Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

616

23.1.1990, 20:15 Uhr (Zyklus A 64. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Haydn Trio (Wien)

Schnitzler, Michael, Violine
Schulz, Walter, Violoncello
Medjimorec, Heinz, Klavier

Joseph Haydn
1732-1809

Klaviertrio Nr. 36, Es-dur, Hob. XV:22 (1794/95)

Allegro moderato
Poco Adagio
Finale: Allegro

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 6, Es-dur, op. 70, Nr. 2 (1808)

Poco sostenuto – Allegro ma non troppo
Allegretto (con variazioni)
Allegretto ma non troppo
Finale: Allegro

Antonín Dvorák
1841-1904

Klaviertrio Nr. 3, f-moll, op. 65, B 130 (1883)

Allegro ma non troppo
Allegretto grazioso
Poco Adagio
Finale: Allegro con brio

(zu Dvorák, Klaviertrio Nr. 3, f-moll, op. 65, B 130)

Wäre nicht das beliebte Dumky-Trio, Dvoráks f-moll-Trio hätte es leichter, seine Meisterschaft zu erweisen. Das etwa vierzigminütige Werk darf als eines der gelungensten und persönlichsten Kammermusikwerke des Komponisten gelten. Die von der Tonart vorgegebene Düsterheit verbindet sich mit Klangschönheit, insbesondere im As-dur-Klagegesang des Adagio, der die Leidenswelt des Kopfsatzes wieder aufnimmt. Das Scherzo steht in cis-moll und war ursprünglich an der traditionellen dritten Stelle geplant. Das furiantähnliche Finale macht sich die Spannung von cis-moll und f-moll zunutze und bricht sich erst nach mehreren Anläufen die Bahn nach F-dur. Böhmische Einflüsse sind vorhanden, vor allem in Rhythmus und Harmonie, wirken aber gebändigt durch eine gewisse brahmsnahe Färbung und eine eigenständige und neue Themenbildung. Der folkloristische Ton ist nicht mehr zentrales Anliegen Dvoráks. Nicht zuletzt der Klaviersatz mahnt an den verehrten Mentor. Das Werk entstand im Februar/März 1883, kurz nach dem Tod von Dvoráks Mutter. Wie in einem andern f-moll-Werk, das in dieser Saison zu hören war (Mendelssohns Streichquartett op. 80), mag auch hier der Todesfall auf die Stimmung eingewirkt haben. Das Werk war dem Komponisten so wichtig, dass er es bis zur Uraufführung im Oktober 1883, bei der er selber als Geiger mitwirkte, laufend überarbeitete.

(zu Haydn, Klaviertrio Nr. 36, Es-dur, Hob. XV:22)

Von Haydns 45 Klaviertrios ist nur eines wirklich berühmt (Nr. 39), wohl weil man es am „all’Ongarese“-Finale leicht identifizieren kann. Der gegenüber den Streichquartetten geringere Bekanntheitsgrad vieler Trios liegt aber möglicherweise auch daran, dass es Haydn nur selten gelungen ist, eine ideale Verbindung zwischen Streichern und Klavier zu erreichen. Dies liegt zum Teil auch am Wunsch der (englischen) Auftraggeber nach einfachen Streicherparts. Das wenig bekannte, doch reizvolle Es-dur-Trio ist ein Beispiel dafür: Die Cellostimme ist eher dürftig, so dass man sie beinahe weglassen könnte. Selbst typische Basslinien gibt Haydn oft nicht dem Cello, sondern nur dem Klavier. Auch die Geige ist häufig eng ans Klavier angelehnt. Oft verstärken die beiden Streicher nur gewisse Haupttöne des Klaviers, so im schönen Alla breve-Adagio in G-dur, wo sie häufig die Vierteltöne unterstreichen, sonst aber, wenn sie nicht gerade Pause haben, ab und zu die Klavierstimme mitspielen. Gerade diesen Satz könnte man sich gut ohne Streicher in einer Klaviersonate vorstellen.