abschrift ist um 1726 entstanden. Stehen sie vor oder hinter den sechs Sonaten und Partiten für Violine solo, die auf das Jahr 1720 datiert sind? Man darf davon ausgehen, dass die Cellosuiten etwa in die gleiche Zeit, somit in die Köthener Jahre Bachs gehören. In Köthen hat Bach als Hofkapellmeister den Hauptteil seiner Instrumentalmusik – von der Orgel abgesehen – komponiert und dabei die Möglichkeiten der Instrumentaltechnik und der Form ausgelotet, unter anderem in den Brandenburgischen Konzerten. Oft sind die Werke nach damaligem Brauch zu Sechsergruppen zusammengefasst. Um die zeitliche Abfolge zu klären, hat man argumentiert, die vielseitigeren und experimentelleren Violinwerke müssten nach den Cellosuiten geschrieben sein. Anderseits sind die Suiten auch als Vereinfachung und Vereinheitlichung der bereits erprobten Modelle denkbar. Auffällig ist die Gleichmässigkeit der (äusseren) Form: Alle Cellosuiten sind sechssätzig, wobei alle Sätze nach dem Prélude Tanzformen umfassen: die vier althergebrachten zweiteiligen Tänze einer Suite sowie ein variables Intermezzo. Mit dieser einen Ausnahme ist die Satzfolge also dieselbe: Prélude – Allemande – Courante – Sarabande – Intermezzo – Gigue. Der fünfte Satz ist jeweils paarweise anders gehalten: In den Suiten 1 und 2 sind es Menuette, bei 3 und 4 Bourrées, bei 5 und 6 Gavottes. Diese neueren Tänze sind alle nach dem Schema ABA, aus dem sich später das obligate Menuett-Trio-Modell entwickelt, gebaut. Im Stil sind sie voller Spielfreude und unbekümmerter als die Traditionssätze. In der von Antonio Meneses vorgenommenen Aufteilung der sechs Suiten auf die beiden Abende kommen alle drei Intermezzo-Varianten pro Abend jeweils einmal zum Zug. Die Reihenfolge der Suiten in Bachs Anordnung ist auf Steigerung in Länge, Schwierigkeit und inhaltlicher Tiefe angelegt.

Die 3. Suite beginnt mit einer Tonleiter ab- und aufwärts, durch welche die Tonart C-dur festgelegt wird. Im Mittelteil wird das Prélude von Arpeggien über einem Orgelpunkt bestimmt. Diese Festlichkeit setzt sich in den folgenden Sätzen fort. Mit edlem und majestätischem Schreiten folgen sich die schweren Akkorde der Sarabande. Spielerisch hell kommen die Bourrées daher, während die Final-Gigue von Virtuosität sprüht.