Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

464

22.2.1977, 20:15 Uhr (Zyklus A 51. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Odeon-Trio (München)

Guntner, Kurt, Violine
May, Angelica, Violoncello
Hokanson, Leonard, Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 4, E-dur, KV 542 (1788)

Allegro
Andante grazioso
Finale: Allegro

Robert Schumann
1810-1856

Vier Phantasiestücke für Violine, Violoncello und Klavier, op. 88 (1842)

Romanze a-moll: Nicht schnell, mit innigem Ausdruck
Humoreske F-dur: Lebhaft – Etwas lebhafter
Duett d-moll: Langsam und mit Ausdruck
Finale a-moll: Im Marschtempo – Nach und nach schwächer – Presto

Johannes Brahms
1833-1897

Klaviertrio Nr. 2, C-dur, op. 87 (1880/82)

Allegro
Andante con moto
Scherzo: Presto – Trio: Poco meno presto
Finale: Allegro giocoso

(zu Schumann, Vier Phantasiestücke für Violine, Violoncello und Klavier, op. 88)

Bald nachdem Schumann in seinem Kammermusikjahr 1842 drei Streichquartette sowie das Klavierquintett und -quartett komponiert hatte, wandte er sich der Triobesetzung zu. Im Dezember 1842 entstand ein Klaviertrio in a-moll. Es ist allerdings nicht unter diesem Titel bekannt geworden. Nach der Komposition des Klaviertrios in d-moll im Sommer 1847 erwog Schumann zunächst eine Veröffentlichung dieses a-moll- und des d-moll-Trios (dieses als Nr. 2) unter einer Opuszahl. Doch nach der Komposition des F-dur-Trios ebenfalls 1847 entschloss er sich, die Klaviertrios jeweils unter eigenen Opuszahlen zu veröffentlichen. Dasjenige in d-moll wurde als die Nr. 1 das op. 63, das F-dur-Trio, jetzt die Nr. 2, op. 80. Das a-moll-Trio dagegen gelangte erst 1850 nach einer Überarbeitung zur Veröffentlichung und erhielt die Opuszahl 88. Schumann hatte realisiert, dass die vier Sätze kein geschlossenes Werk darstellten und gab ihnen neu den Titel «Phantasiestücke». Er trifft besonders auf die ersten beiden Stücke zu. Die melodiös-ausdrucksvolle Romanze (a-moll, 6/8-Takt) erinnert an den Typus von Mendelssohns Liedern ohne Worte und umfasst nur 57 Takte. Umfangreicher ist die rhythmisch geprägte Humoreske in F-dur; in Zwischenpassagen wechselt die Tonart nach a-moll, d-moll und B-dur. Violine und Cello bestimmen, sich in den Melodieteilen ablösend, das elegisch-sangliche d-moll-Duett. Der Marsch im Finale wird durch mehrere Zwischenteile unterbrochen; zuletzt erreicht er A-dur, wird immer leiser und endet in sieben Presto-Takten, die zu den zwei fortissimo-Schlusstakten führen.

(zu Brahms, Klaviertrio Nr. 2, C-dur, op. 87)

Mehr als 25 Jahre hat Brahms gewartet, bis er seinem (falls man das ihm zugeschriebene A-dur-Trio ausser Betracht lässt) ersten Klaviertrio ein neues folgen liess. Es waren sogar zwei geplant, doch ist das gleichzeitig in Bad Ischl begonnene Es-dur-Fragment verschollen. Dem umfangreichen Opus 8 von 1854 mit seiner Demonstration gelehrten kompositorischen Könnens und emotionalen Übersteigerungen stellte er nun ein knapperes, konzentriertes Werk gegenüber. Die vier Sätze des op. 87 dauern nur wenig länger als die beiden ersten der Erstfassung von op. 8. Gleichwohl stehen im 1880 entstandenen Kopfsatz den beiden Hauptthemen nicht weniger als sechs Nebengedanken gegenüber, was den ersten Brahms-Biographen nach dessen Tod, Heinrich Reimann, 1897 zur Kritik veranlasst hat, es seien «etwas heterogene Stimmungen aneinandergeschweisst». Die drei übrigen Sätze kamen erst 1882 dazu. Das Andante in a-moll ist ein Variationensatz über ein pathetisches Thema mit magyarischem Einschlag. Auf das spukhafte, von einem klangvollen Trio unterteilte Scherzo folgt ein helles, oft geistreich-witziges Finale in Form eines Sonatensatzes. Clara Schumann war ganz begeistert: «Welch ein prachtvolles Werk ist das wieder! Wie vieles entzückt mich darin, und wie sehnsüchtig bin ich, es ordentlich zu hören. Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich sind die Durchführungen, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen! – Wie reizend ist das Scherzo, dann das Andante mit dem anmutigen Thema, das eigentümlich klingen muss in der Lage der doppelten Oktaven, ganz volkstümlich!» Die Uraufführung fand am 29. Dezember 1882 mit Mitgliedern des Joachim-Quartetts und dem Komponisten am Klavier in Frankfurt statt, nur knapp drei Wochen, nachdem Brahms seinen «Gesang der Parzen» in Basel zur Uraufführung gebracht hatte.

(zu Mozart, Klaviertrio Nr. 4, E-dur, KV 542)

Unter Mozarts Klaviertrios nimmt das E-dur-Werk nicht nur in der Meinung Alfred Einsteins den Spitzenrang ein. Es ist unmittelbar vor den drei letzten Sinfonien entstanden und hält sehr wohl deren Rang; auch die Tonart, bei Mozart selten, gibt dem Stück besonderen Reiz. Die mehr konzertante Haltung, die das vorangehende B-dur-Trio KV 502 auszeichnete, ist nicht aufgegeben, sondern noch subtiler in kammermusikalisches Zusammenspiel umgeformt. So übernehmen im Kopfsatz Klavier (Hauptthema, bei der Wiederkehr in den Streichern konzertierend untermalend) und Streicher (Seitenthema) die Führung. Graziös und doch leicht schwermütig überrascht das Andante mit harmonischen Verschlingungen, bevor ein äusserlich spielfreudiges Finalrondo seine raffiniert gearbeitete Motivik mehr verbirgt als offenbart. Gegen Ende spielen die Streicher in effektvollen Oktavparallelen gegen das Klavier an, doch dann schliesst das Werk geradezu schwerelos-leicht.