Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

310

31.1.1962, 20:15 Uhr ( 36. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Strauss-Quartett (Essen)
Eduard Brunner, Klarinette

Strauss, Ulrich, Violine 1
Hoever, Helmuth, Violine 2
Grahe, Konrad, Viola
Strauss, Ernest, Violoncello

Brunner, Eduard, Klarinette

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 73, F-dur, op. 74, Nr. 2, Hob. III:73 (1793)

Allegro spirituoso
Andante grazioso
Menuetto: Allegro
Finale: Presto

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 14, G-dur, KV 387 (1782)

Allegro vivace assai
Menuetto: Allegretto – Trio
Andante cantabile
Molto allegro

Max Reger
1873-1916

Quintett für Klarinette, 2 Violinen, Viola und Violoncello, A-dur, op. 146 (1916)

Moderato e amabile
Vivace
Largo
Poco allegretto (con variazioni)

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 73, F-dur, op. 74, Nr. 2, Hob. III:73)

Haydns Apponyi-Quartette sind die ersten für den grossen Konzertsaal geschriebenen Streichquartette. Was Haydn bereits in den für London komponierten Sinfonien gelungen ist, überträgt er hier auf die Kammermusik. Besonders das F-dur-Quartett hat, wie zu Beginn hörbar, sinfonischen Charakter: Ein achttaktiges Unisono-Signal eröffnet das Werk; daraus wird das Thema des monothematischen Kopfsatzes entwickelt. Das Andante gibt sich als unkomplizierte Variationenfolge (3 Variationen und Coda). Im Menuett kontrastiert das zarte Trio in Des-dur mit dem Ernst des Hauptteils. Grandios auftrumpfend das Finale: ein Sonatenrondo ohne Wiederholung, das unverkennbar zu Beethoven hinführt. Die lange Coda kulminiert fortissimo auf einem Orgelpunkt, bevor das Hauptthema nochmals auftritt und den Satz rasch zu Ende führt.

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 14, G-dur, KV 387)

Über die Entstehungsgeschichte der sechs sogenannten Haydn-Quartette wissen wir wenig, da Mozart in seinen Briefen darüber weitgehend schweigt. Doch zeigt ein Brief vom 26. April 1783 an den Pariser Verleger Joseph Sieber père, dass schon damals ein Zyklus von sechs Quartetten geplant war, obwohl erst KV 387 vorlag. Wie stark auch darin das Vorbild, Haydns op. 33, war, ist unklar. Auf dem Autograph des G-dur-Quartetts vermerkte Mozart, es sei li 31 di decembre 1782 in vienna geschrieben worden. Den neuen Stil – in Anlehnung an Haydns gantz neue Art des op. 33 – zeigt schon der Kopfsatz: ein bewundernswertes, kontrapunktisch angelegtes Hauptthema wird sogleich in motivisch-thematischer Arbeit weitergeführt. Das Menuett ist überraschend ausgedehnt und in raschem Tempo gesetzt; das Trio weicht in dunkles g-moll aus. Das Andante bildet mit seinen drei fein gegeneinander abgesetzten Themen das expressive Zentrum des Werkes, bevor eine gewagte Verbindung von Sonatenform und Fuge das Werk brillant und geistreich-spielerisch abschliesst.

Worin liegen nun Mozarts Neuerungen gegenüber Haydn?

Im oft als «Frühlingsquartett» bezeichneten G-dur-Werk sind es konstruktive Elemente, so die konsequente Anwendung des Sonatensatzes in allen vier Sätzen - ja, auch im Menuett. Gerade dieser Satz wird, äusserlich an der Dauer erkennbar, aufgewertet, hier etwa durch zwei Themen mit melodischer Umkehrung in der Durchführung. Der langsame Satz in C-dur weist zwar keine Durchführung, wohl aber Durchführungselemente auf. Im Finale verbindet Mozart Fuge und Sonatensatz, also kontrapunktische und homophone Elemente. Auffällig für Mozarts neuartige Verarbeitungstechnik ist der Kopfsatz: Statt wie Haydn die Themen in kleinste Motive aufzulösen, setzt er auf die Auflösung vertikal geprägter Harmonik und Akkordspannungen in die melodische Horizontale.