Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

695

28.10.1997, 20:15 Uhr (Zyklus A 72. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Münchner Klaviertrio
Julie Kaufmann, Sopran

Lazar, Adrian, Violine
Zank, Gerhard, Violoncello
Lechler, Hermann, Klavier

Kaufmann, Julie, Sopran

Julie Kaufmann studierte in ihrer Heimatstadt Iowa/USA Klavier und Gesang. Sie setzte ihre Ausbildung in Hamburg bei Judith Beckmann und am Opernstudio Zürich fort. Seit 1983 ist sie Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper München; 1991 wurde sie zur Kammersängerin ernannt. Sie hat sich als lyrischer Koloratursopran mit Mozart und Strauss einen Namen gemacht (Despina, Susanna). Als Lied- und Oratoriensängerin wurde sie mit Wolfs Italienischem Liederbuch und Hindemiths Marienleben bekannt. Mit Irwin Gage hat sie neben Liedern von Debussy und Strauss Schönbergs Buch der Hängenden Gärten aufgenommen, mit dem Münchner Klaviertrio eine Auswahl der Beethoven-Lieder.

Das Münchner Klaviertrio, 1982 gegründet und einst vom Amadeus-Quartett betreut, tritt seit 1991 in der heutigen Besetzung auf. Neben dem Standardrepertoire der Trioliteratur widmet es sich selten gespielten und zeitgenössischen Kompositionen. Der aus München stammende Pianist wurde 1991 mit dem Bayerischen Staatspreis für Musik ausgezeichnet. Geiger und Cellist, Preisträger verschiedener Wettbewerbe, stammen aus Rumänien sind auch als Solisten tätig.

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Bearbeitungen von sieben schottischen, irischen und walisischen Volksliedern für Sopran und Klaviertrio (op. 108, WoO 153/155) (1803)

The Sweetest lad was Jamie, op. 108/5 (schottisch)
Oh, Thou art the lad of my hart, op. 108/11 (schottisch) *
No riches from his scanty score, WoO 153/2 (irisch) *
A wand’ring gypsey Sirs am I, WoO 153/23 (irisch) *
To the aeolian harp, WoO 155/9 (walisisch) *
The dairy house, WoO 155/17 (walisisch) *
When mortals all to rest retire, WoO 155/15 (walisisch) *

Franz Schubert
1797-1828

«Auf dem Strom». Lied für Singstimme, Horn oder Violoncello und Klavier, op. post. 119, D 943. Text: Ludwig Rellstab (1828)

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 1, Nr. 1 (1793/94)

Allegro
Adagio cantabile
Scherzo: Allegro assai – Trio
Finale: Presto

Franz Schubert
1797-1828

«Der Hirt auf dem Felsen». Lied für Singstimme, Klarinette (oder Violoncello) und Klavier, op. post. 129, D 965. Text: Wilhelm Müller und Helmina von Chézy [?] (1828)

Der Edinburgher Verleger George Thomson (1757–1851) hatte sich in den Kopf gesetzt, die schottischen, später auch die irischen und walisischen Volksweisen möglichst lückenlos herauszugeben. 1792 begann er mit der Arbeit; bis 1841 erschienen 283 schottische, 60 irische und 90 walisische Lieder. Thomson liess die Lieder durch die namhaftesten Komponisten seiner Zeit, darunter Pleyel, Kozeluch, Hummel und Weber, für Klaviertrio setzen. 1799 nahm er dazu mit Haydn, 1803 mit Beethoven Kontakt auf. Dieser bearbeitete 126 Lieder. Thomson scheute sich nicht, die Originaltexte häufig von Dichtern seiner Zeit (Burns, Scott etc.) bearbeiten zu lassen, doch teilte er sie den Komponisten nicht mit, sondern stellte ihnen nur die Melodien zur Verfügung. Es ging ihm weder bei den Worten noch bei der Musik um Authentizität und Texttreue, wie wir sie heute erwarten würden, sondern mehr um den Verlagserfolg. Die Arbeit bezahlte er gut (Haydn erhielt 1799 pro Lied zwei Dukaten), so dass selbst ein Beethoven gerne für ihn arbeitete.

Wer sich Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2); doch trat dieser 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Sie waren nicht Beethovens erste Beiträge zur Gattung. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmte. Erstmals erklangen sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt. Für den Druck wurden sie überarbeitet. Mit seinem op. 1 begründete Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig. Er fügte an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch mag sein, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht mehr um ein Menuett handelt, obwohl der Satz in der Violinstimme noch so bezeichnet wird.

Schuberts Opus 1 war bekanntlich ein Lied, der Erlkönig. Auch ihm waren viele Lieder vorangegangen. Erst im letzten Lebensjahr hingegen schrieb Schubert zwei Lieder mit einem obligaten Instrument neben dem Klavier. Fast so berühmt wie Erlkönig ist der Schalmei blasende Hirt auf dem Felsen, nur gut einen Monat vor dem Tod des Komponisten entstanden. Hier gibt die Klarinette das szenische Kolorit. Den Text entnahm Schubert zwei Gedichten des «Griechen-Müller», dessen Schöne Müllerin und Winterreise er früher vertont hatte. Ein halbes Jahr zuvor war mit dem Hornisten Lewy und dem Tenor Tietze Auf dem Strom im Privatkonzert vom 26. März erklungen. Für diesen Anlass ist das Lied wohl komponiert. Bei beiden Liedern gibt es eine alternative Cellostimme. Bei Auf dem Strom fand sie bereits im Januar 1829 im Privatkonzert der Anna Fröhlich Verwendung, stammt also vielleicht von Schubert selbst. Es wird aber, beim Hirt auf dem Felsen scheint dies sicher, das Interesse des Verlegers gewesen sein, den Liedern auf diese Weise grössere Verbreitung zu verschaffen. Man stelle sich auch – bei allem Reiz dieser Fassung – den Hirten hinter dem Cello auf seinem Felsen sitzend vor!   rs