Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

658

8.2.1994, 20:15 Uhr (Zyklus A 68. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Quatuor Athenaeum Enesco (Paris)

Bogdanas, Constantin, Violine 1
Szigeti, Florin, Violine 2
Iarca, Dan, Viola
Fodoreanu, Dorel, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 76, d-moll, op. 76, Nr. 2, Hob. III:76 «Quintenquartett» (1797)

Allegro
Andante o più tosto allegretto
Menuetto: Allegro (ma non troppo) – Trio
Vivace assai

Georges Enesco
1881-1955

Streichquartett Nr. 2, G-dur, op. 22, Nr. 2 (1951)

Molto moderato
Andante molto sostenuto ed espressivo
Scherzo: Allegretto non troppo mosso
Con moto molto moderato, energico

Franz Schubert
1797-1828

Streichquartett Nr. 13, a-moll, op. 29, D 804 «Rosamunde» (1824)

Allegro ma non troppo
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro moderato

(zu Schubert, Streichquartett Nr. 13, a-moll, op. 29, D 804 «Rosamunde»)

Schuberts a-moll-Quartett sei, so äusserte sich dessen Freund, der Maler Moritz von Schwind, «im ganzen sehr weich, aber von der Art, dass einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung». In der Tat klingen in diesem ersten vollgültigen Quartett nach dem grossen Entwicklungsschub im Instrumentalen der Jahre 1822–24 Lieder an: Im 1. Satz, der ganz «weich» zwischen der Unruhe der Begleitfiguren und der Ruhe der Kantilene schwankt, das (für Schuberts kurzes Leben lange) zehn Jahre ältere Gretchen-Lied «Meine Ruh ist hin» (D 118). Im so gar nicht tanzhaften Menuett erklingt im Cello ein Motiv, das an den Beginn des Schiller-Liedes «Die Götter Griechenlands» (D 677, 1819) erinnert, das A-dur-Trio zitiert daraus die Melodie zum Text «Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur». Im zweiten Satz verwendet Schubert 16 Takte lang – im Gegensatz zum zeitgleich geplanten d-moll-Schwesterwerk – kein Lied; er schreibt auch keine Variationen zum Thema des 2. Entre-Act aus der Schauspielmusik zu «Rosamunde» (das holt er im B-dur-Impromptu D 935/3 nach). Es dient im Schauspiel dem nachdenklichen Zurückblicken – und so empfinden wir alle Zitate und Anklänge im ganzen Quartett. Auch die ungarisierenden alla zingarese-Anklänge im Finale könnten diese Funktion haben. Es ist also nicht, wie man lange glaubte, Schuberts Unfähigkeit, unabhängig von Liedern zu komponieren, vielmehr ein gezieltes, in der entscheidenden Phase der Neuorientierung reflektierendes Zurückblicken.