Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

396

8.12.1970, 20:15 Uhr (Beethoven-Zyklus (B) 45. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Basler Künstler (Basel)
Manz, Rieckhoff, Hoever, Lesueur, Strauss, Mäser

Hoever, Herbert, Violine
Lesueur, Max, Viola
Strauss, Ernest, Violoncello
Mäser, Rolf, Klavier
Manz, Felix, Flöte
Rieckhoff, Peter, Klarinette

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Serenade für Flöte, Violine und Viola, D-dur, op. 25 (1795/96?)

Entrata: Allegro
Tempo ordinario d’un Menuetto
Allegro molto
Andante con Variazioni
Allegro scherzando e vivace
Adagio – Allegro vivace e dis in volta

Trio Nr. 4, B-dur, für Klavier, Klarinette und Violoncello, op. 11 «Gassenhauertrio» (1798)

Allegro con brio
Adagio
Tema con variazioni: Allegretto – Allegro
(Über «Pria ch’io l’impegno» aus Weigls «L’amor marinaro»

Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 1, Nr. 3 (1793/94)

Allegro con brio
Andante cantabile con variazioni
Menuetto: Quasi Allegro – Trio
Finale: Prestissimo

(zu Beethoven, Trio Nr. 4, B-dur, für Klavier, Klarinette und Violoncello, op. 11 «Gassenhauertrio»)

Der Kopfsatz lebt von der Spannung zwischen Ernst und Heiterkeit, das Adagio zeigt Kantabilität. Das zeittypische Finale bereitete Beethoven später Sorgen, nicht etwa, weil es schlecht wäre, sondern für ihn nicht mehr zum Vorangehenden passte. Die raffinierten neun Variationen über eine aktuelle Opernmelodie aus Joseph Weigls kurz zuvor aufgeführtem „L’amor marinaro ossia Il corsaro“ kosten das Thema aus und führen von der ersten, wie üblich dem Klavier und der zweiten, den andern Instrumenten vorbehaltenen Variation hin zu einer virtuos-krönenden Coda.

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 1, Nr. 3)

Wer sich am Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2), doch trat er – es wirkt wie ein Kompromiss – 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Natürlich hatte er zuvor eine beträchtliche Anzahl von Kompositionen geschrieben; das op. 1 war auch nicht sein erster Beitrag zur Gattung Klaviertrio. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmt hat. Erstmals erklungen sind sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie laut Ries Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt, riet allerdings Beethoven, das c-moll-Trio nicht in Druck zu geben – was diesen eher verstimmte. Weshalb Haydn abriet, ist nicht klar. Für den Druck wurden die drei Trios nochmals überarbeitet. Mit seinem op. 1 hat Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig begründet. Er fügte gegenüber Haydn und Mozart an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch für Beethoven ist zudem, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht um ein Menuett handelt, obwohl die Bezeichnung noch so lautet. Das Stück in der „Beethoven-Tonart“ c-moll ist gewiss das dramatischste und fortschrittlichste der drei. Man hat mit ihr „Ausdrucksregionen des Düsteren, Tragischen und Wilden“ verbunden (A. Werner-Jensen). Diese gelten für den Kopfsatz, der sein Hauptthema erst nach einem unisono geführten Einleitungsmotto vorstellt, insbesondere in der Durchführung, und für das Finale. Doch werden sie im Kopfsatz durch das zweite Thema („dolce“) und dann durch die Variationen des Andante gleichsam entschärft. Auch das Scherzo spielt das Dämonische nicht aus; im Trio (C-dur) werden gar helle Töne angeschlagen. Auch der Schlusssatz wendet sich ganz am Ende wieder C-dur zu und endet pianissimo – gewiss eine Überraschung in einem beethovenschen c-moll-Werk.