Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

642

13.10.1992, 20:15 Uhr (Zyklus A 67. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Erato Quartett (Basel)

Haudenschild, Emilie, Violine 1
Adamka, Attila, Violine 2
Haudenschild, Heinz, Viola
Kostyak, Emeric, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 38, Es-dur, op. 33, Nr. 2, Hob. III:38 (1778/81)

Allegro moderato
Scherzando: Trio
Largo
Finale: Presto

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Streichquartett Nr. 6, G-dur, op. 101 (1956)

Allegretto
Moderato con moto
Lento –
Lento – (Allegretto) – Andante – Adagio

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 7, F-dur, op. 59, Nr. 1 «1. Rasumovsky-Quartett» (1805/06)

Allegro
Allegretto vivace e sempre scherzando
Adagio molto e mesto –
Thème russe: Allegro – Adagio, ma non troppo presto

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 38, Es-dur, op. 33, Nr. 2, Hob. III:38)

In angelsächsischen Ländern trägt Haydns Es-dur-Quartett aus op. 33 den Beinamen «The Joke»: Ein an sich schon witziges, eher kurzes perpetuum mobile-Rondo wird gegen Ende durch ein pathetisches Adagio unterbrochen – allein das wirkt parodistisch. Der eigentliche Scherz folgt aber erst: Vor lauter Pausen (Bitte nicht zu früh klatschen!) weiss man nie, wann das Stück wirklich aufhört. Voraus gegangen waren drei Sätze, die Heiterkeit und Ernsthaftigkeit abwechseln liessen. Der monothematische Kopfsatz zeigt ein zwischen Kantilene und munter springenden Tönen schwankendes Thema, dessen Motive originell weiter verarbeitet werden. Das eher ernsthafte Scherzo-Menuett erlebt im Trio mit den ländlermusikartigen, im portamento hinaufgezogenen Tönen einen starken Kontrast. Richtig ernst ist das prächtige Largo in Rondoform mit seiner herrlichen Kantilene und zwei synkopierten Passagen.

(zu Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 6, G-dur, op. 101)

Das 6. Quartett entstand in knapp einem Monat im August 1956 und wirkt leichter – oder, wie Kritiker sagten, oberflächlicher. Es hat lange gebraucht, um ins Repertoire der Quartettensembles zu gelangen. Der Druck, unter dem Schostakowitsch bis 1953 gestanden hatte, schien nun weg, auch wenn die Chruschtschow-Ära mit dem vermeintlichen Tauwetter alles andere als freiheitlich war – man denke an die Pasternak-Affäre. Der Einbezug von Rhythmen und Melodik von Kinderliedern in den beiden ersten Sätzen betont das Russische. Ein leichter Ton, als ob Haydn dem Komponisten zum Vorbild geworden wäre, herrscht über weite Strecken im Kopfsatz. Nur kurz ist ein Fortissimo-Ausbruch mit teilweise heftigen Akkorden in der Mitte – schon kehrt Unbeschwertheit zurück. Auch dem 2. Satz fehlt die Schwere, aber auch die Schostakowitsch oft eigene Neigung zum Grotesk-Scheinheiteren. Lockerheit auch hier, dazu Geigenkantilenen in hohen Lagen, zeitweise vom Cello im Pizzicato heiter grundiert. Ernsthaftigkeit dann im Lento, einer Passacaglia über ein getragenes zehntaktiges Thema im Cello. In den Variationen 2 bis 4 tritt jeweils ein weiteres Instrument dazu; die 5. Variation wird erweitert und ohne das Thema fortgeführt. Variation 6 und 7 kehren zum zehntaktigen Thema zurück. Eine kurze Coda leitet zum Lento-Beginn des Finales über. Die 1. Geige trägt das freundliche Thema vor. Ein staccato-Thema im Cello bringt einen neuen Klang. Eine allmähliche Steigerung führt zum fff der beiden Geigen, und wird im nun leise gewordenen Geschehen vom staccato-Thema von Bratsche und Cello abgelöst. Der Satz wird im Andante immer ruhiger, nimmt in der Coda den Übergang des 3. zum 4. Satz wieder auf und endet lento – natürlich! – im pianissimo morendo.