Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

543

19.10.1982, 20:15 Uhr (Zyklus B 57. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Raphael Trio (New York)

Castleman, Charles, Violine
Salm, Susan, Violoncello
Epstein, Daniel, Klavier

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 5, D-dur, op. 70, Nr. 1 «Geister-Trio» (1808)

Allegro vivace e con brio
Largo assai e espressivo
Presto

Klaviertrio Nr. 9, B-dur, WoO 39 (1812)

Allegretto

Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio» (1811)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Andante cantabile (ma però con moto) –
Allegro moderato – Presto

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 5, D-dur, op. 70, Nr. 1 «Geister-Trio»)

Hatten Beethovens Klaviertrios des Opus 1 manchmal noch eine gewisse Weitschweifigkeit aufgewiesen, so besticht op. 70/1 vor allem im Kopfsatz durch die Knappheit der Form. Mit energischem Staccato legen alle drei Instrumente unisono den Beginn des Satzes in fast unerträglicher Spannung fest und stossen bald scheinbar nach B-dur vor. Doch rasch löst sich die Spannung mit der Rückkehr ins dolce zu spielende D-dur. Liegt der Höhepunkt des ersten Satzes in der dichten Motivarbeit der Durchführung, die man ein Wunder der Konzentration genannt hat, so bildet das zentrale Largo den des ganzen Werkes. Kein Wunder, dass Beethoven darum auf ein Scherzo verzichtet. Dass es mit diesem Nachtstück etwas Gespenstisches auf sich hat, mag der Beiname auch nicht authentisch sein, zeigen die Skizzen, die sich auf dem gleichen Blatt finden wie d-moll-Entwürfe zu den Hexenchören einer geplanten Oper "Macbeth". Das Finale, wieder ein Sonatensatz, nimmt die Klangwelt des Kopfsatzes auf, erreicht aber dessen Dichte - wohl bewusst - nicht mehr.

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio»)

Die Werke, die Beethoven seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete (5. Klavierkonzert, Hammerklaviersonate, Missa solemnis, etc.) zeichnen sich durch eine besondere Grösse und Bedeutung aus und bilden nicht selten den Höhepunkt der jeweiligen Gattung. Dies ist beim "Erzherzog-Trio" nicht anders. Nicht nur die Länge des Werkes, sondern auch seine Themengestaltung zeigt Weite und gleichsam würdevollen Ernst. Und doch liegt über dem Ganzen eine "poetisch-klangschöne" Farbe, die auch der benachbarten und ebenfalls dem Erzherzog gewidmeten Violinsonate op. 96 eigen ist. Das Klavier dominiert zwar – ganz neu ist der Soloeinsatz zu Beginn mit dem weitgespannten Hauptthema, und erst noch im dolce – wirkt aber nicht solistisch-virtuos, sondern gibt dem Klangbild einen sinfonischen Zug. Den Kopfsatz prägt weniger eine kontrastierende Dualität der Themen (es sind letztlich drei) als eine gewisse Verwandtschaft. Die motivische Arbeit bezieht ihr Material vor allem aus den ersten vier Tönen und dem Trillermotiv des Hauptthemas. Das eher kurze Scherzo steht – wie später in der 9. Sinfonie – an zweiter Stelle und lässt Raum für das dem Kopfsatz in der Länge entsprechende Adagio, einen kantablen Variationensatz in D-dur. Auf vier Variationen folgt als fünfter Teil eine gedehnte Coda, die Durchführungselemente aufweist. Attacca schliesst das tänzerische, überraschungsreiche Final-Rondo an, das in einer Presto-Stretta endet.

«Als wollte Beethoven darauf aufmerksam machen, dass sich das Klavier im Klaviertrio nicht nur den Streichern unterzuordnen habe, lässt er das B-dur-Trio op. 97 mit dem Klavier allein beginnen, was er nie zuvor gewagt hatte. Allerdings forderte er vom Klavier ein dolce. Das Werk scheint die Summe der Klaviertrio-Komposition bei Beethoven darzustellen - in der Fülle der kompositorischen Gedanken, der Kraft des Emotionellen und in der Ausgeglichenheit des Klangbildes wie der Formfügung. Die Tatsache, dass Beethoven dieses Werk seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete, trug ihm den an sich nichtssagenden Titel Erzherzogtrio ein» (W.-E. von Lewinski im Beiheft zur CD-Neuausgabe sämtlicher Beethoven-Trios mit dem frühen Beaux Arts Trio). Immerhin ist der Titel des Werkes würdig, und er stellt es zu Recht im Anspruch auf die gleiche Stufe wie die ebenfalls dem Erzherzog gewidmete Missa Solemnis, die Hammerklaviersonate oder die Grosse Fuge.