Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

654

23.11.1993, 20:15 Uhr (Zyklen A + B 68. Saison)
Stadtcasino, Grosser Musiksaal

Emerson String Quartet (New York)

Drucker, Eugene, Violine
Setzer, Philip, Violine
Dutton, Lawrence, Viola
Finckel, David, Violoncello

1976 von Musikern der Generation der ersten Hälfte der fünfziger Jahre unter dem Patronat von Robert Mann (Juilliard String Quartet) gegründet und nach dem amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson (1803-1882), dem Begründer des amerikanischen Transzendentalismus, benannt, hat das Emerson String Quartet rasch die höchsten Stufen der Quartettkunst erklommen und bis heute gehalten. Sein Ruf und seine Interpretationen bilden Referenzstandard. Es gilt nicht nur unter den amerikanischen Quartetten als Ausnahme-Ensemble, sondern gehört seit Jahrzehnten weltweit zur ganz schmalen Spitzengruppe der bedeutendsten Streichquartette. Es gastiert heute, vierzig Jahre nach seiner Gründung und knapp 30 Jahre nach seinem ersten Auftritt in unseren Konzerten, zum vierzehnten Mal bei uns. Noch immer tauschen die beiden Geiger ihre Positionen im Verlauf eines Konzertes. 2013 hat sich der frühere Cellist David Finckel aus dem Quartett zurückgezogen, um sich als Solist, Lehrer und Veranstalter neuen Aufgaben zu widmen. Er wird aber das Quartett wie in den letzten Jahrzehnten weiterhin unterstützen. Sein Nachfolger, der renommierte britische Cellist, Dirigent und Kammermusiker Paul Watkins, ist im Mai 2013 zum Quartett gestossen und 2014 erstmals bei uns aufgetreten.

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 5, A-dur, op. 18, Nr. 5 (1798/99)

Allegro
Menuetto
Andante cantabile
Allegro

Charles Ives
1874-1954

Streichquartett Nr. 1 «From the Salvation Army» (1896)

Andante con moto
Allegro – Allegro con spirito – Quasi andante
Adagio cantabile – Allegretto – Andante con moto – Tempo I.
Allegro marziale – Poco andante con moto – Allegro marziale

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 8, e-moll, op. 59, Nr. 2 «2. Rasumovsky-Quartett» (1806)

Allegro
Molto adagio
Allegretto - Maggiore (Thème russe)
Finale: Presto

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 5, A-dur, op. 18, Nr. 5)

Wenn wir Beethovens Verhalten und seine Äusserung gegenüber Karl Amenda, das F-Dur Quartett in der Urfassung nicht weiterzugeben, richtig interpretieren, dürfen wir die Quartette Nr. 4 bis 6 als den entscheidenden Schritt vom Quartett des späten 18. zu dem des frühen 19. Jahrhunderts ansehen. Beethoven hat die ersten drei Quartette im Jahre 1800 revidiert. Dies zeigt, dass er selbst von der ersten zur zweiten Dreiergruppe einen qualitativen Fortschritt sah, der ihn nötigte, die ersten Werke dem neuen Standard anzupassen. So sind auch diese drei Quartette, zumindest in einzelnen Sätzen (vor allem beim F-dur-Quartett die beiden ersten) zu neuartigen Kompositionen geworden. Natürlich stehen auch die Nummern 4 bis 6 noch in der Tradition; der eigentliche Bruch mit dem 18. Jahrhundert wird sechs Jahre später - dafür umso radikaler - mit den Rasumowsky-Quartetten op. 59 erfolgen.

Für das 5. Quartett in A-dur hat sich Beethoven bis in die Satzbezeichnungen hinein ein eindeutiges Vorbild genommen: Mozarts KV 464 in der gleichen Tonart, dessen Finale er eigenhändig kopiert hat. Beide Male steht das Menuett an zweiter Stelle, beide Male ist der langsame Satz ein Variationen-Andante, welches das Herzstück des Werks bildet. Aber man darf nicht von Nachahmung sprechen. Was Beethoven in diesem hellsten seiner Quartette mit allen Anklängen, übrigens auch an eigene Werke, macht, ist doch auch schon die Entwicklung einer neuen, eigenen Tonsprache.

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 8, e-moll, op. 59, Nr. 2 «2. Rasumovsky-Quartett»)

Das Opus 59 ist offensichtlich als Zyklus konzipiert. Zu dessen für das damalige Publikum schwierigen Zügen hat sicher der sinfonische Tonfall beigetragen, zu dem, angeregt durch die Qualitäten des Schuppanzigh-Quartetts, weitere Elemente wie spieltechnische Ansprüche, die Harmonik und die Rhythmik hinzutreten. Im Gegensatz zum F-dur-Quartett (Nr. 1) bleibt das zweite der Rasumowsky-Quartette stärker der Tradition verpflichtet. Es wirkt wie die Antithese zum kühnen ersten – das dritte in C-dur würde dann die Synthese bilden. Auf den düsteren Kopfsatz, einen Vorgriff auf op. 95 in f-moll, folgt ein zunächst scheinbar lichter Adagio-Choral – Czerny berichtet, er sei Beethoven beim Anblick des Sternenhimmels eingefallen. Durch Beifügen von Gegenstimmen und rhythmischen Kontrapunkten löst sich der Choral-Charakter immer mehr auf. Im fünfteiligen rhythmisch pointierten Scherzo fällt im Trio das aus Mussorgskys Boris Godunow bekannte Thème russe ins Ohr. Beethoven fand es in einer Sammlung russischer Volkslieder von Iwan Pratsch, die erstmals 1790 in St. Petersburg erschienen war. Das Finale weist, nicht nur mit dem Beginn in C-dur, auf das dritte Quartett, die Synthese des Opus, voraus.