Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

186

29.11.1949, 20:15 Uhr ( 24. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Basler Künstler (Basel)
Felicani, Bertschmann, Wenzinger, Baccelli, Baumgartner

Felicani, Rodolfo, Violine
Bertschmann, Albert, Viola
Wenzinger, August, Violoncello
Baumgartner, Paul, Klavier
Baccelli, Umberto, Horn

Johannes Brahms
1833-1897

Trio für Klavier, Violine und Waldhorn, Es-dur, op. 40 (1865)

Andante – poco più animato
Scherzo: Allegro – molto meno Allegro
Adagio mesto
Finale: Allegro con brio

Albert Moeschinger
1897-1985

Sonate für Violoncello und Klavier, op. 61 (1943)

Modéré – Allegro vivace
Lento – Presto

Richard Strauss
1864-1949

Klavierquartett c-moll, op. 13 (1885)

Allegro
Scherzo: Presto
Andante
Finale: Vivace

(zu Brahms, Trio für Klavier, Violine und Waldhorn, Es-dur, op. 40)

Sieht man von reiner Bläserkammermusik ab, ist das Horn ein seltenes Kammermusikinstrument, erst recht in Verbindung mit Violine und Klavier. Drei solche Klaviertrios scheint es zu geben; zwei hören wir heute. Erfunden hat die Besetzung Brahms. Wie kam es dazu? Eines erklärt sich leicht: Wie Brahms auf das Horn kam. Er hatte in seiner Jugend neben Cello und Klavier ein weiteres Lieblingsinstrument, das Waldhorn. Und das Trio sieht explizit ein Naturhorn vor. Vom 1814 entwickelten Ventilhorn war er nicht angetan; er nannte es „Blechbratsche“, liess es aber später ebenfalls zu. Bei Brahms gibt es viele schöne Passagen für das Horn, etwa in der 1. Sinfonie oder zu Beginn des 2. Klavierkonzerts. Noch etwas spielt mit: Brahms’ Mutter liebte das Waldhornspiel des Sohnes sehr. Im Februar 1865 ist sie gestorben, und das Trio wurde 1865 geschrieben oder zumindest beendet. Das Adagio mesto im seltenen es-moll wird als Trauergesang für die Mutter gedeutet, ja das ganze Trio als Klage um sie. Einen Hinweis darauf glaubte man auch im Kopfsatz zu sehen, der nur hier bei Brahms kein Sonatensatz ist, sondern von einem Komplex aus Andante und Animato eingeleitet wird, der zweimal variiert wiederholt wird, ohne die Themen zu verarbeiten. Zwei Volksliedmelodien klingen an: im as-moll-Trio des Scherzos „Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein“ und im 4. Satz „Dort in den Weiden steht ein Haus“, das in die Volkslieder op. 97 aufgenommen wurde – das erste beklagt die Vergänglichkeit, das zweite ist voller Sehnsucht. Brahms nutzt die typisch romantische, wehmütig-melancholische Klangwelt des Horns. Lebhafte Jagdmusik taucht vor allem im Scherzo und – aus dem Adagio-Thema entwickelt – im Hauptteil des Finale auf. Ein Problem bleibt: Im Dezember 1862 schrieb Brahms aus Basel an Albert Dietrich: „Für einen Quartett-Abend kann ich mit gutem Gewissen mein Horn-Trio empfehlen und Dein Hornist thäte mir einen besonderen Gefallen, wenn er ... einige Wochen das Waldhorn exerzierte, um es darauf blasen zu können.“ Existierte das Trio bereits 1862 (in einer in Karlsruhe entstandenen Vorform)? Wie stünde es da mit der Trauermusik für die Mutter? Es ist aber wohl im Wesentlichen erst später in Baden-Baden komponiert bzw. umgearbeitet und im Sommer 1865 vollendet worden. Die Uraufführung fand am 28. November 1865 in Zürich mit Brahms, Friedrich Hegar (Violine) und Anton Gläss (Horn) statt. Ein Echo in der Presse fand sie nicht. Clara Schumann berichtet: "Die Leute verstanden dieses wahrhaft kühne und äusserst interessante Werk nicht, und dies obwohl der Kopfsatz zum Beispiel sehr reich an einnehmenden Melodien ist, und der Schlusssatz vor Leben strotzt. Auch das Adagio ist wunderschön, doch ist es in der Tat schwer verständlich, wenn man es zum ersten Mal hört." Verstehen wir das Werk als Hommage au cor et à la mère!