Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

242

16.2.1955, 20:15 Uhr (Beethoven-Zyklus 29. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Konzertmässige Hauptprobe, öffentlich für Studenten und Schüler um 15.30 Uhr

Végh-Quartett (Budapest/Basel)

Végh, Sándor, Violine 1
Zöldy, Sándor, Violine 2
Janzer, Georges (György), Viola
Szabó, Paul (Pál), Violoncello

in Budapest bis mindestens 1949

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 4, c-moll, op. 18 Nr. 4 (1798/1800)

Allegro ma non tanto
Scherzo: Andante scherzoso, quasi Allegretto
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro – Prestissimo

Streichquartett Nr. 8, e-moll, op. 59, Nr. 2 «2. Rasumovsky-Quartett» (1806)

Allegro
Molto adagio
Allegretto - Maggiore (Thème russe)
Finale: Presto

Streichquartett Nr. 17, F-dur, op. 135 (1826)

Allegretto
Vivace
Lento assai e cantante tranquillo
Der schwer gefasste Entschluss: «Muss es sein?» Grave, ma non troppo tratto –
«Es muss sein!» Allegro

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 17, F-dur, op. 135)

In seiner viersätzigen Knappheit und in der gebrochenen, an Haydn gemahnenden Heiterkeit ist Beethovens letztes Quartett das Gegenstück zum komplexen siebensätzigen op. 131. Ursprünglich hatte Beethoven nur drei Sätze vorgesehen; das Scherzo ist nachkomponiert. Das bedeutungsmässige Zentrum bildet das Lento assai in Des-dur, eine Cavatina wie der entsprechende Satz in op. 130. Was Der schwer gefasste Entschluss wirklich war, ein Notschrei de profundis oder ein Scherz über finanzielle Probleme (so die Anekdoten), wird sich nie ergründen lassen. Das Allegro wischt die Resignation weg, ohne in affirmative Heiterkeit umzuschlagen.

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 4, c-moll, op. 18 Nr. 4)

Als Beethoven seine sechs Quartette op. 18 veröffentlichte, war er dreissigjährig, kein jugendlicher Komponist mehr wie Mozart oder Schubert bei ihren ersten Quartetten – und auch keiner, der die Gattung erst schaffen musste wie Haydn. Nun steht unter den frühen Quartetten gerade das in c-moll mehr im Bereich der Konvention als die andern fünf Stücke. Darum hat man wie bei Haydns op.42 eine frühere Entstehung angenommen. Man höre sich nur das Finale an! Formale Vereinfachung und der Verzicht auf Durchführungselemente überraschen bei Beethoven ebenso wie der wenig individuelle c-moll-Charakter. Man hat das Werk aber auch anders, positiver bewertet. Beethoven hingegen war ungehalten darüber, dass sich Kritik und Publikum ausgerechnet für dieses Quartett begeisterte, und erklärte: Das ist ein rechter Dreck! gut für das Saupublikum. Trotzdem dürfen Sie, verehrtes Publikum, heute Gefallen an diesem Werk finden.

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 8, e-moll, op. 59, Nr. 2 «2. Rasumovsky-Quartett»)

Das Opus 59 ist offensichtlich als Zyklus konzipiert. Zu dessen für das damalige Publikum schwierigen Zügen hat sicher der sinfonische Tonfall beigetragen, zu dem, angeregt durch die Qualitäten des Schuppanzigh-Quartetts, weitere Elemente wie spieltechnische Ansprüche, die Harmonik und die Rhythmik hinzutreten. Im Gegensatz zum F-dur-Quartett (Nr. 1) bleibt das zweite der Rasumowsky-Quartette stärker der Tradition verpflichtet. Es wirkt wie die Antithese zum kühnen ersten – das dritte in C-dur würde dann die Synthese bilden. Auf den düsteren Kopfsatz, einen Vorgriff auf op. 95 in f-moll, folgt ein zunächst scheinbar lichter Adagio-Choral – Czerny berichtet, er sei Beethoven beim Anblick des Sternenhimmels eingefallen. Durch Beifügen von Gegenstimmen und rhythmischen Kontrapunkten löst sich der Choral-Charakter immer mehr auf. Im fünfteiligen rhythmisch pointierten Scherzo fällt im Trio das aus Mussorgskys Boris Godunow bekannte Thème russe ins Ohr. Beethoven fand es in einer Sammlung russischer Volkslieder von Iwan Pratsch, die erstmals 1790 in St. Petersburg erschienen war. Das Finale weist, nicht nur mit dem Beginn in C-dur, auf das dritte Quartett, die Synthese des Opus, voraus.