Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

434

2.4.1974, 20:15 Uhr (Zyklus B 48. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Quartetto Beethoven (Rom)

Ayo, Felix, Violine
Ghedin, Alfonso, Viola
Altobelli, Enzo, Violoncello
Bruno, Carlo, Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klavierquartett Nr. 1, g-moll, KV 478 (1785)

Allegro
Andante
Rondo: Allegro

Bohuslav Martinu
1890-1959

Klavierquartett, d-moll, H. 287 (1942)

Poco allegro
Adagio
Allegretto poco moderato

Gabriel Fauré
1845-1924

Klavierquartett Nr. 1, c-moll, op. 15 (1879)

Allegro molto moderato
Scherzo: Allegro vivo
Adagio
Allegro molto

(zu Mozart, Klavierquartett Nr. 1, g-moll, KV 478)

Angesichts der Meisterwerke, welche die beiden Klavierquartette Mozarts darstellen, ist es bedauerlich, dass ein geplantes drittes nicht zustande kam. Die neuartige Gattung, zudem mit so viel neuartiger Musik und ernsthaftem Anspruch verbunden, hatte beim damaligen Publikum keinen Erfolg, obwohl sie im Bereich der Kammermusik das Pendant zu den Klavierkonzerten bildet, die zu den beliebtesten und schönsten Instrumentalwerken Mozarts gehören. Man spürt auch hier Mozarts Vorliebe und Vertrautheit mit seinem eigenen (Haupt-)Instrument überall. Die Quartette sind allerdings echte Kammermusik, nicht wie die auch mit Klavier und Streichquartett aufführbaren Klavierkonzerte KV 413-415 und 449 (1782-84). Das Klavier ist bei aller Virtuosität vorbildlich ins Gesamtgefüge eingebaut. So wird das g-moll-Quartett im Unisono aller vier Instrumente mit einer impetuosen Fanfarengeste dramatisch eröffnet. Das Klavier kontert mit einer vehementen punktierten Aufwärtsbewegung, welche zunächst, noch immer im forte, in eine abwärts führende Tonleiter mündet. Die Passage endet piano mit einem weiterhin wichtigen Motiv. Sogleich wird die ganze Passage harmonisch variiert wiederholt. Dann übernehmen die Streicher die Führung, während das Klavier daneben seinen Oktavsprung aufwärts abwandelt; mit diesem Motiv kommt es zu einer weiteren unisono-Passage. Dann kehrt das Kopfmotiv, zuerst in den Streichern, dann im Klavier, wieder. Schon der so einfach wirkende Beginn belegt die sorgfältige Ausarbeitung. Die Tonart g-moll zeigt sich in diesem Satz nicht, wie öfter bei Mozart, von der traurig-empfindsamen Seite, sondern dramatisch. Der Satz endet in einer vehementen Coda, worin die Streicher das Kopfmotiv pathetisch den virtuosen Sechzehntelfiguren des Klaviers entgegensetzen. Damit ist es mit der Dramatik in diesem Werk vorbei. Das herrliche Andante in B-dur setzt mit dem vom Klavier eingeführten innigen Thema den grössten denkbaren Kontrast. Wer im Finale eine Rückkehr zu Klang und Tonart des Kopfsatzes erwartet, sieht sich getäuscht. Ein konzertantes, wieder vom Klavier solo eröffnetes G-dur-Rondo führt das Werk spielerisch-virtuos zum Ende. Das heitere Thema stünde jedem Klavierkonzert gut an, doch ist das Gleichgewicht nie verschoben. Mozart nimmt im Klavier zwei eingängige Themen vorweg, das Hauptthema seines D-dur-Rondos KV 485 (Januar 1786) sowie einen Voranklang an das Andante-Thema aus Haydns Paukenschlagsinfonie (1792), allerdings ohne dessen Überraschungseffekt. Mozart hat im Autograph den Finalsatz nicht bezeichnet; alla breve genügte ihm offenbar. Im Erstdruck (Hoffmeister, Wien 1785/86) erscheint Rondeau und erst 1823 in der sorgfältigen Ausgabe von J. André die wohl doch apokryphe Tempoangabe Rondo. Allegro moderato, die heute auch in der NMA und in Urtextausgaben auftaucht.

(zu Fauré, Klavierquartett Nr. 1, c-moll, op. 15)

In seinen ebenfalls zwei Klavierquartetten zeigt sich Fauré gegenüber manchen seiner anderen Werke von der schwungvoll-eleganten Seite. Im 1. Quartett überzeugen die Frische und die Balance in allen Stimmen. Obwohl Fauré Pianist war und das Quartett 1880 selber zur Uraufführung brachte, dominiert das Klavier nicht. Der grösste Teil des Werkes entstand 1876 in der Normandie. Das Finale bereitete Fauré grössere Schwierigkeiten; eine erste Fassung von 1879 wurde 1883 weitgehend revidiert. Im Formalen orientiert sich der Komponist an romantischen Vorbildern. Im Klanglichen allerdings gibt er hier sein Bestes. Wunderbar die Ruhe des auf einem kurzen Motiv aufgebauten melancholisch-meditativen Adagios, sublim die nie seichte Leichtigkeit und Eleganz des Scherzos. Dieses, der wohl genialste Satz des Werkes, ist rondoartig nach dem Schema A – B – A – C (eigentliches Trio) – A gebaut. Der Fauré-Biograph J.-M. Nectoux schrieb 1972 dazu: «C’est, retrouvée, la finesse des clavecinistes français du XVIIIe siècle, dans une atmosphère où l’on pressent déjà Verlaine. (...) Par la séduction immédiate qu’il exerce, c’est l’une des clefs de son oeuvre. (...) Il annonce les scherzos des Quatuors à cordes de Debussy et de Ravel.» Im Kopfsatz, einem strengen Sonatensatz, kontrastieren die in Moll bzw. Dur gehaltenen beiden Themen, die man als männlich und weiblich bezeichnen könnte. Das Finale, wiederum ein Sonatensatz, nimmt die Energie des Kopfsatzes auf und führt in einer breit ausgeführten Coda in C-dur die Themen kontrapunktisch zusammen.