Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

358

4.4.1967, 20:15 Uhr ( 41. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Quartetto di Roma (Rom)

Pelliccia, Arrigo, Violine
Bianchi, Luigi Alberto, Viola
Amfiteatroff, Massimo, Violoncello
Santoliquido, Ornella, Klavier

Gabriel Fauré
1845-1924

Klavierquartett Nr. 1, c-moll, op. 15 (1879)

Allegro molto moderato
Scherzo: Allegro vivo
Adagio
Allegro molto

Bohuslav Martinu
1890-1959

Klavierquartett, d-moll, H. 287 (1942)

Poco allegro
Adagio
Allegretto poco moderato

Johannes Brahms
1833-1897

Klavierquartett Nr. 3, c-moll, op. 60 (1875)

Allegro non troppo
Scherzo: Allegro
Andante
Finale: Allegro comodo

(zu Brahms, Klavierquartett Nr. 3, c-moll, op. 60)

Im c-moll-Klavierquartett greift Brahms auf ein Werk in cis-moll von 1855/6 zurück. Es muss ein düsteres, in Verzweiflung über die Liebe zu Clara Schumann – Brahms war in Werther-Stimmung – entstandenes Werk gewesen sein. Mehrfach holte er es wieder hervor (1869, 1873/4) und arbeitete bis Sommer 1875 daran. Der Kopfsatz mit seinen Seufzermotiven und seinem Pathos und das düstere Scherzo scheinen am meisten von der ursprünglichen Fassung bewahrt zu haben. Das Andante, ein Intermezzo in dreiteiliger Liedform, wirkt am ehesten entspannt; die Seufzer sind nur noch entfernt zu vernehmen. Die Thematik des Finale entwickelt sich aus den ersten Takten, spricht von Schicksal und endet als Choral. Die verschiedenen Anläufe zum C-dur gelingen nicht, und als es sich zum Schluss durchsetzt, behält es den tragischen Tonfall.

(zu Fauré, Klavierquartett Nr. 1, c-moll, op. 15)

In seinen ebenfalls zwei Klavierquartetten zeigt sich Fauré gegenüber manchen seiner anderen Werke von der schwungvoll-eleganten Seite. Im 1. Quartett überzeugen die Frische und die Balance in allen Stimmen. Obwohl Fauré Pianist war und das Quartett 1880 selber zur Uraufführung brachte, dominiert das Klavier nicht. Der grösste Teil des Werkes entstand 1876 in der Normandie. Das Finale bereitete Fauré grössere Schwierigkeiten; eine erste Fassung von 1879 wurde 1883 weitgehend revidiert. Im Formalen orientiert sich der Komponist an romantischen Vorbildern. Im Klanglichen allerdings gibt er hier sein Bestes. Wunderbar die Ruhe des auf einem kurzen Motiv aufgebauten melancholisch-meditativen Adagios, sublim die nie seichte Leichtigkeit und Eleganz des Scherzos. Dieses, der wohl genialste Satz des Werkes, ist rondoartig nach dem Schema A – B – A – C (eigentliches Trio) – A gebaut. Der Fauré-Biograph J.-M. Nectoux schrieb 1972 dazu: «C’est, retrouvée, la finesse des clavecinistes français du XVIIIe siècle, dans une atmosphère où l’on pressent déjà Verlaine. (...) Par la séduction immédiate qu’il exerce, c’est l’une des clefs de son oeuvre. (...) Il annonce les scherzos des Quatuors à cordes de Debussy et de Ravel.» Im Kopfsatz, einem strengen Sonatensatz, kontrastieren die in Moll bzw. Dur gehaltenen beiden Themen, die man als männlich und weiblich bezeichnen könnte. Das Finale, wiederum ein Sonatensatz, nimmt die Energie des Kopfsatzes auf und führt in einer breit ausgeführten Coda in C-dur die Themen kontrapunktisch zusammen.