Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

538

15.2.1983, 20:15 Uhr (Zyklus A 57. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Haydn Trio (Wien)

Schnitzler, Michael, Violine
Schulz, Walter, Violoncello
Medjimorec, Heinz, Klavier

Bedrich Smetana
1824-1884

Klaviertrio g-moll, op. 15 (1855)

Moderato assai – Più animato
Allegro, ma non agitato – Alternativo I: Andante – Alternativo II: Maestoso
Finale: Presto – Meno presto, tranquillo assai – Grave, quasi marcia

Franz Schubert
1797-1828

Klaviertrio Nr. 2, Es-dur, op. 100, D 929 (1827)

Allegro
Andante con moto – Un poco più lento
Scherzando: Allegro moderato – Trio
Allegro moderato

(zu Schubert, Klaviertrio Nr. 2, Es-dur, op. 100, D 929)

Bis heute ist die Abfolge der Entstehung von Schuberts Klaviertrios nicht klar. Das Es-dur-Trio wurde am 26. Dezember 1827 in einer Veranstaltung des Musikvereins erstmals gespielt; kurz davor dürfte es entstanden sein. Verschiedene Themen sollen durch schwedische Lieder angeregt sein. Schubert hat sie im November 1827 im Hause der Schwestern Fröhlich gehört, als dort der schwedische Sänger I.A. Berg solche Lieder vortrug. Der Nachweis ist allerdings erst für den zweiten Satz gelungen, in dem das Lied "Se solen sjunker" anklingt. Das Es-dur-Werk wirkt noch geschlossener als op. 99; zwischen allen Sätzen bestehen feinste thematische Bezüge. Der Kopfsatz ist aus drei Themen gebaut; das zweite in h-moll wird in der Durchführung verarbeitet. Im Andante trägt das Cello das in der Stimmung an die Winterreise erinnernde Liedthema vor. Es wird im umfangreichen, für die Erstausgabe um 98 Takte gekürzten Finale wieder aufgegriffen.

(zu Smetana, Klaviertrio g-moll, op. 15)

«Der Verlust meines ältesten Töchterchens, dieses so ungewöhnlich begabten Kindes, veranlasste mich im Jahre 1855 zur Komposition eines Kammermusikwerkes, des Trios in g-moll. Es wurde noch im gleichen Jahre im Dezember in Prag aufgeführt, ich sass am Klavier, Königslöw spielte den Geigen- und Goltermann den Cellopart. Der Erfolg – ein Misserfolg. Die Kritik verhielt sich durchwegs ablehnend. (...) Ein Jahr später spielten wir das Trio bei mir Liszt vor, der mich umarmte und meine Frau zu dem Werke beglückwünschte.» So schrieb Smetana 22 Jahre nach Entstehung des Trios in einem Brief. Wenn man an Smetanas Kompositionen (ausserhalb der Opern) denkt, kommt einem rasch der Begriff «Programmmusik» der Sinfonischen Dichtungen in den Sinn. Den Kammermusikfreunden fällt natürlich das 1. Quartett «Aus meinem Leben» mit den autobiographischen Bezügen ein, wie sie im Brief vom 12. April 1878 beschrieben sind. Das weniger bekannte Klaviertrio ist wie auch das 2. Streichquartett ebenfalls ohne biographischen Bezug nicht denkbar, auch wenn kein eigentliches Programm zugrunde liegt. Wie der Komponist erwähnt, war der Auslöser für das Werk der Tod der ältesten, etwas über vier Jahre alten Tochter Bedřiška an Scharlach am 6. September 1855. Das Trio entstand in knapp drei Monaten, die Uraufführung fand am 3. Dezember statt (überarbeitet 1857). Der biographische Hintergrund spielt insofern stark mit, als er die Grundstimmung des Werks bestimmt, insbesondere im expressiven Kopfsatz, der unmittelbar nach dem Tod des Kindes entstanden ist. Er ist hörbar Ausdruck des tiefen Schmerzes. Das gleichwohl kraftvolle Hauptthema – «mit einem Schluchzer über eine Duodezime» (K. Honolka) – bestimmt mit seinem chromatisch abwärts führenden Motto den ganzen Satz. Der virtuos-vollgriffige Klaviersatz lässt an Liszt denken, so dass dessen Zufriedenheit mit dem Werk nicht verwundert. Der zweite Satz, ebenfalls in g-moll, ist in fünf Abschnitte gegliedert. Der volksmusiknahe Hauptteil, zu Beginn auf das Motto zurückgreifend, wird zweimal, mit Veränderungen und Kürzungen, wieder aufgenommen. Dazwischen stehen in sich geschlossene Alternativteile I und II, der erste langsam, der zweite marschartig, beide teilweise nach Dur wechselnd. Sie schliessen gewissermassen den dem Trio fehlenden langsamen Satz zwischen die scherzohaften Teile ein. Auch im Finale erscheint in der Einleitung das Mottothema wieder. Doch dann greift Smetana auf ein Jugendwerk, eine Klaviersonate von 1846, zurück. Mit deren Finalthema, das in der Coda das Trio schwungvoll in D-dur beschliessen wird, überwindet Smetana Schmerz und Trauer, auch wenn vom melodiösen Seitenthema trauermarschähnliche Passagen ausgehen.