Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

405

15.2.1972, 20:15 Uhr (Zyklus A 46. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Fine Arts Quartet (Milwaukee/Wisconsin)

Sorkin, Leonard, Violine 1
Loft, Abram, Violine 2
Zaslav, Bernard, Viola
Sopkin, George, Violoncello

Das Fine Arts Quartet wurde 1946 gegründet. Es ist in der ganzen Welt aufgetreten und darf als eine der namhaftesten Quartettformationen der vergangenen fünfzig Jahre gelten. Bisher war das Quartett einmal bei uns zu Gast: 1972 mit den Herren Sorkin, Loft, Zaslav und Sopkin. In der heutigen Besetzung spielt es seit 1982. Die Mitglieder des Quartetts sind Artists in residence an der University of Wisconsin-Milwaukee, als Gäste häufig auch an den Konservatorien von Paris und Lyon, an der Yale University und an der Indiana University. Gerne spielt das Ensemble zyklische Aufführungen der Quartette von Mozart, Beethoven und Brahms. Schallplatteneinspielungen sind bei Decca und Vox erschienen.

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquartett Nr. 2, a-moll, op. 13 (1827)

Adagio – Allegro vivace
Adagio non lento
Intermezzo: Allegretto con moto – Allegro di molto
Presto – Adagio non lento

Charles Wuorinen
1938-

Streichquartett (1970/71)

¼ = 60
Stesso tempo
¼ = 60. Allegramente

Claude Debussy
1862-1918

Streichquartett g-moll, op. 10 (1893)

Animé et très décidé
Assez vif et bien rythmé
Andantino, doucement expressif
Très modéré – Très mouvementé et avec passion – Tempo rubato

(zu Mendelssohn Bartholdy, Streichquartett Nr. 2, a-moll, op. 13)

Mendelssohns Streichquartett Nr. 2 von 1827 ist eigentlich seine Nummer 1 (bzw. bleibt die Nr. 2, wenn man das erst 1879 veröffentlichte Es-dur-Quartett von 1823 mitzählen will). Einzig die spätere Veröffentlichung (1830) hat ihm im Vergleich mit dem 1829 entstandenen op. 12 die Nummer 2 und die höhere Opuszahl eingetragen (ähnlich wie bei Beethovens Klavierkonzerten Nr. 1 und 2). Nehmen wir das Werk als das, was es ist: Mendelssohns erstes vollgültiges Quartett. Der damals achtzehnjährige Komponist schuf damit eine originelle und auf der Höhe der Zeit stehende Komposition, vielleicht sogar sein bestes Werk bisher. Mendelssohn orientiert sich am Modernsten seiner Zeit, an den späten Quartetten Beethovens, die in dessen Todesjahr 1827 zumindest teilweise als schwierig galten. Kurz zuvor hatte er – noch vor der Berliner Erstaufführung – das op. 132 kennen gelernt. Die Anlehnung geschieht nicht als Kopie und ist verknüpft mit viel Eigenem. Dazu gehört etwa das Intermezzo, das weder als Menuett noch als Scherzo daherkommt, sondern liedhaft, allerdings im Trioteil in den typischen „Elfenstil“ umschlagend. Neuartig ist auch, wie Mendelssohn das Einleitungs-Adagio einsetzt: Er greift auf ein Lied „Frage“ („Ist es wahr?“ op. 9/1) desselben Jahres zurück und stellt es mottoartig nicht nur an den Beginn des Werks, sondern auch an dessen Schluss. So erreicht er eine damals höchst moderne zyklische Geschlossenheit.

(zu Debussy, Streichquartett g-moll, op. 10)

In den 1880er Jahren war Debussy begeistert von Wagners Musik und besuchte Bayreuth. Beeindruckt hat ihn lange der Parsifal, was sich auch in Pelléas et Mélisande niederschlägt. 1889, anlässlich der Pariser Weltausstellung, kam als weiteres Element die Musik des Fernen Ostens hinzu, die erstmals in Europa erklang. Wagners Klangwelt verband er mit exotischen Einfärbungen der Gamelan-Musik und mit ungewohnten Ganztonleitern – und schuf gleichwohl gerade im Streichquartett eine vollkommen französische Musik. Es ist im gleichen Jahr entstanden wie die ersten Skizzen zu Pelléas et Mélisande. Die vier Sätze sind alle aus dem Hauptthema des Kopfsatzes entwickelt, das mit den drei Tönen g–f–d beginnt. Dies geschieht aber nicht in Form der klassischen Durchführungstechnik, sondern indem derselbe Gedanke immer wieder mit exotischen Klängen und mit gleitenden Instrumentalfarben umspielt wird. Dazu kommt eine ungewohnte Rhythmik, die das Publikum der ersten Aufführung ebenso irritierte wie die neue Klanglichkeit. Besser erkannte der Komponistenkollege und Freund Paul Dukas die Bedeutung des Werks: «Alles darin ist klar und deutlich gezeichnet, trotz grosser formaler Freiheit. Debussy zeigt eine besondere Vorliebe für Verknüpfungen klangvoller Akkorde und für Dissonanzen, die jedoch nirgends grell, vielmehr in ihren komplexen Verschlingungen fast noch harmonischer als selbst Konsonanzen wirken; die Melodie bewegt sich, als schreite sie über einen luxuriösen, kunstvoll gemusterten Teppich von wundersamer Farbigkeit, aus dem alle schreienden und unstimmigen Töne verbannt sind.