Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

37

25.11.1930, 20:15 Uhr ( 5. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Basler Streichquartett [1926-1947] (Basel)
Bruno Maischhofer, Klavier

Hirt, Fritz, Violine 1
Felicani, Rodolfo, Violine 2
Bertschmann, Albert, Viola
Beyer-Hané, Hermann, Violoncello

Maischhofer, Bruno, Klavier

Paul Hindemith
1895-1963

Streichquartett Nr. 4, op. 32 (1924)

Lebhafte Halbe
Sehr langsam, aber immer fliessend
Kleiner Marsch: Vivace, sempre crescendo
Passacaglia

Max Reger
1873-1916

Sonate Nr. 8 für Violine und Klavier, e-moll, op. 122 (1911)

Moderato
Vivace
Adagio
Allegretto espressivo

Antonín Dvorák
1841-1904

Streichquartett Nr. 12, F-dur, op. 96, B 179 «Amerikanisches Quartett» (1893)

Allegro ma non troppo
Lento
Molto vivace
Finale: Vivace ma non troppo

(zu Dvorák, Streichquartett Nr. 12, F-dur, op. 96, B 179 «Amerikanisches Quartett»)

Dvořáks berühmtestes Streichquartett ist mit knapp 25 Minuten Dauer sein kürzestes. 1892 hatte der Komponist den Ruf nach New York angenommen und war dort für drei Jahre Direktor des Nationalkonservatoriums geworden. Er unterrichtete zudem Komposition und Orchestrierung. Die neue Umgebung inspirierte ihn zumindest im ersten Jahr 1893 stark, denn er komponierte einige seiner bedeutendsten und beliebtesten Werke. Neben der Sinfonie «Aus der Neuen Welt» op. 95 (abgeschlossen im Mai in New York) waren dies im Sommer 1893 das heute gespielte op. 96 und das Streichquintett op. 97. Dvořák verbrachte seine Sommerferien im kleinen Spillville (Bundesstaat Iowa im mittleren Westen – die lange Zugsfahrt von 36 Stunden hat den Eisenbahnfan Dvořák natürlich nicht abgeschreckt). Hier auf dem Land fühlte er sich wohl, weit weg vom Rummel der Riesenstadt und erst noch in der Nähe der vielen tschechischen Einwanderer, die ihn dorthin eingeladen hatten. Die Skizze entstand in nur drei Tagen vom 8. bis 10. Juni, die Ausarbeitung in vierzehn vom 12. bis 25. Juni. Das populäre Werk braucht keine Erklärungen, denn der Wohlklang der schönen und eingänglichen Melodien wie auch die Rhythmen sprechen unmittelbar an. Es erheben sich höchstens einige Fragen, was denn das «Amerikanische» an diesem Stück ausmacht. Sind es wirklich Melodien, die der Komponist der Volksmusik abgelauscht hat, die er sich von Schwarzen und Indianern hat vorsingen und vortanzen lassen? Oder sind es eher einzelne melodische Besonderheiten wie die Pentatonik mit Verminderung der 7. Stufe in Moll, die Rhythmik mit ihren Synkopen oder einfach die ländliche Stimmung, bei der Anklänge an Vogelrufe nicht fehlen? Einer stammt vom schwarzflügligen roten Tanagra, den Dvořák gleich nach Ankunft auf dem Land mit Interesse gehört hatte und denn auch zitiert. Auffällig ist der Beginn des Finale, wo der Komponist über dreissig Takte einen ostinaten Rhythmus vorbereitend einsetzt, bevor er das eigentliche Thema durchbrechen lässt. Was die Verwendung von originalen Melodien betrifft, teilte Dvořák 1900 Oskar Nedbal mit: «Aber lassen Sie den Unsinn, dass ich Originalmelodien gebraucht habe, aus. Ich habe nur im Geist dieser Nationalmelodien komponiert.»