Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

781

4.11.2005, 19.30 Uhr (Zyklen A+B 80. Saison)
Stadtcasino, Musiksaal

In Zusammenarbeit mit der AMG Basel

Frank Peter Zimmermann/Heinrich Schiff/Christian Zacharias

Zimmermann, Frank Peter, Violine
Schiff, Heinrich, Violoncello
Zacharias, Christian, Klavier

Geboren 1965 in Duisburg begann Frank Peter Zimmermann im Alter von fünf Jahren mit dem Geigenspiel und gab bereits mit zehn sein erstes Konzert mit Orchester. Im November 2005 feiert er somit sein dreissigjähriges Bühnenjubiläum. Nach Studien bei Valery Gradow, Saschko Gawriloff und Hermann Krebbers setzte 1983 sein kontinuierlicher Aufstieg zur Weltelite ein. Frank Peter Zimmermann gastierte bei allen wichtigen Festivals und bei allen berühmten Orchestern und Dirigenten in der Alten und Neuen Welt. Neben diesen zahlreichen Orchesterengagements ist er regelmässig in Kammermusikkonzerten auf den grossen Podien der Welt zu hören. Seine Interpretationen des Repertoires aus der Klassik, Romantik und dem 20. Jahrhundert gewinnen immer wieder grossen Zuspruch bei Presse und Publikum. Während seiner Zeit als Exklusiv-Künstler von EMI-Classics hat Frank Peter Zimmermann von Bach bis Berg alle grossen Violinkonzerte auf CD eingespielt. Besonderes Aufsehen erregte seine Aufnahme der sechs Solosonaten von Eugène Ysaÿe, die unter anderem den „Grand Prix du Disque“ und den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ erhielt. Eine aktuelle Einspielung für das Label Sony mit dem Violinkonzert und der Violinsonate von Busoni erschien im Juli 2005. 1990 erhielt Frank Peter Zimmermann den „Premio del Accademia Musicale Chigiana“ in Siena, 1994 den „Rheinischen Musikpreis“ und 2002 den Musikpreis der Stadt Duisburg. Der Künstler spielt eine Stradivari aus dem Jahr 1711, die einst dem grossen Geiger Fritz Kreisler gehörte. Das Instrument wird ihm freundlicherweise von der WestLB AG zur Verfügung gestellt.

Heinrich Schiff – geboren 1951 – begann im Alter von sechs Jahren Klavier zu spielen, mit zehn Violoncello. Nach seinem Studium bei Tobias Kühne und André Navarra debütierte er 1971 in Wien und London. Er machte sich rasch einen Namen als grossartiger Solist, der mit bedeutenden Orchestern und ebensolchen Dirigenten, zu denen Michael Gielen, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons oder Kurt Masur zählen, in Europa, Japan und den USA sowohl klassische als auch zeitgenössische Kompositionen spielte. Auch wirkte er bei der Uraufführung vieler Werke bedeutender Komponisten der Neuzeit mit. Während des Studiums stand das Cello eindeutig im Mittelpunkt, aber als Sohn komponierender Eltern und beeinflusst durch sein zweites Instrument Klavier verfolgte Heinrich Schiff über das Cellospiel hinausgehende musikalische Interessen – zunächst hospitierte er in der Dirigentenklasse Swarowskis. Zwar widmete er sich auch nach dem Studium zehn Jahre lang immer noch fast ausschliesslich dem Cello, doch gewann das Dirigieren durch Workshops und die Arbeit mit Jugendorchestern zunehmend an Bedeutung in Heinrich Schiffs künstlerischen Aktivitäten. 1986, als es zu den ersten Dirigaten mit professionellen Orchestern kam, standen befreundete Dirigenten mit ernsthafter Beratung und Betreuung zur Seite. Von der Dresdner Staatskapelle über die Münchner Philharmoniker bis zum Los Angeles Philharmonic Orchestra leitete Heinrich Schiff eine Vielzahl von Orchestern und war unter anderem von 1995 bis 2001 Chefdirigent des Musikkollegiums Winterthur. Heute nehmen Cellospielen und Dirigieren einen gleichberechtigten Raum innerhalb seiner Konzerttätigkeit ein.

Christian Zacharias sagt über sich selbst: „Ich wurde am 27. April 1950 in Jamshedpur (Indien) als Sohn eines Ingenieurs geboren. 1952 kehrte meine Familie nach Deutschland zurück und liess sich in Karlsruhe nieder, wo ich zur Schule ging und mit sieben Jahren meinen ersten Klavierunterricht erhielt. Mein Musiklehrer erkannte meine Begabung und ermöglichte mir, ab 1961 bei der russischen Pianistin Irene Slavin an der Musikhochschule Karlsruhe zu studieren. Noch während meiner Schulzeit beendete ich meine Kurse in Musiktheorie, sodass ich ein Jahr nach jener Zeit auch meine musikalischen Studien als Musiklehrer und Konzertpianist abschloss. Ich studierte weiter bei Vlado Perlemutter in Paris und nahm an Wettbewerben teil. Dies wurde mit je einem zweiten Preis in Genf und am Van Cliburn-Wettbewerb in den USA sowie mit dem ersten Preis beim Ravel-Wettbewerb in Paris belohnt. So bin ich seit 1975 in der Lage, als Konzertpianist zu leben und meine Karriere hat mich zu praktisch allen bedeutenden Orchestern in der ganzen Welt geführt. Neben CD-Aufnahmen hatte ich öfters Auftritte im Rundfunk und Fernsehen und trat regelmässig als Moderator in Musiksendungen auf, vor allem bei France Musique. Seit 1990 machte ich bei drei Filmproduktionen mit: ‚Domenico Scarlatti‘, ‚Robert Schumann – der Dichter spricht‘ und ,Zwischen Bühne und Künstlerzimmer‘. Viel von meiner Zeit ist der Kammermusik und der Arbeit mit Orchestern gewidmet. Seit 1992 dirigiere ich regelmässig und seit September 2000 bin ich künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne.“

Franz Schubert
1797-1828

Klaviertrio Nr. 1, B-dur, op. 99, D 898 (1828 ?)

Allegro moderato
Andante un poco mosso
Scherzo. Allegro – Trio
Rondo: Allegro vivace

Klaviertrio Nr. 2, Es-dur, op. 100, D 929 (1827)

Allegro
Andante con moto – Un poco più lento
Scherzando: Allegro moderato – Trio
Allegro moderato

(zu Schubert, Klaviertrio Nr. 1, B-dur, op. 99, D 898)

Das Trio op. 99 - Schubert hat die Opuszahlen der beiden Trios noch selbst vergeben - ist eines der beliebtesten und schönsten Instrumentalwerke Schuberts, obwohl manche das Trio op. 100 vorziehen. Es wirkt scheinbar problemlos, pendelt zwischen Energie (gleich zu Beginn) und melodischer Lyrik (im Andante), zwischen lockerer Heiterkeit (Scherzo) und wienerischem Charme (Finale) hin und her - und passt so gut in eines der zahlreichen Schubert-Klischees: Schubert, der ohne Reflexion und wo möglich ohne völlige Beherrschung der strengen Form naiv-heiter und ohne Schwierigkeiten Meisterwerke schafft, doch am stärksten in der lyrischen Kleinform des Liedes volle Meisterschaft erreicht. Dass Schubert im Spätwerk gerade im Formalen bewusst eigene, andere Wege als die Vorbilder ging, hat die neuere Forschung klar erwiesen. So hat er seine eigene Frage, wer nach Beethoven noch etwas zu machen vermöge, selber beantwortet, gerade in der formalen Vielfalt, der Andersartigkeit der Themengestaltung und deren Verarbeitung, d.h. in der nicht selten bewussten Abkehr vom übermächtigen Vorbild. So wirkt auch das B-dur-Trio äusserlich klassisch, im Detail steckt es aber voller Überraschungen.

(zu Schubert, Klaviertrio Nr. 2, Es-dur, op. 100, D 929)

Bis heute ist die Abfolge der Entstehung von Schuberts Klaviertrios nicht klar. Das Es-dur-Trio wurde am 26. Dezember 1827 in einer Veranstaltung des Musikvereins erstmals gespielt; kurz davor dürfte es entstanden sein. Verschiedene Themen sollen durch schwedische Lieder angeregt sein. Schubert hat sie im November 1827 im Hause der Schwestern Fröhlich gehört, als dort der schwedische Sänger I.A. Berg solche Lieder vortrug. Der Nachweis ist allerdings erst für den zweiten Satz gelungen, in dem das Lied "Se solen sjunker" anklingt. Das Es-dur-Werk wirkt noch geschlossener als op. 99; zwischen allen Sätzen bestehen feinste thematische Bezüge. Der Kopfsatz ist aus drei Themen gebaut; das zweite in h-moll wird in der Durchführung verarbeitet. Im Andante trägt das Cello das in der Stimmung an die Winterreise erinnernde Liedthema vor. Es wird im umfangreichen, für die Erstausgabe um 98 Takte gekürzten Finale wieder aufgegriffen.