Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

670

4.4.1995, 20:15 Uhr (Zyklus A 69. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Brodsky Quartet (London)

Thomas, Michael, Violine 1
Belton, Ian, Violine 2
Cassidy, Paul, Viola
Thomas, Jacqueline, Violoncello

Das Quartett hat seinen Namen nach dem russischen Geiger Adolf Brodsky (1851-1929) - er hatte 1881, dem Geburtsjahr Bartóks, in Wien Tschaikowskys Violinkonzert uraufgeführt - gewählt. Die vier Quartettmitglieder musizieren seit frühester Kindheit miteinander und haben trotz noch immer jugendlichem Alter eine gemeinsame Praxis und Erfahrung von mehr als zwanzig Jahren. Vier Jahre lang waren sie Quartet in residence der University of Cambridge. Zur Zeit unterrichten sie am Welsh College of Music und sind Resident Quartet an der University of Middlesex. Berühmt geworden ist das Ensemble durch seine Aufnahme sämtlicher Quartette Schostakowitschs im Jahre 1989. Diese Aufnahmen wurde von der Kritik mit hohem Lob bedacht. In der "russischen" Saison 92/93 gastierte das Brodsky Quartet mit grossem Erfolg in unseren Konzerten und spielte dabei Schostakowitschs 10. Streichquartett. Erwähnenswert für die Aufgeschlossenheit des Quartetts ist die Partnerschaft mit dem britischen Pop-Intellektuellen Elvis Costello, der 1992 die "Juliet Letters, a song sequence for string quartet and voice" entsprangen.

Peter Sculthorpe
1929-2014

Streichquartett Nr. 11 «Jabiru Dreaming» (1990)

Deciso – meno mosso – deciso
Liberamento – poco estatico – estatico

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b) (1783)

Allegro (moderato)
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegretto, ma non troppo (con variazioni)

Béla Bartók
1881-1945

Streichquartett Nr. 5, Sz 102 (1934)

Allegro
Adagio molto
Scherzo: Alla bulgarese
Andante
Finale: Allegro vivace – Presto

Peter Joshua Sculthorpe stammt aus Tasmanien. Nach Studien in Melbourne (mit Promotion), Oxford und in den USA unterrichtete er in Sydney und England; er ist Ehrendoktor der Yale University. Seit Irkanda ("Einsamkeit") I-IV (II: 5. Streichquartett, 1959) sucht er einen australischen, auf die Musik der Aborigines zurückgreifenden Stil, blieb aber offen für die zeitgenössische europäische Musik, mit der er, bis hin zur Musique concrète, experimentiert hat. Neben dramatischen Werken, Orchester- und Vokalmusik pflegt er seit früher Zeit die Kammermusik. Das 1. Streichquartett entstand schon 1947. Zum Träumenden Jabiru schreibt uns Sculthorpe: »Die lebendige einheimische Musik des Kakadu National Parks (wo eine Felsformation Jabiru Dreaming heißt) im Norden Australiens wurde ein Teil meiner musikalischen Sprache seit den späten 80er Jahren. Der 1. Satz enthält rhythmische Muster, wie man sie in der einheimischen Musik des Kakadu Parks findet. Einige dieser Muster spielen auf den Ruf des Jabiru, einer Storchenart, an. Der 2. Satz beruht auf einem Gesang der Aborigines, der 1802 von einem Mitglied der Baudin-Expedition transkribiert wurde. Dies ist das erstemal, daß solche Musik in abendländischer Notation aufgezeichnet wurde.« Für das Kronos Quartet, das viele seiner Werke aufgeführt hat, schrieb Sculthorpe gleichzeitig ein Werk für Quartett und das australische Blasinstrument Dijeridu und demnächst das 12. Quartett, für die Brodskys Lament für Sextett und demnächst ein Werk für Quartett und Singstimme.

Der Tradition und Haydns Vorbild folgend schloss Mozart in seine sechs Haydn gewidmeten Quartette ein Moll-Werk ein. »Der Kopfsatz ist geprägt durch ungemein deklamatorische Motivik und bisweilen geradezu schneidende Dissonanzen, vor allem im polyphonen Stimmengewebe der Durchführung. Das Andante (F-dur) wirkt danach in seiner relativen liedhaften Schlichtheit beruhigend [...]. Zur Schroffheit des d-moll-Menuetts mit seinem charakteristischen punktierten Motivkopf kontrastiert das wienerisch serenadenhafte Trio mit seiner Sologeige über Pizzicato-Begleitung. Das Finale ist ein 6/8-Variationensatz; es kehrt zurück zur Emotionalität des Kopfsatzes, ohne dem Spiel des figurativen Veränderns allzu viel Freiraum zu gewähren. Sein unerwarteter D-dur-Schluss mutet fast ein wenig gewaltsam an« (Werner-Jensen).

Mit Bartóks 5. Quartett schliesst unser diesjähriger Bartók-Zyklus. H. Oesch schrieb 1958 anlässlich des Basler Bartók-Festes: "In ziemlich weitgehender Übereinstimmung mit dem architektonischen Bau der fünf Sätze (schnell-langsam-schnell-langsam-schnell) des vierten Quartetts ist das Werk symmetrisch um einen Mittelpunkt herum gebaut und gleicht einer Blütenknospe, deren Blätter den Blütenkeim einhüllen. Dieser Symmetriemittelpunkt ist das Trio des schnellen Mittelsatzes oder noch genauer: eine in diesem Trio von der Bratsche vorgetragene schlichte Melodie. Um diesen Kern hüllt sich auf beiden Seiten erst einmal das Scherzo mit seinem Da-capo-Teil; eine zweite Hülle bilden die langsamen Sätze 2 und 4, die sich formal und im Charakter entsprechen, und eine dritte die raschen Sätze 1 und 5, die ebenfalls wieder wegen des gleichen, aber verschieden verarbeiteten Materials zusammengehören."

rs