Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

631

30.4.1991, 20:15 Uhr (Zyklus A 65. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Guarneri Quartet (New York)

Steinhardt, Arnold, Violine 1
Dalley, John, Violine 2
Tree, Michael, Viola
Soyer, David, Violoncello

Seit nunmehr 35 Jahren spielt das Guarneri Quartet in unveränderter Besetzung. Die Wahl des Namens beruhte auf einem Zufall, da der Cellist damals ein Cello von Guarneri spielte. Inzwischen tritt David Soyer mit einem Instrument von Giuseppe Gagliano (Neapel 1778) auf, Steinhardt spielt eine Lorenzo Storioni (Cremona), Dalley eine Nicolas Lupot (Paris 1810), Tree eine Bratsche von Domenico Busan (Venedig 1750). Das Quartett gehört zu den berühmtesten der letzten Jahrzehnte. Zahllos sind die Konzerte in aller Welt, riesig auch das Plattenrepertoire: Vor genau zehn Jahren erfolgte die Einspielung der Quartette von Grieg und Sibelius. Die Jubiläumstournee führt das Quartett u.a. nach Berlin, Freiburg, Zürich, London, Frankfurt, in der zweiten Saisonhälfte nach Kopenhagen, Köln, Bonn, Basel, Tübingen, Stuttgart, Bologna.

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 4, c-moll, op. 18 Nr. 4 (1798/1800)

Allegro ma non tanto
Scherzo: Andante scherzoso, quasi Allegretto
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro – Prestissimo

Streichtrio Nr. 3, G-dur, op. 9, Nr. 1 (1796–98)

Adagio – Allegro con brio
Adagio, ma non tanto, e cantabile
Scherzo: Allegro
Presto

Streichquartett Nr. 12, Es-dur, op. 127 (1822–25)

Maestoso – Allegro
Adagio, ma non troppo e molto cantabile – Adagio molto espressivo
Scherzando vivace – Allegro – Tempo I – Presto
Finale: (ohne Tempobezeichnung) – Allegro comodo

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 12, Es-dur, op. 127)

Am 9. November 1822 richtete Fürst Nikolaus Galitzin an Beethoven die Bitte, für ihn «un, deux ou trois nouveaux Quatuors» zu schreiben. Die Anfrage kam Beethoven, der durchaus nicht immer für Auftragswerke zu gewinnen war, nicht ungelegen. Bereits am 5. Juni 1822 hatte er nämlich dem Verlag Peters ein Quartett in Aussicht gestellt; es war das spätere op. 127. Doch widerrief er das Angebot, da mir etwas anderes dazwischen gekommen. Das «andere» waren die Missa solemnis und die 9. Sinfonie. Im Februar 1824 nahm er die Arbeit am Quartett wieder auf und schloss es im Februar 1825 ab. Es wurde am 6. März 1825 erstmals aufgeführt. Noch während dieser Arbeit, wohl im Herbst 1824, konzipierte Beethoven zwei weitere Quartette, op. 132 und op. 130. Während diese beiden Quartette zusammen mit op. 131 durch ein Viertonmotiv als Keimzelle verknüpft sind, stehen op. 127 und op. 135 für sich. Im Gegensatz zur Dreiergruppe sind beide Quartette leichter fasslich, halten sich auch an die gewohnte Viersätzigkeit. Das op. 127 ist gar ein Werk von weitgehend lyrischem Charakter. Schon der erste Satz beginnt nach sechs Maestoso-Takten teneramente mit einem lang ausgesponnenen, klar gegliederten Thema in Form einer lyrischen Melodie; es beruht allerdings auf einem einzigen schlichten, sequenzartig wiederholten Motiv. Trotz dem g-moll des Seitensatzes und der mehrfachen Wiederaufnahme des Maestoso-Teils wirkt der Satz wie eine Idylle. An zweiter Stelle steht eine Variationenreihe über ein weitgespanntes, rhythmisch einheitliches, kanonartig einsetzendes Thema. Der Charakter wechselt zwischen Unruhe, Munterkeit und Ekstase ab. Das in der üblichen Dreiteiligkeit gehaltene Scherzo ist geprägt von nervöser Unrast; kontrapunktische Arbeit in geflüstertem Piano hat gespenstische Züge. Das Trio wird – fern jeder Behaglichkeit – von fahrigen Violinpassagen und stampfenden Tänzen bestimmt. Der Satz könnte gut als weitere Variationenfolge zum 2. Satz gehören. Das Finale greift auf die Idylle des Kopfsatzes zurück, wirkt volkstümlich, manchmal fast derb, bevor es in der Coda, deren richtiger Charakter wohl eher comodo als con moto ist, in lyrischer Expressivität schliesst.

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 4, c-moll, op. 18 Nr. 4)

Als Beethoven seine sechs Quartette op. 18 veröffentlichte, war er dreissigjährig, kein jugendlicher Komponist mehr wie Mozart oder Schubert bei ihren ersten Quartetten – und auch keiner, der die Gattung erst schaffen musste wie Haydn. Nun steht unter den frühen Quartetten gerade das in c-moll mehr im Bereich der Konvention als die andern fünf Stücke. Darum hat man wie bei Haydns op.42 eine frühere Entstehung angenommen. Man höre sich nur das Finale an! Formale Vereinfachung und der Verzicht auf Durchführungselemente überraschen bei Beethoven ebenso wie der wenig individuelle c-moll-Charakter. Man hat das Werk aber auch anders, positiver bewertet. Beethoven hingegen war ungehalten darüber, dass sich Kritik und Publikum ausgerechnet für dieses Quartett begeisterte, und erklärte: Das ist ein rechter Dreck! gut für das Saupublikum. Trotzdem dürfen Sie, verehrtes Publikum, heute Gefallen an diesem Werk finden.