Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

440

25.2.1975, 20:15 Uhr (Zyklus A 49. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Gabrieli String Quartet (London)

Sillito, Kenneth, Violine 1
O’Reilly, Brendan, Violine 2
Jewel, Ian, Viola
Harvey, Keith, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 17, B-dur, KV 458 «Jagd-Quartett» (1783/84)

Allegro vivace assai
Menuetto moderato – Trio
Adagio
Allegro assai

Michael Tippett
1905-1998

Streichquartett Nr. 2, Fis-dur (1942)

Allegro grazioso
Andante
Presto
Allegro appassionato

Alexander Borodin
1833-1887

Streichquartett Nr. 2, D-dur (1880/81)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Notturno: Andante
Finale: Andante – Vivace

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 17, B-dur, KV 458 «Jagd-Quartett»)

Dass auch Mozart das Leichtere, Freundliche beherrscht, zeigt das B-dur-Quartett. Und doch wird die Jagdmotivik im Kopfsatz nicht überbetont. Im Menuett verbinden sich die Ernsthaftigkeit der melodischen Linie im knapperen Hauptteil und tänzerische Heiterkeit imTrio. Zentrum des Werks ist mit seiner Intensität das Adagio, bevor das Finale an die heitere Grundstimmung des Kopfsatzes anknüpft. Auch dieser Satz ist eine Reverenz an Haydn. Mozart hatte den Satz zuerst imitatorisch kanonhaft beginnen wollen, um ihn dann von jeder spürbaren „schweisstreibenden Arbeit“ zu befreien. Vielleicht ist es das, was er mit der lunga e laboriosa fatica meinte: So lange feilen, bis das Schwere nicht mehr spürbar ist.

(zu Borodin, Streichquartett Nr. 2, D-dur)

Über Borodin hört man manchmal die Frage, ob er ein komponierender Wissenschaftler oder ein wissenschaftlicher Komponist gewesen sei. Zweifellos war er eine grosse Doppelbegabung. Hauptamtlich war er (innovativer) Wissenschaftler, Mediziner, dann Chemieprofessor in Petersburg. Komponieren konnte er nur nebenher. Bei seiner Weiterausbildung nach der Promotion in Medizin lernte er in Heidelberg seine Frau kennen (und daneben in Mannheim die Musik Wagners). Sie war eine grosse Musikliebhaberin; ihr hat er das 2. Streichquartett gewidmet – und das hört man dem Werk an. War im 1. Quartett der Ausgangspunkt Beethoven gewesen (mit einem Zitat aus op. 130), so ist im 2. Quartett russische Melodik bestimmend. Dazu trägt das Cello bei, das Borodin selbst ausgezeichnet spielte. So wurde nicht zufällig das ausdrucksstarke Notturno zum beliebtesten Satz des Werkes. Elegant-lyrisch gibt sich der Kopfsatz, das originelle Scherzo in freier Form, das sein gesamtes Material aus den ersten Tönen bezieht, lässt im Trio einen Walzer anklingen. Am ehesten erinnert das Finale an Beethoven. Das einleitende Andante stellt das Material vor (Unisono-Passagen) und unterbricht später den locker dahin fliessenden Ablauf des Hauptteils.