Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

31

7.1.1930, 20:15 Uhr ( 4. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Guarneri-Quartett (Berlin)

Karpilowski, Daniel, Violine 1
Stromfeld, Maurits, Violine 2
Kroyt, Boris, Viola
Lutz, Walter, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b) (1783)

Allegro (moderato)
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegretto, ma non troppo (con variazioni)

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichtrio Nr. 2 (Serenade), D-dur, op. 8 (1796/97)

Marcia: Allegro
Adagio
Menuetto: Allegretto – Trio
Adagio – Scherzo: Allegro molto
Allegretto alla Polacca
Andante quasi Allegretto (con variazioni) – Allegro –
Marcia: Allegro

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquartett Nr. 1, Es-dur, op. 12 (1829)

Adagio non troppo – Allegro non tardante
Canzonetta: Allegretto – Più mosso
Andante espressivo –
Molto allegro e vivace

(zu Mendelssohn Bartholdy, Streichquartett Nr. 1, Es-dur, op. 12)

Mendelssohns Opus 12 ist eigentlich das dritte Streichquartett des jungen Meisters. Natürlich steht bei den Quartetten op. 13 und 12 der bewunderte (mittlere und späte!) Beethoven im Hintergrund. Doch hat Mendelssohn auch im Quartett seine eigene Sprache gefunden, sowohl im Melodischen wie in der Formstruktur. Gerade das Abgehen vom Klassischen, am leichtesten erkennbar beim «Scherzo-Ersatz» der Canzonetta mit ihrem dahinhuschenden Trio, zeigt die Modernität des jungen Komponisten: Der Tanzsatz wird zum Lied ohne Worte. Das kurze Andante in B-dur, dominiert von der 1. Violine, konkurrenziert dieses «Lied» nicht. Es wirkt beinahe wie die Einleitung zum Finale, in das es denn auch attacca übergeht. Hier setzt vehement und virtuos ein Feuerwerk von Spielformen ein, das nur kurz von liedhaften Elementen und Rückgriffen auf den Kopfsatz unterbrochen wird, dann kommt alles in einem lyrischen Abgesang zur Ruhe.

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b))

Die Tonart d-moll gibt Mozart immer Anlass zu besonderer Intensität, so auch hier. Im Sotto voce-Einsatz wird zuerst die Erregung zurückgedrängt, doch kommt sie bald im Forte zum Ausbruch, und auch die Bewegung steigert sich ständig. Die Schönheit des Andante bringt Beruhigung; es ist aber kleingliedrig und von Pausen durchbrochen. Die Schroffheit des Menuetts kippt im Trio in fast unwirkliche Eleganz und Leichtigkeit, so als hätten wir es mit einer Serenade zu tun. Das Finale orientiert sich zwar an Haydns Finalthema aus op. 33/5, aber Mozarts d-moll ist weit entfernt von Haydns G-dur-Leichtigkeit. - -

Das d-moll-Quartett weist im typisch mozartschem Mollcharakter voller Erregung und in dunkler Klangsprache - wozu im Kopfsatz Intervallsprünge und herbe Dissonanzen treten - Neuartiges auf. Im Menuett kontrastiert die dunkle Färbung mit dem heiteren Serenadenton des Trios. Das Variationen-Finale greift sowohl im Siciliano-Rhythmus wie in der Melodik unüberhörbar auf Haydn selbst zurück: auf seine Finalvariationen in op. 33/5, werden aber harmonisch und modulatorisch neu gedeutet.