Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

686

24.11.1996, 11.00 Uhr (Extrakonzert-Matinée 71. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Amati Quartett (Basel)
Jean-Claude Forestier, Vibraphon

Zimmermann, Willi, Violine 1
Nawrotek, Katarzyna, Violine 2
Corti, Nicolas, Viola
Herrmann, Claudius, Violoncello

Wulff, Bernhard, Leitung
Forestier, Jean-Claude, Vibraphon

Das Amati Quartett formierte sich 1981 und erhielt schon im folgenden Jahr den 1. Preis am Wettbewerb in Evian. 1986 folgte der 1. Preis im Karl-Klingler-Wettbewerb in München. Geprägt wurde es durch die Zusammenarbeit mit dem Alban Berg Quartett, dem Amadeus Quartett und mit Walter Levin. Neben dem klassischen und romantischen Repertoire liegt dem Ensemble einerseits vergessene oder wenig bekannte Musik des 20. Jahrhunderts, andererseits vor allem die neueste Musik unserer Zeit am Herzen. In unseren Konzerten hat es Kelterborns 5. Quartett (1990) (liegt auch auf CD vor), Isang Yuns 6. Quartett (1992), Bettina Skrypczaks Nr. 3 (1994), Flammers "Phasenweise still und ohne Grenze" (mit Vibraphon) und 1998 Jacques Wildbergers Streichquartett zur Uraufführung gebracht. Es ist also seit Jahren nicht nur regelmässiger Gast in unseren Konzertreihen, sondern ist dabei zu dem Uraufführungsquartett unserer Konzerte geworden, auch wenn heute alles klassische Werke zur Aufführung gelangen. Auf CD liegen u.a. die Quartette op. 50 von Joseph Haydn vor, die das Quartett am 29. und 30. Januar 2001 in unseren Konzerten auch live vorgeführt hat. Besonders gerühmt wurde das Amati Quartett für seine Aufnahme der Bartók-Quartette.

Claude Debussy
1862-1918

Streichquartett g-moll, op. 10 (1893)

Animé et très décidé
Assez vif et bien rythmé
Andantino, doucement expressif
Très modéré – Très mouvementé et avec passion – Tempo rubato

Ernst Helmuth Flammer
1949-

«Phasenweise still und ohne Grenze» für Streichquartett und Vibraphon Auftragswerk der Gesellschaft für Kammermusik Basel (1995/96)

(zu Debussy, Streichquartett g-moll, op. 10)

In den 1880er Jahren war Debussy begeistert von Wagners Musik und besuchte Bayreuth. Beeindruckt hat ihn lange der Parsifal, was sich auch in Pelléas et Mélisande niederschlägt. 1889, anlässlich der Pariser Weltausstellung, kam als weiteres Element die Musik des Fernen Ostens hinzu, die erstmals in Europa erklang. Wagners Klangwelt verband er mit exotischen Einfärbungen der Gamelan-Musik und mit ungewohnten Ganztonleitern – und schuf gleichwohl gerade im Streichquartett eine vollkommen französische Musik. Es ist im gleichen Jahr entstanden wie die ersten Skizzen zu Pelléas et Mélisande. Die vier Sätze sind alle aus dem Hauptthema des Kopfsatzes entwickelt, das mit den drei Tönen g–f–d beginnt. Dies geschieht aber nicht in Form der klassischen Durchführungstechnik, sondern indem derselbe Gedanke immer wieder mit exotischen Klängen und mit gleitenden Instrumentalfarben umspielt wird. Dazu kommt eine ungewohnte Rhythmik, die das Publikum der ersten Aufführung ebenso irritierte wie die neue Klanglichkeit. Besser erkannte der Komponistenkollege und Freund Paul Dukas die Bedeutung des Werks: «Alles darin ist klar und deutlich gezeichnet, trotz grosser formaler Freiheit. Debussy zeigt eine besondere Vorliebe für Verknüpfungen klangvoller Akkorde und für Dissonanzen, die jedoch nirgends grell, vielmehr in ihren komplexen Verschlingungen fast noch harmonischer als selbst Konsonanzen wirken; die Melodie bewegt sich, als schreite sie über einen luxuriösen, kunstvoll gemusterten Teppich von wundersamer Farbigkeit, aus dem alle schreienden und unstimmigen Töne verbannt sind.