Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

800

6.2.2007, 20.15 Uhr (Zyklus A 81. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Baiba Skride/Lauma Skride/Sol Gabetta

Skride, Baiba, Violine
Gabetta, Sol, Violoncello
Skride, Lauma, Klavier

Baiba Skride – «Der neue Star am Violin-Himmel» jubelte die Presse. Mit gerade zwanzig Jahren gewann die Lettin 2001 den Reine-Elisabeth-Preis in Brüssel. Mit vier Jahren hatte sie angefangen, Violine zu spielen. Die musikalische Begabung ist in ihrer Familie keine Überraschung: die Mutter ist Pianistin, der Vater Chorleiter. Mit 15 Jahren schickten sie die Eltern auf die Musikhochschule Rostock. Im selben Jahr spielte sie beim Eurovisionswettbewerb in Lissabon. Ihre ersten CDs erschienen 2005; die zweite umfasste Werke für Solovioline von Bach, Bartók und Ysaÿe. Sie musiziert mit renommierten Orchestern und Dirigenten, pflegt aber auch intensiv die Kammermusik mit verschiedenen Partnern und Partnerinnen. 2003 debütierte sie in den USA, 2004 in Salzburg. Sie spielt die Stradivari «Wilhelmj» von 1725, die ihr von der Nippon Music Foundation zur Verfügung gestellt wird.

Die in Argentinien als Tochter französisch-russischer Eltern geborene Cellistin Sol Gabetta studierte bei Ivan Monighetti und David Geringas. Obwohl Sol Gabetta ihrem Pass nach Argentinierin und Französin ist, wurde Basel, wo sie seit Jahren Konzerte gibt, zu ihrer neuen Heimat. 2004 brillierte sie als Gewinnerin des «Credit Suisse Group Young Artist Award» am Lucerne Festival mit den Wiener Philharmonikern unter Valery Gjergijev mit dem 2. Cellokonzert von Schostakowitsch. Dazu gewann sie Preise beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau und beim ARD-Wettbewerb in München. Eine ihrer wichtigsten Kammermusikpartnerinnen neben den Skride-Schwestern ist Patricia Kopatchinskaja.

Die Pianistin Lauma Skride erhielt ihre Ausbildung in Riga und Hamburg (Volker Banfield). Auf ihren Konzertreisen durch europäische und asiatische Länder tritt sie sowohl als Solistin als auch mit ihren Schwestern Baiba und Linda, die Bratschistin ist, auf. Im Sommer 2006 gab sie ihr Rezitaldebut bei den Salzburger Festspielen.

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 4, E-dur, KV 542 (1788)

Allegro
Andante grazioso
Finale: Allegro

Peteris Vasks
1946-

Episodi e Canto perpetuo für Klaviertrio (1985)

Crescendo
Misterioso
Unisono
Burlesca
Monologhi
Burlesca II
Canto perpetuo
Apogeo e Coda

Robert Schumann
1810-1856

Klaviertrio Nr. 2, F-dur, op. 80 (1847)

Sehr lebhaft – Nach und nach schneller
Mit innigem Ausdruck – Lebhaft
In mässiger Bewegung
Nicht zu rasch

Viermal Schumann in klassisch-romantischer und moderner Umgebung: Nr. 3

Die Programme der letzten vier instrumentalen Konzerte dieser Saison haben eine gemeinsame Linie: sie schliessen mit Schumann (überhaupt ein gewichtiger Schwerpunkt der Saison) und stellen ihm nach Klassik oder Romantik ein modernes Werk von bei uns noch nie aufgeführten Komponisten bzw. Komponistinnen gegenüber.

Unter Mozarts Klaviertrios nimmt das E-dur-Werk nicht nur in der Meinung Alfred Einsteins den Spitzenrang ein. Es ist unmittelbar vor den drei letzten Sinfonien entstanden und hält sehr wohl deren Rang. Auch die bei Mozart seltene Tonart gibt dem Stück besonderen Reiz. Die mehr konzertante Haltung, die das vorangehende B-dur-Trio KV 502 auszeichnete, ist nicht aufgegeben, nur noch subtiler in kammermusikalisches Zusammenspiel umgeformt. So übernehmen im Kopfsatz Klavier (Hauptthema, bei der Wiederkehr in den Streichern konzertierend untermalt) und die Streicher (Seitenthema) die Führung. Graziös und doch leicht schwermütig überrascht das Andante mit harmonischen Verschlingungen, bevor ein äusserlich spielfreudiges Finalrondo seine raffiniert gearbeitete Motivik mehr verbirgt als offenbart. Gegen Ende spielen die Streicher in effektvollen Oktavparallelen gegen das Klavier an, doch dann schliesst das Werk geradezu schwerelos-leicht.

Peteris Vasks wurde 1946 in Aizpute (Lettland) geboren. Er besuchte die Musikakademie in Riga und die Litauische Musikakademie in Vilnius, wo er bis 1970 ein Kontrabassstudium absolvierte. Von 1973 bis 1978 studierte er Komposition in Riga; von 1963 bis 1974 war Vasks Mitglied verschiedener Sinfonie- und Kammerorchester. Er hat archaisch-folkloristische Elemente der lettischen Musik in seine Kompositionen (darunter auch recht viel Kammermusik, u.a. vier Streichquartette) eingebracht. Seine Werke tragen meist programmatische Titel, die sich auf naturhafte Vorgänge beziehen; dabei geht es ihm um ein ästhetisches Ideal. Die wechselseitige Beziehung zwischen der Natur und dem Menschen, die Schönheit des Lebens und die drohende ökologische und moralische Zerstörung dieser Werte sind die Themen, die Vasks vornehmlich in seinen jüngsten Werken aufgreift und musikalisch gestaltet. 1996 wurde er zum «Main Composer» des Stockholmer Festivals für neue Musik ernannt und mit dem Herder-Musikpreis der Alfred Toepfer Stiftung ausgezeichnet. Dreimal erhielt er den Großen Musikpreis Lettlands. Seit 1994 ist er Ehrenmitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften. 2001 wurde ihm von der Königlich Schwedischen Musik-Akademie die Mitgliedschaft angetragen. Vasks lebt als freischaffender Komponist in Riga. Er schreibt zu seinem Olivier Messiaen gewidmeten, rund 26 Minuten dauernden Trio, dessen acht Sätze ohne Pausen zu spielen sind: «1985 schrieb ich mein Klaviertrio Episodi e Canto perpetuo. Es beschreibt eine schwere Reise durch Elend, Enttäuschung und Leiden der Liebe entgegen, die den Schwerpunkt des canto bildet.

Episodio I (crescendo): Die gleichmäßige dynamische Steigerung führt langsam zu einer spannungsvollen Atmosphäre.

Episodio II (misterioso): Blick auf die schlafende Erde in einer stillen Nacht

Episodio III (unisono): Maskierter Tanz vor dem Hintergrund einer phantastischen Landschaft

Episodio IV (burlesca I) beruht auf einem kraftvollen und aggressiven Thema; der kontrastierende Teil ist bitter ironisch.

Episodio V (monologhi): ein Versuch, das gesamte Geschehen zu erkennen und zu verstehen

Episodio VI (burlesca II): Die Bilder von Episode IV kehren mit gesteigerter Intensität und Aggressivität zurück; der düstere Höhepunkt des Werkes.

Satz VII (canto): Eine weit gespannte Melodie der Violine steht alleine, während der Höhepunkt verblasst. Sie wird vom Violoncello und anschließend durch beide Saiteninstrumente in Oktaven fortgeführt

Satz VIII (apogeo e coda): der emotionale Höhepunkt des Werkes. Violine und Cello singen in exponierter Tonlage, begleitet von weiträumigen Klavierakkorden. Die Intensität läßt gleichmäßig nach, der Klang wird immer weicher, heller und höher.»

Von den vier Klaviertrios Schumanns (das früheste von 1842 trägt den Titel Fantasiestücke) sind das leidenschaftliche d-moll-Werk (op. 63) und das F-dur-Trio im Jahre 1847 entstanden. Schumann komponierte beide hintereinander und sah sie als Schwesterwerke an, obwohl oder vielleicht gerade weil sie verschieden sind. Am 1. Mai 1849 schrieb Schumann an Carl Reinecke: «Das Trio ist von ganz anderem Charakter als das in D und wirkt freundlicher und schneller. Auf den Anfang des Adagio – und auf ein Allegretto (statt des Scherzo) freue ich mich immer, wenn es daran kommt.» Auch Clara Schumann war begeistert; sie schrieb ebenfalls 1849: «Es gehört zu den Stücken Roberts, die mich von Anfang bis zum Ende in tiefster Seele erwärmen und entzücken. Ich liebe es leidenschaftlich und möchte es immer und immer wieder spielen.» Das Werk wurde offenbar im Hause Schumann öfter gespielt, ehe es 1850 in Leipzig mit Clara am Klavier öffentlich uraufgeführt wurde. Der Kopfsatz weist drei Themen auf. Die Durchführung beginnt mit dem dritten; es zitiert unverkennbar das Eichendorff-Lied «Dein Bildnis wunderselig, hab ich im Herzensgrund» (op. 39/2). Auch das Adagio nimmt mit der Vortragsbezeichnung «Mit innigem Ausdruck» auf dieses Lied Bezug. Die Liedhaftigkeit setzt das Werk, das zunächst ganz frisch begonnen hatte, vom op. 63 ab. Dazu trägt auch bei, dass Schumann – wie er selber bemerkt – das Scherzo durch einen weiteren langsamen Satz, dem bei aller Komplexität das Tänzerische nicht abgeht, ersetzt.

rs