Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

443

10.12.1974, 20:15 Uhr (Zyklus B 49. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Smetana-Quartett (Prag)

Novák, Jirí, Violine 1
Kostecký, Lubomír, Violine 2
Škampa, Milan, Viola
Kohout, Antonín, Violoncello

Bedrich Smetana
1824-1884

Streichquartett Nr. 2, d-moll (1882/83)

Allegro – Molto moderato – Lento – Largamente
Allegro moderato – Andante cantabile
Allegro non più moderato, ma agitato e con fuoco – molto moderato, quasi marcia
Finale: Presto – Allegro – Moderato

Leoš Janáček
1854-1928

Streichquartett Nr. 1, e-moll «Kreutzer-Sonate» (1923)

Adagio – Con moto
Con moto
Con moto – Vivace – Andante
Con moto – Adagio

Antonín Dvorák
1841-1904

Streichquartett Nr. 14, As-dur, op. 105, B 193 (1895)

Adagio ma non troppo – Allegro appassionato
Molto vivace
Lento e molto cantabile
Allegro non tanto

(zu Dvorák, Streichquartett Nr. 14, As-dur, op. 105, B 193)

Dvorák hatte den ersten Satz des As-dur-Quartetts im März 1895 in New York begonnen (bis zum Ende der Exposition). Nach seiner Rückkehr nach Böhmen hatte der sonst so rastlos Tätige keine Lust aufs Komponieren („Die heilige Wahrheit, ich bin ein Faulpelz und rühre die Feder nicht an.“), und als er damit wieder anfing, schrieb er im Spätherbst zuerst ein neues Quartett in G-dur op. 106, welches deshalb auch die niedrigere Nummer 13 trägt. Erst dann verspürte er Lust, auch das angefangene Werk zu vollenden. Vielleicht lässt sich der Grund für die neue Schaffensfreude aus folgender Äusserung erschliessen: „Wir sind gottlob alle gesund und freuen uns, dass es uns nach drei Jahren wieder vergönnt ist, liebe und frohe Weihnachtsfeiertage in Böhmen zu geniessen. Deshalb fühlen wir uns alle so unaussprechlich glücklich.“ Jetzt heisst es plötzlich: „Ich bin jetzt sehr fleissig. Ich arbeite so leicht und es gelingt mir so wohl, dass ich es mir gar nicht besser wünschen kann.“ Am 30. Dezember war das Werk vollendet. Unter diesen Umständen verwundert nicht, dass die beiden letzten Quartette den Höhepunkt in Dvoráks Quartettschaffen bilden; sie sind anspruchsvoller als das berühmtere „Amerikanische Quartett“ von 1893. Über diesem letzten Kammermusikwerk liegt die richtige Mischung zwischen freundlicher Leichtigkeit und formaler Sicherheit, so dass der Wiener Kritiker Eduard Hanslick von „reiner Meisterschaft“ sprach.

(zu Janáček, Streichquartett Nr. 1, e-moll «Kreutzer-Sonate»)

Janáèeks Kammermusik ist, wie die Smetanas, von persönlichem Erleben geprägt. Während er im 2. Quartett das eigene Liebeserlebnis verarbeitet, verwandelt er im ersten eine literarische Liebestragödie in ein subjektives Bekenntniswerk. Die Erregung über Tolstojs Schilderung hatte ihn bereits 1909 zu einem Klaviertrio angeregt, das er vernichtet hat, das unterdessen aber in einer Rekonstruktion vorliegt. «Aus einigen Gedanken daraus entstand das Quartett», schrieb er an Kamila Stösslová, die ihrerseits fünf Jahre später Anlass zum 2. Quartett wurde. Der 1. Satz ist ein Porträt der Frau, der 2. schildert ihr verhängnisvolles Zusammentreffen mit dem Geiger, der 3. enthüllt mit drastischer Deutlichkeit den Widerspruch zwischen der echten Liebe der Frau und der Eifersucht des Mannes, und der 4. Satz vereinigt die Katastrophe mit der Katharsis (nach D. Holland).