Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

79

14.2.1936, 20:15 Uhr ( 10. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Busch-Quartett

Busch, Adolf, Violine 1
Andreasson, Gösta, Violine 2
Doktor, Karl, Viola
Busch, Hermann, Violoncello

Fritz Brun
1878-1959

Streichquartett G-dur

Allegro moderato
Adagio sostenuto
Tempo d’un menuetto quieto
Allegro vivace

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichtrio Nr. 5, c-moll, op. 9, Nr. 3 (1796/98)

Allegro con spirito
Adagio con espressione
Scherzo: Allegro molto e vivace
Finale: Presto

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 73, F-dur, op. 74, Nr. 2, Hob. III:73 (1793)

Allegro spirituoso
Andante grazioso
Menuetto: Allegro
Finale: Presto

(zu Beethoven, Streichtrio Nr. 5, c-moll, op. 9, Nr. 3)

Beethovens fünf Streichtrios sind vor den Streichquartetten entstanden und gelten als Frühwerke. Man darf sie aber kaum vereinfachend nur als Vorstufe und Vorstudien zu den Quartetten erklären. Denn sie dokumentieren, angefangen mit dem rasch, besonders in England, erfolgreichen Trio op. 3 nach 1790 Beethovens Weg zu einer «neuen Musik». Während das fünfsätzige op. 3 und die Serenade op. 8 mit ihren typischen sechs Sätzen noch dem leichteren Genre zuzurechnen sind, so stehen die drei Trios des op. 9, die zwischen 1796 und 1798 entstanden sein dürften, für eine Neuorientierung. Wie bei den Klaviertrios des Opus 1 stellt Beethoven das bedeutendste Stück, beide in c-moll, ans Ende der Trias. Fortschrittlich wie das c-moll-Klaviertrio, das Haydn so irritiert hat, ist auch das Streichtrio ungewöhnlich und kann durchaus mit den Quartetten op.18 auf eine Stufe gestellt werden. Es ist das subjektivste und leidenschaftlichste der Werkgruppe. Im Unisono der drei Instrumente eröffnet ein auf viel Späteres (Streichquartette opp. 130, 131, 132) vorausweisendes absteigendes Viertonmotiv c – h – as – g crescendo das ausgedehnte Hauptthema des Kopfsatzes, eines düster-dramatischen Allegro con spirito. Im Adagio fesselt neben der schönen Melodik die reiche Fülle der harmonischen Wechsel, während das Scherzo durch seine ungestüme, teilweise synkopierte Rhythmik vorwärts drängt; das leise Trio steht zwar in C-dur, wirkt aber keineswegs hell oder heiter. Das stürmische, Rondo und Sonatensatz verbindende Finale steigert sich, im Piano beginnend, zu immer neuen Spannungen, schliesst dann aber nach einer ff-Passage wie das c-moll-Klaviertrio des op. 1 überraschend in C-dur und im Pianissimo.

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 73, F-dur, op. 74, Nr. 2, Hob. III:73)

Haydns Apponyi-Quartette sind die ersten für den grossen Konzertsaal geschriebenen Streichquartette. Was Haydn bereits in den für London komponierten Sinfonien gelungen ist, überträgt er hier auf die Kammermusik. Besonders das F-dur-Quartett hat, wie zu Beginn hörbar, sinfonischen Charakter: Ein achttaktiges Unisono-Signal eröffnet das Werk; daraus wird das Thema des monothematischen Kopfsatzes entwickelt. Das Andante gibt sich als unkomplizierte Variationenfolge (3 Variationen und Coda). Im Menuett kontrastiert das zarte Trio in Des-dur mit dem Ernst des Hauptteils. Grandios auftrumpfend das Finale: ein Sonatenrondo ohne Wiederholung, das unverkennbar zu Beethoven hinführt. Die lange Coda kulminiert fortissimo auf einem Orgelpunkt, bevor das Hauptthema nochmals auftritt und den Satz rasch zu Ende führt.