Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

70

22.1.1935, 20:15 Uhr ( 9. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Pozniak-Trio (Breslau)

Freund, K., Violine
Günther, B., Violoncello
von Pozniak, B., Klavier

Georg Philipp Telemann
1681-1767

Concerto E-dur für Klavier, Violine und Violoncello

Allegro
Largo
Allegro

Antonín Dvorák
1841-1904

Klaviertrio Nr. 4, e-moll, op. 90 «Dumky», B 166 (1890/91)

Lento maestoso – Allegro quasi doppio movimento – Lento maestoso – Allegro –
Poco Adagio – Vivace non troppo –
Poco Adagio – Vivace – Andante – Vivace non troppo – Andante
Andante moderato – Allegretto scherzando – Meno mosso – Allegro – Tempo I
Allegro – Meno mosso
Lento maestoso – Vivace – Lento – Vivace

Johannes Brahms
1833-1897

Klaviertrio Nr. 2, C-dur, op. 87 (1880/82)

Allegro
Andante con moto
Scherzo: Presto – Trio: Poco meno presto
Finale: Allegro giocoso

(zu Brahms, Klaviertrio Nr. 2, C-dur, op. 87)

Mehr als 25 Jahre hat Brahms gewartet, bis er seinem (falls man das ihm zugeschriebene A-dur-Trio ausser Betracht lässt) ersten Klaviertrio ein neues folgen liess. Es waren sogar zwei geplant, doch ist das gleichzeitig in Bad Ischl begonnene Es-dur-Fragment verschollen. Dem umfangreichen Opus 8 von 1854 mit seiner Demonstration gelehrten kompositorischen Könnens und emotionalen Übersteigerungen stellte er nun ein knapperes, konzentriertes Werk gegenüber. Die vier Sätze des op. 87 dauern nur wenig länger als die beiden ersten der Erstfassung von op. 8. Gleichwohl stehen im 1880 entstandenen Kopfsatz den beiden Hauptthemen nicht weniger als sechs Nebengedanken gegenüber, was den ersten Brahms-Biographen nach dessen Tod, Heinrich Reimann, 1897 zur Kritik veranlasst hat, es seien «etwas heterogene Stimmungen aneinandergeschweisst». Die drei übrigen Sätze kamen erst 1882 dazu. Das Andante in a-moll ist ein Variationensatz über ein pathetisches Thema mit magyarischem Einschlag. Auf das spukhafte, von einem klangvollen Trio unterteilte Scherzo folgt ein helles, oft geistreich-witziges Finale in Form eines Sonatensatzes. Clara Schumann war ganz begeistert: «Welch ein prachtvolles Werk ist das wieder! Wie vieles entzückt mich darin, und wie sehnsüchtig bin ich, es ordentlich zu hören. Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich sind die Durchführungen, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen! – Wie reizend ist das Scherzo, dann das Andante mit dem anmutigen Thema, das eigentümlich klingen muss in der Lage der doppelten Oktaven, ganz volkstümlich!» Die Uraufführung fand am 29. Dezember 1882 mit Mitgliedern des Joachim-Quartetts und dem Komponisten am Klavier in Frankfurt statt, nur knapp drei Wochen, nachdem Brahms seinen «Gesang der Parzen» in Basel zur Uraufführung gebracht hatte.

(zu Dvorák, Klaviertrio Nr. 4, e-moll, op. 90 «Dumky», B 166)

Dvoøák bezeichnete sein 4. Klaviertrio nicht eigentlich als solches, sondern nannte es "Dumky für Klaviertrio", so als wollte er die ungewöhnliche Form rechtfertigen. Das tönt ja wie "Slawische Tänze für Klavier zu vier Händen" Und tatsächlich war ihm die ursprüngliche ukrainische Tanzform der Dumka, vergleichbar dem ungarischen Csardas in einen langsamen und einen schnellen Teil gegliedert, das Wichtige. Mag äusserlich durch die attacca zu spielenden drei ersten Dumky eine scheinbar konventionelle Viersätzigkeit gewahrt bleiben, so zeigen doch die Einzelformen, etwa das Fehlen eines Sonatensatzes, dass Dvoøák hier originell mit anderen Gestaltungen experimentierte. Die Dumka-Form ist denn auch nicht etwa streng durchgehalten, sondern die reine Tanzform ist den Bedürfnissen eines Kammermusikwerkes gewichen. Es überrascht, wie trotz der scheinbar lockeren Folge von Sätzen, zu der eine auf den ersten Blick völlig uneinheitliche Tonartenfolge (1. e-moll / 2. cis-moll und Cis-dur / 3. A-dur / 4. d-moll mit Wechsel von F-dur und D-dur in den schnellen Abschnitten / 5. Es-dur / 6. c-moll und C-dur) tritt, eine grosse Geschlossenheit das Werk überspannt. Es handelt sich also nicht etwa um eine mehr oder weniger unverbindliche Folge wie wohl doch bei den "Slawischen Tänzen", bei der man sehr gut Einzelstücke herauslösen kann, sondern um ein sorgfältig durchkomponiertes Ganzes. So steigern sich die Dumky hin zum Höhepunkt des Schlusssatzes, der sich zudem selber strettaartig zum krönenden Abschluss aufschwingt.