Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

769

19.10.2004, 20.15 Uhr (Zyklus A 79. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Amati Quartett (Basel)
Christoph Schiller, Viola

Zimmermann, Willi, Violine 1
Kurtikian, Anahit, Violine 2
Corti, Nicolas, Viola
Herrmann, Claudius, Violoncello

Schiller, Christoph, Viola

Das Amati Quartett formierte sich 1981 und erhielt schon im folgenden Jahr den 1. Preis am Wettbewerb in Evian. 1986 folgte der 1. Preis im Karl-Klingler-Wettbewerb in München. Geprägt wurde es durch die Zusammenarbeit mit dem Alban Berg Quartett, dem Amadeus Quartett und mit Walter Levin. Neben dem klassischen und romantischen Repertoire liegt dem Ensemble einerseits vergessene oder wenig bekannte Musik des 20. Jahrhunderts, andererseits vor allem die neueste Musik unserer Zeit am Herzen. In unseren Konzerten hat es Kelterborns 5. Quartett (1990) (liegt auch auf CD vor), Isang Yuns 6. Quartett (1992), Bettina Skrypczaks Nr. 3 (1994), Flammers "Phasenweise still und ohne Grenze" (mit Vibraphon) und 1998 Jacques Wildbergers Streichquartett zur Uraufführung gebracht. Es ist also seit Jahren nicht nur regelmässiger Gast in unseren Konzertreihen, sondern ist dabei zu dem Uraufführungsquartett unserer Konzerte geworden, auch wenn heute alles klassische Werke zur Aufführung gelangen. Auf CD liegen u.a. die Quartette op. 50 von Joseph Haydn vor, die das Quartett am 29. und 30. Januar 2001 in unseren Konzerten auch live vorgeführt hat. Besonders gerühmt wurde das Amati Quartett für seine Aufnahme der Bartók-Quartette.

Christoph Schiller, Viola

Christoph Schiller ist einer der bedeutendsten Schweizer Musiker und als Bratscher geradezu eine Institution. Er war und ist Mitglied verschiedener Schweizer Streichquartette. Letztmals ist er mit dem Aria Quartett 2001 in unseren Konzerten aufgetreten. Immer wieder spielt er zusammen mit anderen Kammermusikformationen und mit bedeutenden Solisten (so im vergangenen Sommer in Salzburg u.a. mit Marta Argerich und Misha Maisky). Er unterrichtet an der Musikhochschule Basel.

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquintett Nr. 1, A-dur, op. 18 (1826)

Allegro con moto
Intermezzo: Andante sostenuto
Scherzo: Allegro di molto
Allegro vivace

Anton Webern
1883-1945

Sechs Bagatellen für Streichquartett, op. 9 (1911/13)

Mässig
Leicht bewegt
Ziemlich fliessend
Sehr langsam
Äusserst langsam
Fliessend

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquintett Nr. 5, D-dur, KV 593 (1790)

Larghetto (in Mozarts Verzeichnis: Adagio) – Allegro
Adagio
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro

In unserem Minischwerpunkt mit frühen Streicherwerken Mendelssohns (op. 18, 13, und 12) kommt das 1. Streichquintett zur Aufführung. Die zwei Quintette sind im Vergleich zu den Quartetten oder zum Oktett selten zu hören, erst recht das erste. Es steht zwischen jenem (1825) und dem ersten gültigen Quartett (op. 13, 1827), wurde aber später ganz überarbeitet. Insbesondere ersetzte Mendelssohn nach dem Tod seines Freundes und Lehrers Eduard Rietz im Januar 1832 das bisherige Menuett: „Ich habe ein grosses Adagio componirt in das Quintett hinein als Intermezzo. Es heisst ‚Nachruf’ und ist mir eingefallen, wie ich eben Etwas für [den französischen Geigenvirtuosen] Baillot componiren musste, der so schön spielt.“ Die übrigen Sätze sind stark geprägt von fugierten Passagen „im alten Stil“, die mit dem eigenen Stil, etwa dem eines Liedes ohne Worte wie im 1. Satz oder mit dem typischen Scherzostil verbunden werden. Ein Musterbeispiel ist das Scherzo, das die aus der Sommernachtstraum-Ouvertüre (1826) bekannten Elemente scheinbar streng als Fuge ge-staltet, aber sehr wohl frei damit umgeht und mehr das Kobold- oder Elfenhafte betont, das in dieser Form besonders originell zur Geltung kommt. (Es sei daran erinnert, dass schon das Jugendquartett von 1823 mit einer Fuge schliesst und dass 1827 eine isolierte Quartettfuge, heute op. 81/4, entstand.)

1932, zwanzig Jahre nach der Entstehung, sagte Webern über seine Sechs Bagatellen: „Ungefähr 1911 habe ich die ‚Bagatellen für Streichquartett’ (op. 9) geschrieben, lauter kurze Stücke, die zwei Minuten dauern; vielleicht das Kürzeste, das es in der Musik bisher gegeben hat. Ich habe dabei das Gefühl gehabt: Wenn die zwölf Töne abgelaufen sind, ist das Stück zu Ende. Viel später bin ich daraufgekommen, dass das alles im Zuge der notwendigen Entwicklung war. Ich habe in meinem Skizzenbuch die chromatische Skala aufgeschrieben und in ihr einzelne Töne abgestrichen. - Warum? - Weil ich mich überzeugt hatte: der Ton war schon da. - [...] Mit einem Wort: es bildete sich eine Gesetzmässigkeit heraus: Bevor nicht alle zwölf Töne drangekommen sind, darf keiner von ihnen wiederkommen. Das Wichtigste ist, dass das Stück - der Gedanke - das Thema durch die einmalige Abwicklung der zwölf Töne einen Einschnitt bekommen hat.“ Es muss aber gleich gesagt sein, dass es bis zu Schönbergs Veröffentlichung der Zwölftontheorie (1923) noch zwölf Jahre dauern sollte und dass Webern offensichtlich in diesem Rückblick seinen eigenen Anteil daran nachweisen wollte!

Wenn es berühmte Streichquartette (mit Bratsche) gibt, so sind es die Mozarts. Allerdings weisen auch hier nicht alle den gleichen Bekanntheitsgrad auf. KV 593 etwa steht zwar eindeutig hinter KV 515 und 516 zurück, nicht aber in der Kunst. Schon Haydn zeigte sich anlässlich des gemeinsamen Musizierens dieses im Dezember 1790 entstandenen Quintetts mit Mozart stark beeindruckt; er hat sogar die Wiederaufnahme der langsamen Einleitung nach der Reprise in seine kurz danach in London komponierte Sinfonie Nr. 103 übernommen. Die kontrapunktische Arbeit, selbst im Menuett und im Finale, machen neben der klanglichen Schönheit und der Themenerfindung den Rang dieses Werkes aus, das man nicht selten mit der Jupiter-Sinfonie verglichen hat. Artaria gibt in der Erstausgabe vom Mai 1793, bestätigt durch eine gleichzeitige Zeitungsannonce, an, das Werk sei (wie KV 614) „komponiert für einen ungarischen Liebhaber“ - man glaubt ihn im reichen Tuchhändler und virtuosen Geiger Johann Tost, dem Haydn zwölf seiner Quartette gewidmet hat, gefunden zu haben. Tost war ein Logenbruder Mozarts gewesen.

rs