Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

340

13.4.1965, 20:15 Uhr ( 39. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Wiener Trio (Wien)

Guth, Peter, Violine
Litschauer, Heidi, Violoncello
Buchbinder, Rudi, Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 4, E-dur, KV 542 (1788)

Allegro
Andante grazioso
Finale: Allegro

Bedrich Smetana
1824-1884

Klaviertrio g-moll, op. 15 (1855)

Moderato assai – Più animato
Allegro, ma non agitato – Alternativo I: Andante – Alternativo II: Maestoso
Finale: Presto – Meno presto, tranquillo assai – Grave, quasi marcia

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio» (1811)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Andante cantabile (ma però con moto) –
Allegro moderato – Presto

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio»)

Die Werke, die Beethoven seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete (5. Klavierkonzert, Hammerklaviersonate, Missa solemnis, etc.) zeichnen sich durch eine besondere Grösse und Bedeutung aus und bilden nicht selten den Höhepunkt der jeweiligen Gattung. Dies ist beim "Erzherzog-Trio" nicht anders. Nicht nur die Länge des Werkes, sondern auch seine Themengestaltung zeigt Weite und gleichsam würdevollen Ernst. Und doch liegt über dem Ganzen eine "poetisch-klangschöne" Farbe, die auch der benachbarten und ebenfalls dem Erzherzog gewidmeten Violinsonate op. 96 eigen ist. Das Klavier dominiert zwar – ganz neu ist der Soloeinsatz zu Beginn mit dem weitgespannten Hauptthema, und erst noch im dolce – wirkt aber nicht solistisch-virtuos, sondern gibt dem Klangbild einen sinfonischen Zug. Den Kopfsatz prägt weniger eine kontrastierende Dualität der Themen (es sind letztlich drei) als eine gewisse Verwandtschaft. Die motivische Arbeit bezieht ihr Material vor allem aus den ersten vier Tönen und dem Trillermotiv des Hauptthemas. Das eher kurze Scherzo steht – wie später in der 9. Sinfonie – an zweiter Stelle und lässt Raum für das dem Kopfsatz in der Länge entsprechende Adagio, einen kantablen Variationensatz in D-dur. Auf vier Variationen folgt als fünfter Teil eine gedehnte Coda, die Durchführungselemente aufweist. Attacca schliesst das tänzerische, überraschungsreiche Final-Rondo an, das in einer Presto-Stretta endet.

«Als wollte Beethoven darauf aufmerksam machen, dass sich das Klavier im Klaviertrio nicht nur den Streichern unterzuordnen habe, lässt er das B-dur-Trio op. 97 mit dem Klavier allein beginnen, was er nie zuvor gewagt hatte. Allerdings forderte er vom Klavier ein dolce. Das Werk scheint die Summe der Klaviertrio-Komposition bei Beethoven darzustellen - in der Fülle der kompositorischen Gedanken, der Kraft des Emotionellen und in der Ausgeglichenheit des Klangbildes wie der Formfügung. Die Tatsache, dass Beethoven dieses Werk seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete, trug ihm den an sich nichtssagenden Titel Erzherzogtrio ein» (W.-E. von Lewinski im Beiheft zur CD-Neuausgabe sämtlicher Beethoven-Trios mit dem frühen Beaux Arts Trio). Immerhin ist der Titel des Werkes würdig, und er stellt es zu Recht im Anspruch auf die gleiche Stufe wie die ebenfalls dem Erzherzog gewidmete Missa Solemnis, die Hammerklaviersonate oder die Grosse Fuge.

(zu Mozart, Klaviertrio Nr. 4, E-dur, KV 542)

Unter Mozarts Klaviertrios nimmt das E-dur-Werk nicht nur in der Meinung Alfred Einsteins den Spitzenrang ein. Es ist unmittelbar vor den drei letzten Sinfonien entstanden und hält sehr wohl deren Rang; auch die Tonart, bei Mozart selten, gibt dem Stück besonderen Reiz. Die mehr konzertante Haltung, die das vorangehende B-dur-Trio KV 502 auszeichnete, ist nicht aufgegeben, sondern noch subtiler in kammermusikalisches Zusammenspiel umgeformt. So übernehmen im Kopfsatz Klavier (Hauptthema, bei der Wiederkehr in den Streichern konzertierend untermalend) und Streicher (Seitenthema) die Führung. Graziös und doch leicht schwermütig überrascht das Andante mit harmonischen Verschlingungen, bevor ein äusserlich spielfreudiges Finalrondo seine raffiniert gearbeitete Motivik mehr verbirgt als offenbart. Gegen Ende spielen die Streicher in effektvollen Oktavparallelen gegen das Klavier an, doch dann schliesst das Werk geradezu schwerelos-leicht.

(zu Smetana, Klaviertrio g-moll, op. 15)

«Der Verlust meines ältesten Töchterchens, dieses so ungewöhnlich begabten Kindes, veranlasste mich im Jahre 1855 zur Komposition eines Kammermusikwerkes, des Trios in g-moll. Es wurde noch im gleichen Jahre im Dezember in Prag aufgeführt, ich sass am Klavier, Königslöw spielte den Geigen- und Goltermann den Cellopart. Der Erfolg – ein Misserfolg. Die Kritik verhielt sich durchwegs ablehnend. (...) Ein Jahr später spielten wir das Trio bei mir Liszt vor, der mich umarmte und meine Frau zu dem Werke beglückwünschte.» So schrieb Smetana 22 Jahre nach Entstehung des Trios in einem Brief. Wenn man an Smetanas Kompositionen (ausserhalb der Opern) denkt, kommt einem rasch der Begriff «Programmmusik» der Sinfonischen Dichtungen in den Sinn. Den Kammermusikfreunden fällt natürlich das 1. Quartett «Aus meinem Leben» mit den autobiographischen Bezügen ein, wie sie im Brief vom 12. April 1878 beschrieben sind. Das weniger bekannte Klaviertrio ist wie auch das 2. Streichquartett ebenfalls ohne biographischen Bezug nicht denkbar, auch wenn kein eigentliches Programm zugrunde liegt. Wie der Komponist erwähnt, war der Auslöser für das Werk der Tod der ältesten, etwas über vier Jahre alten Tochter Bedřiška an Scharlach am 6. September 1855. Das Trio entstand in knapp drei Monaten, die Uraufführung fand am 3. Dezember statt (überarbeitet 1857). Der biographische Hintergrund spielt insofern stark mit, als er die Grundstimmung des Werks bestimmt, insbesondere im expressiven Kopfsatz, der unmittelbar nach dem Tod des Kindes entstanden ist. Er ist hörbar Ausdruck des tiefen Schmerzes. Das gleichwohl kraftvolle Hauptthema – «mit einem Schluchzer über eine Duodezime» (K. Honolka) – bestimmt mit seinem chromatisch abwärts führenden Motto den ganzen Satz. Der virtuos-vollgriffige Klaviersatz lässt an Liszt denken, so dass dessen Zufriedenheit mit dem Werk nicht verwundert. Der zweite Satz, ebenfalls in g-moll, ist in fünf Abschnitte gegliedert. Der volksmusiknahe Hauptteil, zu Beginn auf das Motto zurückgreifend, wird zweimal, mit Veränderungen und Kürzungen, wieder aufgenommen. Dazwischen stehen in sich geschlossene Alternativteile I und II, der erste langsam, der zweite marschartig, beide teilweise nach Dur wechselnd. Sie schliessen gewissermassen den dem Trio fehlenden langsamen Satz zwischen die scherzohaften Teile ein. Auch im Finale erscheint in der Einleitung das Mottothema wieder. Doch dann greift Smetana auf ein Jugendwerk, eine Klaviersonate von 1846, zurück. Mit deren Finalthema, das in der Coda das Trio schwungvoll in D-dur beschliessen wird, überwindet Smetana Schmerz und Trauer, auch wenn vom melodiösen Seitenthema trauermarschähnliche Passagen ausgehen.