Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

460

16.11.1976, 20:15 Uhr (Zyklus A 51. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Gabrieli String Quartet (London)

Sillito, Kenneth, Violine 1
O’Reilly, Brendan, Violine 2
Jewel, Ian, Viola
Harvey, Keith, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 49, D-dur, op. 50, Nr. 6, Hob. III:49 «Frosch-Quartett» (1787)

Allegro
Poco Adagio
Menuetto: Allegretto – Trio
Finale: Allegro con spirito

Edward Elgar
1857-1934

Streichquartett e-moll, op. 83 (1918/19)

Allegro moderato
Piacevole, poco Andante
Finale: Allegro molto

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquartett Nr. 4, e-moll, op. 44, Nr. 2 (1837)

Allegro assai appassionato
Scherzo: Allegro di molto
Andante –
Presto agitato

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 49, D-dur, op. 50, Nr. 6, Hob. III:49 «Frosch-Quartett»)

Sechs Jahre nach dem op. 33 Boccherinis und seinem eigenen wandte sich Haydn wieder der Komposition von Streichquartetten zu. Inzwischen hatte er sich mit den ihm gewidmeten Quartetten Mozarts auseinandergesetzt. War das der Grund für die lange Pause? Die Werke sind Friedrich Wilhelm II. von Preussen gewidmet. Hier treten also Haydn und Boccherini in direkte Konkurrenz. Zwar ist das sechste Quartett nicht mehr nur ein leichtes Kehrauswerk der Serie, doch schliesst sein Finale mit dem überraschenden, an Froschgequake erinnernden Bariolage-Effekt (schnelle Tonwiederholungen, abwechselnd auf gegriffener und leerer Seite) das Quartett und ganze Opus wirkungsvoll ab. Vorangegangen waren ein einmal mehr monothematischer Kopfsatz und ein ebensolcher langsamer Satz in d-moll, der wegen der durch die Stimmen wandernden schnellen Ornamentfiguren ernst, ja unruhig wirkt. Das Menuett mit punktierten Rhythmen weist ein Trio auf, das Mozart in seinem 1. «Preussischen Quartett» (KV 575, ebenfalls in D-dur) inspiriert zu haben scheint - also ein weiterer Fall des Gebens und Nehmens zwischen den beiden Quartettkomponisten.

(zu Mendelssohn Bartholdy, Streichquartett Nr. 4, e-moll, op. 44, Nr. 2)

Der Höhepunkt in Mendelssohns Quartettschaffen mit insgesamt acht Werken ist, trotz den bewundernswerten Frühwerken op. 13 und 12 sowie dem aufwühlenden Requiem für seine Schwester Fanny, dem f-moll-Quartett op. 80, die Trias der Quartette op. 44. Das e-moll-Werk bildet, zehn Jahre nach dem offiziell ersten (op. 13) und acht nach op. 12 entstanden, den Auftakt. Mendelssohn hat es während seiner Hochzeitsreise skizziert und am 18. Juni 1837 zwar abgeschlossen, für die Herausgabe der drei Quartette aber nochmals gründlich überarbeitet, vor allem im Schlusssatz. Immer aufgefallen ist der Beginn, der im 1. Thema wörtlich das Finale von Mozarts g-moll-Sinfonie KV 550 zitiert. Das 2. Thema ist davon kaum abgesetzt, was den ganzen Satz als einen einheitlichen, formal nicht leicht zu durchschauenden Komplex erscheinen lässt. Leicht qualifizierbar ist das Scherzo: Elfenmusik à la Mendelssohn eben! Und doch klingen – neben einer komplizierten Formstruktur (einer Mischung zwischen Sonatenrondo und Scherzo-Trio-Typ) – nachdenkliche, besonders von der Bratsche vorgetragene Töne hinein. Der 3. Satz soll „durchaus nicht schleppend“ gespielt werden. Auch hier ist der Satzcharakter mit „Lied ohne Worte“ rasch umschrieben. Das attacca anschliessende Finale folgt ebenfalls einem Lied ohne Worte-Typ: dem schwungvoll dahinschiessenden, von wichtigen melodiösen Phrasen des Seitenthemas durchbrochenen impulsiven Sonatenrondos, wie es Mendelssohn mit grossem Erfolg auch in den beiden Klaviertrios angewendet hat.