Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

682

19.5.1996, 11:00 Uhr (Extrakonzert 70. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

70 Jahre Gesellschaft für Kammermusik/10 Jahre Paul Sacher-Stiftung

Erato Quartett (Basel)

Haudenschild, Emilie, Violine 1
Adamka, Attila, Violine 2
Haudenschild, Heinz, Viola
Kostyak, Emeric, Violoncello

Arthur Honegger
1892-1955

Streichquartett Nr. 2, D-dur (dem Pro Arte-Quartett gewidmet) (1934/36)

Allegro
Adagio
Allegro marcato

Alfredo Casella
1883-1947

Cinque pezzi für Streichquartett, op. 34 (1920)

Preludio: Allegro vivace e barbaro
Ninna-nanna: Tempo di Berceuse (Andantino dolcemente mosso)
Valse ridicule: Tempo di Valzer grazioso
Notturno: Lento, grave, funebre
Foxtrot: Tempo giusto, Allegro molto moderato

Erwin Schulhoff
1894-1942

Fünf Stücke für Streichquartett (1923)

Alla Valse viennese: Allegro
Alla Serenata: Allegretto con moto
Alla Czeca: Molto allegro
Alla Tango milonga: Andante
Alla Tarantella: Prestissimo con fuoco

Denis Gougeon
1951-

Jeu de cordes (1995)

Jeu d'accents
Andante des Harmoniques
Jeu sur un mode
Chant
Jeu d'imitation (Suivez-moi!)

(zu Schulhoff, Fünf Stücke für Streichquartett)

"Ein amüsanter, liebenswürdiger, spielerisch veranlagter, hochbegabter Künstler und ein wilder Temperamentmusikant, ein Draufgeher, kein Philosoph" - so charakterisierte ein Musikkritiker den Prager Komponisten Ervín Schulhoff 1928. Da mag Schulhoffs Liebe zum Jazz mitgespielt haben - doch darf man ihn keineswegs nur auf diesen Stil einengen. Gerade seine beiden Streichquartette sind sehr wohl auch slawisch beeinflusst. Die Fünf Stücke sind, wie schon die Titel deutlich machen, vor allem rhythmisch inspiriert. In einer Rezension wurden sie als "nette und schwungvolle Tanzstücke" und "niedliche Tanzbagatellen" bezeichnet. Dabei darf man sich von der scheinbaren Oberflächlichkeit der Tanzformen nicht täuschen lassen. Schulhoff experimentiert in raffinierter Weise mit motivischen, metrischen und harmonischen Spielformen. Gleichwohl irritierten die Stücke beinahe wie Schönbergs Zwölftönigkeit. Nach der Aufführung (die Uraufführung hatte kurz zuvor beim IGNM-Festival in Salzburg stattgefunden) bei den Donaueschinger Kammermusiktagen rief der Traditionalist Joseph Haas, sie als "primitive Quartettkunst" abstempelnd, aus: "O Heilige Kammermusik, wo bist du hingeraten?"