Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

612

7.11.1989, 20:15 Uhr (Zyklus B 64. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

American String Quartet (New York)

Stern, Mitchell, Violine 1
Carney, Laurie, Violine 2
Avshalomov, Daniel, Viola
Geber, David, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 37, h-moll, op. 33, Nr. 1, Hob. III:37 (1778/81)

Allegro moderato
Menuetto (Scherzando): Allegro – Trio
Andante
Finale: Presto

Benjamin Britten
1913-1976

Streichquartett Nr. 2, C-dur, op. 36 (1945)

Allegro calmo senza rigore
Vivace
Chacony: Sostenuto

Antonín Dvorák
1841-1904

Streichquartett Nr. 10, Es-dur, op. 51, B 92 (1878/79)

Allegro ma non troppo
Dumka (Elegie): Andante con moto – Vivace
Romanze: Andante con moto
Finale: Allegro assai

(zu Dvorák, Streichquartett Nr. 10, Es-dur, op. 51, B 92)

Mit den Opera 34 und 51 (1877 und 1878/79) hat auch Dvorák nach acht früheren Werken seine Quartett-Meisterschaft erreicht. Sie geht einher mit dem Einsatz der Nationalmusik in der Kunstmusik, also ausserhalb jenes Bereichs der Tänze, Duette und Rhapsodien, der bisher Dvorák so viel Erfolg gebracht hatte. »Die nationale Komponente tritt bei diesem Es-dur-Quartett vor allem im 2. und 4. Satz zutage. Um eine Dumka, eine Art Ballade ukrainischen Ursprungs, handelt es sich beim 2. Satz. Als tschechische Skocna wiederum entpuppt sich der auf die Romanze folgende, in Rondoform durchgeführte Schlussatz. Auch in diesem Allegro assai findet Dvorák zu einer glücklichen Synthese von kraftvoller Urwüchsigkeit und feinster kammermusikalischer Satzkunst« (H.C. Worbs). Immerhin sei festgehalten, dass der Einbezug der Nationalmusik auf den Wunsch des Auftraggebers Jean Becker, des Primarius des Florentiner Streichquartetts, zurückgeht, der von Dvorák ausdrücklich ein slawisches Quartett wünschte.

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 37, h-moll, op. 33, Nr. 1, Hob. III:37)

Fast zehn Jahre hatte Haydn nach der Komposition der 18 Quartette op. 9, 17 und 20 (1769-1772) gewartet, bis er sich wieder der Streichquartettkomposition zuwandte. So gross war der Unterbruch nur noch zwischen den Opera 1 und 2 bis hin zu den erwähnten Quartetten. Beidemale war der Sprung in der Entwicklung gewaltig. Mit dem op. 33, das Haydn wohl kaum nur aus Werbegründen als »auf eine gantz neue besondere Art« geschrieben bezeichnet hat, ist nicht nur ein Standard erreicht, an dem der Komponist später keine wesentlichen Veränderungen mehr vornehmen musste, sondern es hatte, jedenfalls gemäss den veröffentlichten Meinungen der Zeitgenossen, eine neue Epoche der Quartettkunst begonnen. Das h-moll-Quartett, zwar nicht als erstes der Serie komponiert, zeigt noch am ehesten Bezüge zu den älteren Quartetten, etwa in der Leidenschaftlichkeit, wie sie sich im ernsten Tonfall des Kopfsatzes äussert. Hier erinnert der raffinierte, tonal unbestimmte Beginn, der erst in mehreren Anläufen zur Haupttonart und zum Thema findet, an op. 20. Anstelle des Menuetts ist in allen sechs Quartetten das Scherzo getreten. Im h-moll-Werk nimmt Haydn das Scherzo-Thema unverkennbar im Andante wieder auf, bevor er das Werk mit einem nur bedingt heiteren Sonatensatz abschliesst.