Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

312

20.2.1962, 20:15 Uhr ( 36. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Bastiaan-Quartett (Berlin)
Giusto Cappone, Viola

Bastiaan, Hans, Violine 1
Blau, Johannes, Violine 2
Steiner, Fritz, Viola
Steiner, Peter, Violoncello

Cappone, Giusto, Viola

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 48, F-dur, op. 50, Nr. 5, Hob. III:48 «Der Traum» (1784–87)

Allegro moderato
Poco Adagio
Menuetto: Allegretto
Finale: Vivace

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquintett Nr. 6, Es-dur, KV 614 (1791)

Allegro di molto
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro

Johannes Brahms
1833-1897

Streichquintett Nr. 1, F-dur, op. 88 (1882)

Allegro non troppo, ma con brio
Grave ed appassionato – Allegretto vivace – Presto
Allegro energico – Presto

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 48, F-dur, op. 50, Nr. 5, Hob. III:48 «Der Traum»)

Das zuletzt geschrieben fünfte Quartett ist ein heiteres Stück in gelöster Stimmung. Besonders schön ist hier ruhige und zarte, meist piano erklingende langsame Satz. Auch hier ist das f-moll-Trio bloss eine Variante des Menuetts. Das Finale ist wie der Kopfsatz weitgehend monothematisch und endet überraschend in einer Coda, die Satzanfang und Ende der Exposition zusammenfasst.

(zu Mozart, Streichquintett Nr. 6, Es-dur, KV 614)

Das letzte Quintett KV 614 ist auch Mozarts letztes Kammermusikwerk und es löst die Problematik von Heiterkeit und Ernst ganz anders: Es betont die Heiterkeit, ja das Volkstümliche, ist aber raffinierter gearbeitet als man zuerst wahrnimmt, wenn auch einfacher als KV 593. Es sei hier nur auf die Themenverwandtschaft von Kopfsatz, Menuett und Finale hingewiesen. Das Andante darf als ein Höhepunkt in Mozarts an Höhepunkten so reicher Kammermusik gelten – und es ist wohl mit ein Grund, weshalb manche gerade dieses Quintett über alle andern stellen. Manchmal klingt es in KV 614 wie Haydn (dessen Finalthema aus op. 64/6 Mozart in der Tat im Finalthema in Umkehrung zitiert) – eine letzte Reverenz an das grosse Kammermusikgenie, dem Mozart so viel verdankt? Und vielleicht ist es auch eine Honneur an den Geiger und Tuchhändler Johann Tost, Widmungsträger von 12 Haydn-Quartet-ten, darunter op. 64, den man hinter der Bemerkung der Erstausgabe von KV 593 (1793), „composto per un amatore ongarese“, vermutet, die wohl auch für KV 614 gilt. Tost war ein Logenbruder Mozarts.

(zu Brahms, Streichquintett Nr. 1, F-dur, op. 88)

«Ich kann Ihnen sagen, dass Sie bisher kein so schönes Werk von mir haben, und wahrscheinlich haben Sie kein solches in den letzten zehn Jahren veröffentlicht», schrieb Brahms im August 1882 an seinen Verleger Fritz Simrock über sein F-dur-Streichquintett. Es war im Mai und Juni 1882, noch ganz unter dem Eindruck einer Frühjahrsreise nach Italien, in Bad Ischl entstanden, zusammen mit dem Klaviertrio op. 87. Brahms nannte es «ein Frühlingsprodukt» und liebte es, trotz Einwänden von Clara Schumann und Joachim, auch später noch. Man hat kritisiert, die Themen des Werkes hätten nicht das von Brahms gewohnte Niveau. Wie bei der 3. Sinfonie op. 90 vom Sommer 1883 ist nicht Eingänglichkeit gesucht, sondern Satz- und Klangtechnik, sorgfältige Durcharbeitung in kontrapunktischer und motivischer Gleichbehandlung der Stimmen - und dies alles mit der natürlichen Frische des Frühlingshaften. Der zweite Satz zeigt die «brahmsische» Kombination von langsamem Satz und Scherzo, das erst recht brahmsisch wirkt, weil es zuerst als idyllisches Allegretto daherkommt und erst bei der zweiten Wiederkehr als Variation zum scherzohaften Presto gesteigert ist.