Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

685

10.11.1996, 20:15 Uhr (Zyklus A 71. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Beaux Arts Trio (New York)

Kavafian, Ida, Violine
Wiley, Peter, Violoncello
Pressler, Menahem, Klavier

Das Beaux Arts Trio, 1955 gegründet, ist über Jahrzehnte hinweg bis heute nicht nur das bekannteste, sondern auch das hervorragendste Klaviertrio geblieben. Anlässlich des letzten Auftritts in unseren Konzerten am 12.1.1996 hat es der eine Kritiker eine «lebende Legende» genannt, der andere rühmte das «Höchstmass an persönlichem Können und Virtuosität» und die «Fähigkeit, dies alles zugunsten Zusammengehens und Verschmelzens als dreieinige Gruppe einzusetzen». Einig waren sich beide Kritiker über die Rolle des Pianisten Menahem Pressler, des Garanten der Beaux Arts-Tradition - «ein Dirigent ohne Taktstock und ohne Orchester, in jeder Sekunde wachsam und hellhörig für die Beiträge seiner Partner». Die in Istanbul geborene und in Amerika aufgewachsene Geigerin Ida Kavafian hat 1992 Isidore Cohen abgelöst, der seinerseits 1968 Daniel Guilet ersetzt hatte. Im Sommer 1987 war Peter Wiley an die Stelle des Cellisten Bernard Greenhouse getreten. Beeindruckend an diesem Trio ist «das temperamentvolle Musizieren, das einzigartige Ensemblespiel und die feinsinnige Musikalität verbunden mit einer klanglichen Ästhetik, deren Ideal ein Höchstmass an Verschmelzung ist».

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 3, B-dur, KV 502 (1786)

Allegro
Larghetto
Allegretto

Klaviertrio Nr. 5, C-dur, KV 548 (1788)

Allegro
Andante cantabile
Allegro

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio» (1811)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Andante cantabile (ma però con moto) –
Allegro moderato – Presto

Mozarts Klaviertrios haben nie den Bekanntheitsgrad seiner Streichquartette oder die Beliebtheit einiger Haydn-Trios erreicht. Um so überraschender ist es, dass ein junger Pianist anlässlich einer Amerikatournee mit den berühmtesten Orchestern und Dirigenten in New York, wo er sich ziemlich einsam fühlte, zwei Partner suchte, um mit ihnen Mozart-Trios zu spielen. Einen fand er im Konzertmeister von Toscaninis NBC Symphony Orchestra, der ihm empfohlen wurde, weil er als ehemaliges Mitglied des Calvet-Quartetts Kammermusikerfahrung hatte. Es war Daniel Guilet; als Cellisten brachte er Bernard Greenhouse mit. Der Pianist hiess Menahem Pressler. Das Spiel von Mozart-Trios hat also beim Beaux Arts Trio Tradition; es gründet aber auch auf der Qualität der Werke. «Das B-dur-Trio nimmt den Gestus des Konzertanten auf überzeugende Weise in den engen Rahmen des kammermusikalischen Satzgefüges auf. Sein 1. Satz lebt von seinem vorwärtsstrebenden, motivisch ungemein prägnanten, chromatisch gefärbten Haupteinfall. Ein unnachahmlich langer Atembogen überspannt die Melodie des langsamen Satzes (Es-dur). Das Finale führt besonders direkt in die Nähe der Mozartschen Klavierkonzerte, freilich aus der intimeren Sicht der Kammermusik und ohne deren Grenzen je zu verletzen.»

Das Trio in C-dur «ist insgesamt knapper und weniger aufwendig formuliert und steht seinen beiden Vorgängern an Bedeutung ein wenig nach. Sein erstes Allegro setzt gleichwohl sehr energisch im punktierten fanfarenartigen Unisono der drei Instrumente ein. Dieses markante Motiv kehrt gegen Ende der Exposition wieder und prägt sodann im imitatorischen Nacheinander den ersten Teil der Durchführung. Ruhender Mittelpunkt des Werkes ist zweifellos das melodisch strömende Andante cantabile (F-dur), in dem ausdrücklich und intensiv auch das Violoncello solistisch in den Vordergrund treten darf. Im Finale schliessen sich die beiden Streichinstrumente noch wesentlich enger zusammen und bilden oft einen gemeinsamen Widerpart gegen das Klavier. Der Mittelteil weicht pathetisch nach c-moll aus und ist in abgeschlossener überschaubarer Dreiteiligkeit von seiner verspielten Umgebung abgehoben» (A. Werner-Jensen).

«Als wollte Beethoven darauf aufmerksam machen, dass sich das Klavier im Klaviertrio nicht nur den Streichern unterzuordnen habe, lässt er das B-dur-Trio op. 97 mit dem Klavier allein beginnen, was er nie zuvor gewagt hatte. Allerdings forderte er vom Klavier ein dolce. Das Werk scheint die Summe der Klaviertrio-Komposition bei Beethoven darzustellen - in der Fülle der kompositorischen Gedanken, der Kraft des Emotionellen und in der Ausgeglichenheit des Klangbildes wie der Formfügung. Die Tatsache, dass Beethoven dieses Werk seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete, trug ihm den an sich nichtssagenden Titel Erzherzogtrio ein» (W.-E. von Lewinski im Beiheft zur CD-Neuausgabe sämtlicher Beethoven-Trios mit dem frühen Beaux Arts Trio). Immerhin ist der Titel des Werkes würdig, und er stellt es zu Recht im Anspruch auf die gleiche Stufe wie die ebenfalls dem Erzherzog gewidmete Missa Solemnis, die Hammerklaviersonate oder die Grosse Fuge.

rs