Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

208

12.2.1952, 20:15 Uhr ( 26. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Basler Künstler (Basel)
Felicani, Bertschmann, Wenzinger, Fauquex, Mengassini, Engel etc.

Felicani, Rodolfo, Violine
Bertschmann, Albert, Viola
Wenzinger, August, Violoncello
Engel, Karl, Klavier
Fauquex, Hubert, Oboe
Mengassini, Osvaldo, Klarinette
Bouchet, Henri, Fagott
del Vescovo, Pierre, Horn

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, Es-dur, KV 452 (1784)

Largo – Allegro moderato
Larghetto
Rondo. Allegretto

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Sonate für Klavier und Horn, F-dur, op. 17 (1800)

Allegro moderato
Poco adagio, quasi Andante
Rondo: Allegro moderato

Johannes Brahms
1833-1897

Klavierquartett Nr. 1, g-moll, op. 25 (1861)

Allegro
Intermezzo: Allegro, ma non troppo –
Trio: Animato – Tempo del Intermezzo –
Coda: Animato
Andante con moto – Animato
Rondo alla Zingarese: Presto

(zu Brahms, Klavierquartett Nr. 1, g-moll, op. 25)

Brahms wagte sich nach angeblich mehr als zwanzig Streichquartetten, die allesamt vernichtet wurden, 1854 ernsthaft an Kammermusik, nun meist unter Einbezug des ihm vertrauten Klaviers. Ab 1855 plante er drei Klavierquartette, von denen zwei 1861 vollendet wurden. Das erste ist trotz den hohen Qualitäten der beiden anderen das beliebteste und bekannteste. Das liegt natürlich vor allem am alla Zingarese-Finale, über dem man die ersten drei Sätze nach dem furiosen Schluss beinahe vergisst. Von der Qualität her ist dies allerdings nicht gerechtfertigt. Das ganze Werk genügt höchsten Ansprüchen, wie auch Schönbergs Bearbeitung für Orchester (1937), die er scherzhaft «Brahms’ Fünfte» nannte, zeigt. Sie wäre nicht entstanden, hätte Schönberg Brahms nicht wegen seiner Technik der entwickelnden Variation und anderer Qualitäten bewundert. Gerade die komplexe Exposition des Kopfsatzes, welche die ersten Hörer verstörte, dürfte eine solche Passage gewesen sein. Dass in Schönbergs Fassung das Finale etwas gar lärmig geraten ist, liegt nicht an Brahms, der auch hier die Dezenz der Kammermusik zu wahren wusste, auch wenn er zeitweise mit Kraft in die Tasten (und in die Saiten) greifen lässt. Der ausgedehnte Kopfsatz lebt von der Spannung des abwärts führenden Hauptthemas, das zunächst vom Klavier allein, dann unisono von den Streichern gespielt wird, und der Cello-Melodie des zweiten Themas. Auf ein Scherzo verzichtet Brahms und stellt, wie auch sonst nicht selten, zwei einander angenäherte Sätze in die Mitte des Werkes. Zuerst ein schwärmerisch halbdunkles Intermezzo in c-moll mit einem in Sexten geführten Hauptthema; es wird von einem belebteren Trio geteilt, das in der Coda wieder auftaucht. Es folgt das einem sanften Menuett angenäherte liedhafte Andante in Es-dur. Sein Mittelteil wächst aus einem pochenden Motiv heraus, wobei der vom Klavier getragene Marschrhythmus (im ¾-Takt!) von den Streichern gespenstisch umspielt wird, bis alle zur Ruhe des Andante zurückfinden. Am Schluss steht der stilisierte ungarische Tanz, der sich bei genauem Hinhören nicht nur als rasanter Kehraus, sondern mit durchaus tragischen Zügen als Gegenstück zum Kopfsatz erweist.

(zu Mozart, Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, Es-dur, KV 452)

Mozarts Quintett entstammt einer intensiven Schaffens-Periode im Frühjahr des Jahres 1784 (Klavierkonzerte KV 449, 450, 451, 453), die zugleich geprägt war von vielen Auftritten als Pianist («...abends hab ich fast alle Tage zu spiellen»). So verwundert es nicht, dass das Quintett, am 30. März vollendet, bereits am 1. April im Burgtheater zur Aufführung gelangte (und am 13. Juni wiederholt wurde). Mozart war auf das Quintett stolz, wie er seinem Vater schreibt: «Ich habe 2 grosse Concerten geschrieben und dann ein Quintett, welches ausserordentlichen Beyfall erhalten; ich selbst halte es für das beste, was ich noch in meinem Leben geschrieben habe.» Bei aller Vorsicht solchen Äusserungen gegenüber, entspricht das Quintett tatsächlich in Qualität und Schwierigkeitsgrad den Klavierkonzerten – und weist sogar im Rondo eine Cadenza in tempo auf (unter Mitwirkung der Bläser). Und doch ist es kein Klavierkonzert, sondern echte Kammermusik: Die fünf Instrumente sind gleichwertig entsprechend ihren Klangmöglichkeiten eingesetzt.