Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

639

3.3.1992, 20:15 Uhr (Zyklus B 66. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Keller-Quartett (Budapest)

Keller, András, Violine 1
Pilz, János, Violine 2
Gál, Zoltán, Viola
Kertész, Ottó, Violoncello

Im Jahre 1986 begannen vier junge ungarische Solisten in Budapest Kammermusik zu spielen. An der Franz Liszt-Akademie erhielten sie Unterricht bei Sándor Devich und György Kurtág. 1990 gewann das Quartett beim Wettbewerb in Evian den 1. Preis, wenig später den Primo Premio im Concorso Borciani. Es folgten Tourneen in Europa und Japan sowie Auftritte bei den Festspielen in Bath und Salzburg. In der Saison 91/92 war das Keller-Quartett mit grossem Erfolg erstmals in unseren Konzerten zu Gast. Die Kritik schrieb damals: »Bemerkenswert an dieser Formation ist vor allem die Homogenität in der klanglichen Erscheinung. Selten ist vier Musikern zu begegnen, die sich technisch durchgehend ebenbürtig sind, deren Auffassung in Phrasierung, Dynamik oder Vibrato-Gebrauch sich derart deckt.«

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 76, d-moll, op. 76, Nr. 2, Hob. III:76 «Quintenquartett» (1797)

Allegro
Andante o più tosto allegretto
Menuetto: Allegro (ma non troppo) – Trio
Vivace assai

Arthur Honegger
1892-1955

Streichquartett Nr. 2, D-dur (dem Pro Arte-Quartett gewidmet) (1934/36)

Allegro
Adagio
Allegro marcato

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 15, a-moll, op. 132 (1825)

Assai sostenuto – Allegro
Allegro, ma non tanto
Heiliger Dankgesang eines Genesenen, in der lydischen Tonart: Molto adagio –
Neue Kraft fühlend: Andante –
Mit innigster Empfindung: Molto adagio
Alla Marcia, assai vivace – Più allegro – Allegro appassionato – Presto

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 15, a-moll, op. 132)

Auch in Beethovens a-moll-Quartett bildet der langsame Satz Zentrum und Hauptaussage des ganzen Werkes. Nicht nur die Länge, auch die religiös motivierte Umschreibung der Satzbedeutung hebt diesen einmaligen Satz aus den andern hervor. Mag die erstmalige Ausweitung der Satzzahl von vier auf fünf im Vergleich mit op. 130 und 131 noch unentschlossen wirken, die eine Aufgabe, das Molto Adagio ins Zentrum zu rücken, wird durch den kurzen Geschwindmarsch durchaus erreicht. Der Dankgesang ist – trotz seinen „himmlischen Längen“ – im Grunde einfach gebaut; er beginnt mit einer choralartigen Melodie. Ihre Phrasen folgen einander jeweils halbtaktig im 4stimmigen Satz. Der Choralteil wird von einem leichteren Andante in D-dur abgelöst, das mit „Neue Kraft fühlend“ überschrieben ist. Es nimmt im weiteren Verlauf geradezu tänzerische Züge an. Diese beiden Teile werden wiederholt, der Choral wird variiert, das Andante bleibt weitgehend unverändert. Eine 3. Choralstrophe führt „mit innigster Empfindung“ den Satz fast in Rondoform zu Ende. Der erste Satz beginnt mit einer Einleitung, welche ausgehend vom Cello jenes Viertonmotiv in je einem auf- und absteigenden Halbtonschritt (gis – a / f – e; in der 1. Violine dis – e / c – h) einführt, welches als Klammer die drei grossen der späten Beethovenquartette verbindet. Schon das Hauptthema des Kopfsatzes nimmt es im Zentrum auf und selbst im Finalthema taucht es versteckt wieder auf.