Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

614

4.12.1989, 20:15 Uhr (Zyklus A 64. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Melos-Quartett (Stuttgart)

Melcher, Wilhelm, Violine 1
Voss, Gerhard, Violine 2
Voss, Hermann, Viola
Buck, Peter, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 82, F-dur, op. 77, Nr. 2, Hob. III:82 (1799)

Allegro moderato
Menuetto: Presto (ma non troppo) – Trio
Andante
Finale: Vivace assai

Paul Hindemith
1895-1963

Streichquartett Nr. 2, C-dur, op. 16 (1920)

Lebhaft und sehr energisch
Sehr langsam
Finale, äusserst lebhaft

Antonín Dvorák
1841-1904

Streichquartett Nr. 9, d-moll, op. 34, B 75 (1876/77)

Allegro
Alla polka: Allegretto scherzando
Adagio
Finale: Poco allegro

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 82, F-dur, op. 77, Nr. 2, Hob. III:82)

Das F-dur-Werk op. 77/2 ist Haydns letztes vollendetes Streichquartett, obwohl auch das Opus 77 als Sechser- oder zumindest Dreierserie geplant war. Es ist dem Fürsten Lobkowitz, dem Förderer Beethovens und anderer Musiker, gewidmet und wurde zusammen mit dem Schwesterwerk in G-dur am 13. Oktober 1799 (also fast auf den Tag genau vor 204 Jahren!) im Palais des Fürsten Esterházy in Eisenstadt erstmals aufgeführt. Wenn Donald Tovey das Quartett als „vielleicht Haydns grösstes Instrumentalwerk neben zwei der letzten Sinfonien“ bezeichnet hat, so hatte er die thematische Arbeit im Auge, die in der Durchführung des Kopfsatzes einen Höhe-punkt findet. Es ist erstaunlich, wie Haydn den ganzen Satz aus den Motiven des Hauptthemas entwickelt. Als ob er diese „Schwerarbeit“ mildern wollte, vereinfacht er die Reprise gegenüber der Exposition. Das Menuett, ein Scherzo, lässt an Beethovens gleichzeitig entstehendes und ebenfalls Lobkowitz gewidmetes op. 18 denken. Das D-dur-Andante ist ein Variationensatz - und was für einer! Das Marschthema mit dynamischer Steigerung erfährt figurale Umspielungen und wird durch freie Zwischenspiele weitergeführt. Der Satz endet nicht mit einer raschen Steigerung des Themas, sondern verklingt ernst im pianissimo. Das Finale weist drei Themen auf; sie sind aber wieder aus einem entwickelt. Sie sind rhythmisch prägnant; eines ist sogar à la polacca bezeichnet. Kontrapunktik und Schwung verbinden sich so zu stets überraschender Wirkung.