Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

326

26.11.1963, 20:15 Uhr ( 38. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Quartetto Italiano (Mailand)

Borciani, Paolo, Violine 1
Pegreffi, Elisa, Violine 2
Farulli, Piero, Viola
Rossi, Franco, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Adagio und Fuge c-moll für Streichquartett, KV 546 (1788)

Adagio – Fuga: Allegro

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 15, a-moll, op. 132 (1825)

Assai sostenuto – Allegro
Allegro, ma non tanto
Heiliger Dankgesang eines Genesenen, in der lydischen Tonart: Molto adagio –
Neue Kraft fühlend: Andante –
Mit innigster Empfindung: Molto adagio
Alla Marcia, assai vivace – Più allegro – Allegro appassionato – Presto

Giuseppe Verdi
1813-1901

Streichquartett e-moll (1873)

Allegro
Andantino
Prestissimo
Scherzo – Fuga: Allegro assai mosso – Poco più presto

(zu Verdi, Streichquartett e-moll)

„Tutto nel mondo è burla – Alles in der Welt ist Posse.“ So beginnt das Schlussstück von Verdis letzter Oper „Falstaff“ (Uraufführung am 9. Februar 1893 an der Mailänder Scala) – in Form einer Fuge. Der achtzigjährige Komponist beschloss damit witzig sein Opernschaffen, indem er sich über die Welt als Narrenhaus mokiert und mit der Erkenntnis endet, im Stück – im Leben? – seien „tutti gabbati – alle betrogen“, auch die, welche kurz zuvor noch glaubten, sie hätten die Lage im Griff. Wenig zuvor hiess es „Ride ben chi ride la risata final – Gut lacht, wer den letzten Lacher lacht.“ Lachen – ist das die Quintessenz eines langen Lebens? Nachdem er 24 ernsthafte Opern und jung eine komische geschrieben hatte, lässt er sein Schaffen im Lachen enden. Erstaunlich ist, dass er bereits zwanzig Jahre zuvor im Streichquartett den Schlusssatz nicht nur als Fuge gestaltet hat, sondern sie als Scherzo in raschestem Tempo charakterisiert. Im einzigen Werk einer Gattung, die man Verdi kaum zutraut, die er aber bestens kannte, sie aber nicht für „italienisch“ hielt, nimmt er senza parole den Schluss der letzten Oper vorweg. Bereits im vorangehenden Satz (Prestissimo), dem eigentlichen Scherzo, das als Trio eine kantable Serenade mit „Gitarrenbegleitung“ aufweist, scheint der spätere Falstaff-Ton präsent. Sein durcheinander wirbelndes Geschwätz dürfte man allerdings eher den „lustigen Weibern“ zuschreiben als der Schlussweisheit Falstaffs; das Trio lässt in den hohen Cellophrasen an den schmachtenden Ton Fentons denken. Der Kopfsatz deutet musikalisch die Entstehung des Quartetts an: 1873 musste Verdi in Neapel bei der Einstudierung der „Aida“ eine dreiwöchige Pause einlegen, da die Sängerin der Titelrolle, Teresa Stolz, an einer Halsentzündung litt. Da komponierte er zum Zeitvertreib eben ein Streichquartett – und schon beim ersten Thema scheinen Anklänge an „Aida“ auf, speziell an Passagen der Amneris am Beginn der Oper. Die Vortragsbezeichnung dolcissimo, con eleganza im nicht tiefgründig sein wollenden Andantino passt durchaus auch ins Opernhaus. Obwohl man bei Verdi immer dieses Opernhafte sucht (und findet) – das Quartett ist ein originelles Kammermusikwerk. Verdi dachte zunächst nicht an öffentliche Aufführungen und liess es nur im Freundeskreis spielen; erst drei Jahre später gab er es frei. Er wusste selber nicht (oder tat wenigstens so), was er von dem Werk halten solle, „aber dass es ein Quartett ist, das weiss ich!“

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 15, a-moll, op. 132)

Auch in Beethovens a-moll-Quartett bildet der langsame Satz Zentrum und Hauptaussage des ganzen Werkes. Nicht nur die Länge, auch die religiös motivierte Umschreibung der Satzbedeutung hebt diesen einmaligen Satz aus den andern hervor. Mag die erstmalige Ausweitung der Satzzahl von vier auf fünf im Vergleich mit op. 130 und 131 noch unentschlossen wirken, die eine Aufgabe, das Molto Adagio ins Zentrum zu rücken, wird durch den kurzen Geschwindmarsch durchaus erreicht. Der Dankgesang ist – trotz seinen „himmlischen Längen“ – im Grunde einfach gebaut; er beginnt mit einer choralartigen Melodie. Ihre Phrasen folgen einander jeweils halbtaktig im 4stimmigen Satz. Der Choralteil wird von einem leichteren Andante in D-dur abgelöst, das mit „Neue Kraft fühlend“ überschrieben ist. Es nimmt im weiteren Verlauf geradezu tänzerische Züge an. Diese beiden Teile werden wiederholt, der Choral wird variiert, das Andante bleibt weitgehend unverändert. Eine 3. Choralstrophe führt „mit innigster Empfindung“ den Satz fast in Rondoform zu Ende. Der erste Satz beginnt mit einer Einleitung, welche ausgehend vom Cello jenes Viertonmotiv in je einem auf- und absteigenden Halbtonschritt (gis – a / f – e; in der 1. Violine dis – e / c – h) einführt, welches als Klammer die drei grossen der späten Beethovenquartette verbindet. Schon das Hauptthema des Kopfsatzes nimmt es im Zentrum auf und selbst im Finalthema taucht es versteckt wieder auf.

(zu Mozart, Adagio und Fuge c-moll für Streichquartett, KV 546)

Am 29. Dezember 1783 vollendete Mozart als Abschluss einer Reihe von Fugenkompositionen der Jahre 1782/83 – Zeichen der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem von Baron van Swieten ermöglichten Studium von Bach und Händel – eine Fuge für zwei Klaviere (KV 426). Vier Jahre später griff er darauf zurück, setzte sie für Streichquartett und fügte ein Adagio von 50 Takten hinzu. Dieses «Präludium» weist die kühnsten Harmonien auf, die Mozart je geschrieben hat. Die Fuge (108 Takte) mit einem markanten Thema, das zu den eindrücklichsten Fugenthemen überhaupt gehört, wird vom Cello exponiert.