Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

76

15.11.1935, 20:15 Uhr ( 10. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Busch-Serkin-Trio

Busch, Adolf, Violine
Busch, Hermann, Violoncello
Serkin, Rudolf, Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 3, B-dur, KV 502 (1786)

Allegro
Larghetto
Allegretto

Adolf Busch
1891-1952

Klaviertrio a-moll, op. 48

Allegro appassionato
Adagio
Scherzo (Presto)
Allegro moderato ma con spirito

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio» (1811)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Andante cantabile (ma però con moto) –
Allegro moderato – Presto

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio»)

Die Werke, die Beethoven seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete (5. Klavierkonzert, Hammerklaviersonate, Missa solemnis, etc.) zeichnen sich durch eine besondere Grösse und Bedeutung aus und bilden nicht selten den Höhepunkt der jeweiligen Gattung. Dies ist beim "Erzherzog-Trio" nicht anders. Nicht nur die Länge des Werkes, sondern auch seine Themengestaltung zeigt Weite und gleichsam würdevollen Ernst. Und doch liegt über dem Ganzen eine "poetisch-klangschöne" Farbe, die auch der benachbarten und ebenfalls dem Erzherzog gewidmeten Violinsonate op. 96 eigen ist. Das Klavier dominiert zwar – ganz neu ist der Soloeinsatz zu Beginn mit dem weitgespannten Hauptthema, und erst noch im dolce – wirkt aber nicht solistisch-virtuos, sondern gibt dem Klangbild einen sinfonischen Zug. Den Kopfsatz prägt weniger eine kontrastierende Dualität der Themen (es sind letztlich drei) als eine gewisse Verwandtschaft. Die motivische Arbeit bezieht ihr Material vor allem aus den ersten vier Tönen und dem Trillermotiv des Hauptthemas. Das eher kurze Scherzo steht – wie später in der 9. Sinfonie – an zweiter Stelle und lässt Raum für das dem Kopfsatz in der Länge entsprechende Adagio, einen kantablen Variationensatz in D-dur. Auf vier Variationen folgt als fünfter Teil eine gedehnte Coda, die Durchführungselemente aufweist. Attacca schliesst das tänzerische, überraschungsreiche Final-Rondo an, das in einer Presto-Stretta endet.

«Als wollte Beethoven darauf aufmerksam machen, dass sich das Klavier im Klaviertrio nicht nur den Streichern unterzuordnen habe, lässt er das B-dur-Trio op. 97 mit dem Klavier allein beginnen, was er nie zuvor gewagt hatte. Allerdings forderte er vom Klavier ein dolce. Das Werk scheint die Summe der Klaviertrio-Komposition bei Beethoven darzustellen - in der Fülle der kompositorischen Gedanken, der Kraft des Emotionellen und in der Ausgeglichenheit des Klangbildes wie der Formfügung. Die Tatsache, dass Beethoven dieses Werk seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete, trug ihm den an sich nichtssagenden Titel Erzherzogtrio ein» (W.-E. von Lewinski im Beiheft zur CD-Neuausgabe sämtlicher Beethoven-Trios mit dem frühen Beaux Arts Trio). Immerhin ist der Titel des Werkes würdig, und er stellt es zu Recht im Anspruch auf die gleiche Stufe wie die ebenfalls dem Erzherzog gewidmete Missa Solemnis, die Hammerklaviersonate oder die Grosse Fuge.

(zu Mozart, Klaviertrio Nr. 3, B-dur, KV 502)

Mozart hat sein B-dur-Trio am 18. November, wenige Tage vor dem C-dur-Klavierkonzert KV 503 und der Prager Sinfonie vollendet. Es gehört in eine Phase bedeutendster Werke. Auch der Auftrag für den Don Giovanni zu Beginn des Jahres 1787 ist nicht weit entfernt. In der Tat ist das Trio von einer Konzeption, die es zum wohl modernsten seiner Zeit macht. Das Cello ist wenigstens zeitweise aus der Rolle der Verdoppelung des Klavierbasses herausgelöst. Im Kopfsatz geht Mozart recht frei mit der Form um: Der Sonatensatz ist in der Exposition monothematisch gehalten; eine Art Seitenthema erscheint erst zu Beginn der Durchführung in der Violine, dann im Klavier und Cello. Den chromatisch gefärbten Kopf des Hauptthemas trägt das Klavier zunächst in Terzen, dann in Sexten vor; dazwischen wirft die Violine ein kurzes Motiv ein, das später vom Klavier aufgenommen wird. Im Larghetto stellt das Klavier solo das Thema vor. Es dominiert, nur zeitweise von der Violine abgelöst, auch den Rest des Satzes. Das Finalrondo lässt dem Klavier noch mehr Spielraum, so dass beinahe ein Klavierkonzert daraus wird, wie überhaupt das ganze Trio in vielem an das B-dur Konzert KV 450 (1784) erinnert.