Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

499

11.12.1979, 20:15 Uhr (Zyklus A 54. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Basler Streichquartett [1972-1985] (Basel)
Mile Kosi, Viola/Susanne Basler, Violoncello

Novšak, Primoz, Violine 1
Hoever, Herbert, Violine 2
Lesueur, Max, Viola
Strauss, Ernest, Violoncello

Kosi, Mile, Viola
Basler, Susanne, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquintett Nr. 6, Es-dur, KV 614 (1791)

Allegro di molto
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro

Johannes Brahms
1833-1897

Streichsextett Nr. 1, B-dur, op. 18 (1860)

Allegro, ma non troppo
Andante, ma moderato
Scherzo: Allegro molto – Trio: Animato
Rondo: Poco Allegretto e grazioso

(zu Mozart, Streichquintett Nr. 6, Es-dur, KV 614)

Das letzte Quintett KV 614 ist auch Mozarts letztes Kammermusikwerk und es löst die Problematik von Heiterkeit und Ernst ganz anders: Es betont die Heiterkeit, ja das Volkstümliche, ist aber raffinierter gearbeitet als man zuerst wahrnimmt, wenn auch einfacher als KV 593. Es sei hier nur auf die Themenverwandtschaft von Kopfsatz, Menuett und Finale hingewiesen. Das Andante darf als ein Höhepunkt in Mozarts an Höhepunkten so reicher Kammermusik gelten – und es ist wohl mit ein Grund, weshalb manche gerade dieses Quintett über alle andern stellen. Manchmal klingt es in KV 614 wie Haydn (dessen Finalthema aus op. 64/6 Mozart in der Tat im Finalthema in Umkehrung zitiert) – eine letzte Reverenz an das grosse Kammermusikgenie, dem Mozart so viel verdankt? Und vielleicht ist es auch eine Honneur an den Geiger und Tuchhändler Johann Tost, Widmungsträger von 12 Haydn-Quartet-ten, darunter op. 64, den man hinter der Bemerkung der Erstausgabe von KV 593 (1793), „composto per un amatore ongarese“, vermutet, die wohl auch für KV 614 gilt. Tost war ein Logenbruder Mozarts.

(zu Brahms, Streichsextett Nr. 1, B-dur, op. 18)

Brahms verdankte einen Teil seines Ruhms einem Missverständnis, da ihn die «Neudeutschen» um Liszt und Wagner zum Reaktionär stempelten. Einer hingegen, dessen Fortschrittlichkeit nicht in Zweifel zu ziehen ist, hat Brahms unter dem Blickwinkel des Modernen gesehen: Schönberg. Was er als Grundlage für sein eigenes Vorgehen benutzte, das Verfahren der entwickelnden Variation, bewunderte er bei Brahms: die Verschmelzung von Poesie und Logik, Ausdruckskraft und Form, von Melodik und thematischer Arbeit.

Dies ist nicht erst in der manchmal spröde wirkenden Sprache des Spätwerks zu erkennen. Schon ein so langes sentimentales Stück – wie Brahms sein 1. Sextett bezeichnete – mit seiner überquellenden Emotionalität und Melodienseligkeit lässt jene variative Verarbeitung thematischer Motive erkennen. Das Motivmaterial stammt im 1. Satz aus dem Themenkopf des Hauptthemas und dem Auftaktmotiv des Seitenthemas, während die in schubertscher Formerweiterung zwischen Haupt- und Seitenthema eingeschobene Ländlermelodie in A-dur keine Entwicklung auslöst. Im Rondo-Finale bleiben der Form entsprechend die Themen zwar unverändert, in den Verbindungsteilen dagegen werden ihre Motive höchst aktiv variiert und entwickelt. Einfacher verarbeitet der Variationensatz das Thema. Über gleich bleibendem Bass entsteht eine chaconnehafte Reihe von Veränderungen, die mehr durch die Kontraste im Rhythmischen und im Ausdruck bestimmt wird als durch echte Veränderung des Materials oder gar durch Erweiterungen im beethovenschen Sinne. Auffällig bleibt im ganzen Werk die geradezu orchestrale Klangfülle.