Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

495

13.3.1979, 20:15 Uhr (Zyklus B 53. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Bartók-Quartett (Budapest)

Komlós, Péter, Violine 1
Devich, Sándor, Violine 2
Németh, Géza, Viola
Mezö, László, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 34, D-dur, op. 20, Nr. 4, Hob. III:34 (1772)

Allegro di molto
Un poco Adagio e affettuoso
Menuet alla Zingarese – Trio
Presto e Scherzando

Ernst von Dohnányi
1877-1960

Streichquartett Nr. 2, Des-dur, op. 15 (1907)

Andante – Allegro – Adagio
Presto acciacato – L’istesso tempo
Molto Adagio – Animato (molto più mosso) –
Andante – Allegro

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 14, cis-moll, op. 131 (1826)

Adagio ma non troppo e molto espressivo
Allegro molto vivace –
Allegro moderato / Adagio / Più vivace –
Andante ma non troppo e molto cantabile –
Presto –
Adagio quasi un poco andante –
Allegro

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 34, D-dur, op. 20, Nr. 4, Hob. III:34)

Über Haydns op. 20 sagte einst Donald Tovey: «Mit Opus 20 erreicht die historische Entwicklung von Haydns Quartetten ihren Endpunkt; und weiterer Fortschritt ist nicht Fortschritt in irgendeiner geschichtlichen Bedeutung, sondern schlicht der Unterschied zwischen einem Meisterwerk und dem nächsten.» Man hat im op. 20 aber auch divergente Tendenzen, ja Uneinheitlichkeit im Satztechnischen und Ausdruck festgestellt. Und doch erkennt man den Willen zu formaler Geschlossenheit und zu aparter Klanglichkeit. Als einzige weist diese Sechserserie zudem zwei Quartette in einer Molltonart auf; dazu kommt im 4. Quartett ein Variationensatz in d-moll. Dieses besonders originelle Quartett beginnt mit einem fünffach nur wenig veränderten sechstaktigen Themengedanken – unverkennbar das Klopfmotiv an dessen Beginn – im Piano. Der Variationensatz, der längste Einzelsatz im Quartett und im Opus, teilt das Variieren des in sanfter Marschbewegung gehaltenen Themas einzelnen Instrumenten zu (2. Violine und Bratsche / Cello / 1. Violine), bevor es zur gleichwertigen Beteiligung in der 4. Variation kommt; diese endet in einer emotionsgeladenen Coda von 34 Takten. Das Menuett «alla zingarese» überrascht mit rhythmischen Verschiebungen durch Sforzati, das Trio durch sein Cellosolo. Haydns Hauptaugenmerk liegt im Opus 20 auf den Finali. Bei dreien hat er sich für eine Fuge entschieden. Die andern sprühen von Originalität, ganz besonders das im D-dur-Quartett. Statt einer gewichtigen intellektuellen Fuge steht hier ein leichtes, aber höchst geistreiches Finale, das im Spiel zwischen Scherz und bedeutend sein wollenden Volksmusikelementen Gegensätzliches verbindet. Ist es Zufall, dass Haydn nach diesem originellen, so viel Widersprüchliches vereinigenden Opus fast zehn Jahre wartete, bis er 1782 eine neue Sechserserie veröffentlichte?

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 14, cis-moll, op. 131)

Die drei Opera 132, 130 (inkl. op. 133) und 131 – dies die Entstehungsreihenfolge – weisen einige Besonderheiten und Gemeinsamkeiten auf. Als einzige Beethovenquartette gehen sie mit fünf, sechs resp. sieben Sätzen über die Viersätzigkeit hinaus. Zudem sind sie durch Motivverwandtschaft, die von einer Keimzelle aus vier Tönen in zwei gegenläufigen Halbtonschritten (dis – e / c – h) ausgeht, verbunden. Das mag beim Hören unbemerkt bleiben, doch zeigt die Analyse die geheime Klammer auf. Im cis-moll-Quartett tritt das Motiv zu Beginn der Fuge in den Tönen zwei bis fünf (his – cis / a – gis) auf. Hatte die Originalfassung des op. 130 mit einer Fuge geendet (so am 19.10.1999 zu hören), so beginnt op. 131 ebenfalls mit einer solchen, wenn sie auch keine „Grosse“ und keine so schwierige ist. Einheitlich geschlossen wirkt das „wohl Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist“, wie sich Richard Wagner ausgedrückt hat. Der 2. Satz im 6/8-Takt übernimmt den Oktavsprung vom Ende der Fuge einen Halbton höher, der improvisationsartig wirkende 3. Satz reduziert ihn auf die Quinte. Mit nur elf Takten, von denen die letzten vier Adagio zu spielen sind, bildet er die Überleitung zum Werkzentrum, der umfangreichen tiefgründigen Variationenfolge. Der fünfteilige 5. Satz ist ein Scherzo mit Trio im Schema ABABA. Nach der teilweise sul ponticello zu spielenden Coda geht erattacca in ein 28-taktiges Adagio über. Es ist zwar selbständig gehalten, bildet aber eine Art langsame Einleitung zum Finale. Hier ist am Beginn mit den Tönen gis – a / cis – his wieder das Grundmotiv fassbar. Mit drei heftigen fortissimo-Akkorden endet das komplexeste der Beethoven-Quartette.