Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

476

21.2.1978, 20:15 Uhr (Zyklus A 52. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

LaSalle Quartet (Cincinnati)

Levin, Walter, Violine 1
Meyer, Henry, Violine 2
Kamnitzer, Peter, Viola
Fiser, Lee, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 38, Es-dur, op. 33, Nr. 2, Hob. III:38 (1778/81)

Allegro moderato
Scherzando: Trio
Largo
Finale: Presto

Anton Webern
1883-1945

Streichquartett Nr. 1, op. 28 (1938)

Mässig
Gemächlich
Sehr fliessend

Maurice Ravel
1875-1937

Streichquartett, F-dur (1902/03)

Allegro moderato, Très doux
Assez vif, Très rythmé – Lent – 1º Tempo
Très lent
Vif et agité

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 38, Es-dur, op. 33, Nr. 2, Hob. III:38)

In angelsächsischen Ländern trägt Haydns Es-dur-Quartett aus op. 33 den Beinamen «The Joke»: Ein an sich schon witziges, eher kurzes perpetuum mobile-Rondo wird gegen Ende durch ein pathetisches Adagio unterbrochen – allein das wirkt parodistisch. Der eigentliche Scherz folgt aber erst: Vor lauter Pausen (Bitte nicht zu früh klatschen!) weiss man nie, wann das Stück wirklich aufhört. Voraus gegangen waren drei Sätze, die Heiterkeit und Ernsthaftigkeit abwechseln liessen. Der monothematische Kopfsatz zeigt ein zwischen Kantilene und munter springenden Tönen schwankendes Thema, dessen Motive originell weiter verarbeitet werden. Das eher ernsthafte Scherzo-Menuett erlebt im Trio mit den ländlermusikartigen, im portamento hinaufgezogenen Tönen einen starken Kontrast. Richtig ernst ist das prächtige Largo in Rondoform mit seiner herrlichen Kantilene und zwei synkopierten Passagen.

(zu Webern, Streichquartett Nr. 1, op. 28)

Am 3. Februar 1937 meldet Webern an Hildegard Jone: «Ich bin bei einem Streichquartett», am 2. September «Ich bin gerade...zu einem wesentlichen Einschnitt in meiner Arbeit gekommen: der 1. Satz...ist fertig geworden.» Im Dezember erfahren wir, dass die Mäzenin Elizabeth Sprague Coolidge, die so viele Kammermusikwerke veranlasst hat, dank der Anregung Rudolf Kolischs auch ein Streichquartett von Webern wünschte. Webern kam dies bei seiner langsamen Arbeitsweise gelegen. Am 9. Februar 1938 meldet er die Beendigung des 2. und am 15. April des 3. Satzes - also über ein Jahr Arbeit für ein Werk von knapp neun Minuten Dauer, was ein Bild der verdichteten Arbeit des Komponisten vermittelt! (Webern rechnete allerdings in seinem Brief vom 19.4. an Kolisch, den Primarius des Uraufführungsquartetts, mit 20 Minuten.) Zur Charakterisierung sagt er: «Freilich ist es wieder Lyrik geworden.» Grund- und Kopfmotiv der Zwölftonreihe ist das B-A-C-H-Motiv, das rein strukturell, nicht melodisch behandelt wird.

(zu Ravel, Streichquartett, F-dur)

Am 5. März 1904 gelangte das einzige Streichquartett von Ravel zur Uraufführung, das in den vorangehenden zwei Jahren (Dezember 1902, Sätze 1 und 2, bis April 1903, Sätze 3 und 4) entstanden war und fast ein Jahr auf die Uraufführung warten musste. Diese rief verschiedene, z.T. heftige Reaktionen hervor: Debussy war begeistert, Ravels Lehrer und Widmungsträger Fauré fand einiges zu kritisieren, und die Klassizisten, die den Rom-Preis zu vergeben hatten, konnten gar nichts damit anfangen. Deshalb wurde Ravel 1905 die Teilnahme am Rompreis-Wettbewerb verwehrt. Dies hatte allerdings Konsequenzen: der Direktor Dubois wurde entlassen, und Fauré wurde sein Nachfolger – was ein Streichquartett nicht alles auslösen kann! Ravel hielt sich in diesem frühen Werk – er empfand es als Abschluss seiner Studienzeit – zwar an das Vorbild Debussys, und doch ist ein eigenständiges Werk entstanden, besonders in der Ableitung der meisten Gedanken aus den Themen des 1. Satzes und der Wiederaufnahme früherer Motive, insbesondere im 3. und 4. Satz. Eigenständig ist auch die Klanglichkeit, vor allem im 3. Satz, der mit seinen Tempo- und Tonartwechseln rhapsodischen Charakter aufweist. Die besonderen Klänge werden durch spezielle Spielweise, nicht zuletzt in hohen Lagen, bewirkt. Im Finale, das auf einem chromatischen Fünftonmotiv beruht, lässt Ravel, der Sohn einer Baskin, die baskische Tanzrhythmik des Zortzico anklingen (Abwechslung von Fünfer- und Dreiertakt), variiert diese allerdings selbständig.