Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

775

25.1.2005, 20.15 Uhr (Zyklus A 79. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Brentano String Quartet (Princeton)

Steinberg, Mark, Violine 1
Canin, Serena, Violine 2
Amory, Misha, Viola
Lee, Nina, Violoncello

Schon bald nach seiner Gründung im Jahre 1992 wurde das Brentano String Quartet für seine technische Brillanz, seine Musikalität und stilistische Eleganz gerühmt. Neben einer Reihe anderer Preise gewann es den Cleveland Quartet Award, den Naumburg Chamber Music Award (1995) und den 10. Martin E. Segal Award. Sein Europadebüt war 1997 in London mit einer weiteren Preisverleihung der Royal Philharmonic Society verbunden. 1999 wurde es das erste Quartet in residence an der Universität Princeton; von 1995-2003 übte es diese Funktion auch an der New York University aus, zudem 2000/01 an der Wigmore Hall in London. Das Brentano Quartett ist mit der Pianistin Mitsuko Uchida in Amsterdam, Washington, New York, in Europa und Japan aufgetreten. Mit Jessye Norman gab es eine Zusammenarbeit in der Carnegie Hall (1998) und im Theater von Epidauros. Weitere Auftritte in aller Welt und bei zahlreichen Festivals hier aufzuführen erübrigt sich. Seinen Namen hat das Quartett nach Antonie Brentano gewählt, die einer Hypothese zufolge Beethovens «unsterbliche Geliebte» gewesen war. Das Quartett pflegt aber nicht nur das klassische und romantische Repertoire, wie man aus dieser Namenswahl erschliessen könnte, sondern auch die Moderne. Mehrere Komponisten haben Werke für das Ensemble geschrieben. Um sein zehnjähriges Bestehen zu feiern, hat es bei zehn Komponisten kurze Begleitstücke zu Bachs Kunst der Fuge in Auftrag gegeben. An Platteneinspielungen liegen vor: Haydn op. 71 und Werke von Bruce Adolphe und Steven Mackey.

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 18, A-dur, KV 464 (1784/85)

Allegro
Menuetto – Trio
Andante
Allegro (non troppo)

Anton Webern
1883-1945

Streichquartett Nr. 1, op. 28 (1938)

Mässig
Gemächlich
Sehr fliessend

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 15, a-moll, op. 132 (1825)

Assai sostenuto – Allegro
Allegro, ma non tanto
Heiliger Dankgesang eines Genesenen, in der lydischen Tonart: Molto adagio –
Neue Kraft fühlend: Andante –
Mit innigster Empfindung: Molto adagio
Alla Marcia, assai vivace – Più allegro – Allegro appassionato – Presto

Die 1782 begonnene, nur langsam voranschreitende Folge von sechs Quartetten schloss Mozart zu Beginn des Jahres 1785 rasch ab: Am 10. Januar trug er das A-dur-Quartett, vier Tage später das Dissonanzen-Quartett in sein Werkverzeichnis ein. Bereits am 15. Januar fand die berühmte Aufführung vor Freunden, darunter Haydn, statt. Spätestens zu Beginn des Jahres 1785 muss Mozart auch den Plan gefasst haben, die Quartette Haydn zu widmen. KV 464 ist wohl das am feinsten gearbeitete Mozart-Quartett und in einem so eindeutigen Personalstil gehalten, dass man keinen Takt Haydn zuweisen könnte. Die Qualität liegt weniger im Reiz der Themen als in ihrer sorgfältigen Verarbeitung und polyphonen Dichte - und darüber liegt typisch mozartsche Anmut. Höhepunkt dürfte das Andante sein, der einzige Variationensatz in den sechs Haydn-Quartetten. Das Thema ist kein populäres Lied wie bei Haydn oder Schubert, sondern ein höchst klassisches. Originell ist das in der 6. Variation auftauchende und in der Coda dominierende Ostinato-Motiv im Cello. Beethoven schätzte dieses Quartett besonders und fertigte eigenhändig eine Kopie des kunstreichen Finale an.

Am 3. Februar 1937 meldet Webern an Hildegard Jone: «Ich bin bei einem Streichquartett», am 2. September «Ich bin gerade...zu einem wesentlichen Einschnitt in meiner Arbeit gekommen: der 1. Satz...ist fertig geworden.» Im Dezember erfahren wir, dass die Mäzenin Elizabeth Sprague Coolidge, die so viele Kammermusikwerke veranlasst hat, dank der Anregung Rudolf Kolischs auch ein Streichquartett von Webern wünschte. Webern kam dies bei seiner langsamen Arbeitsweise gelegen. Am 9. Februar 1938 meldet er die Beendigung des 2. und am 15. April des 3. Satzes - also über ein Jahr Arbeit für ein Werk von knapp neun Minuten Dauer, was ein Bild der verdichteten Arbeit des Komponisten vermittelt! (Webern rechnete allerdings in seinem Brief vom 19.4. an Kolisch, den Primarius des Uraufführungsquartetts, mit 20 Minuten.) Zur Charakterisierung sagt er: «Freilich ist es wieder Lyrik geworden.» Grund- und Kopfmotiv der Zwölftonreihe ist das B-A-C-H-Motiv, das rein strukturell, nicht melodisch behandelt wird.

In Beethovens op. 132 bildet der langsame Satz Zentrum und Hauptaussage des Werks. Nicht nur die Länge, auch die religiös motivierte Umschreibung der Bedeutung hebt ihn hervor. Der Dankgesang ist trotz seinen «himmlischen Längen» einfach gebaut: Er beginnt mit einer choralartigen Melodie. Ihre Phrasen folgen einander jeweils halbtaktig in 4stimmigem Satz. Der Choralteil wird von einem leichteren Andante in D-dur abgelöst, das mit «Neue Kraft fühlend» überschrieben ist. Es nimmt im weiteren Verlauf tänzerisch-heitere Züge an. Die beiden Teile werden wiederholt - der Choral wird variiert, das Andante bleibt weitgehend unverändert. Eine 3. Choralstrophe führt «mit innigster Empfindung» den Satz zu Ende, der so eine Art Rondoform erhält. Der erste Satz beginnt mit einer Einleitung, welche ausgehend vom Cello jenes Viertonmotiv in je einem auf- und absteigenden Halbtonschritt (gis - a / f - e) einführt, das als Klammer die drei grossen der späten Beethovenquartette verbindet. Schon das Hauptthema des Kopfsatzes stellt es ins Zentrum und im Finalthema taucht es versteckt wieder auf.

rs