Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

87

19.1.1937, 20:15 Uhr ( 11. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Basler Streichquartett [1926-1947] (Basel)
Eduard Ehrsam, Klavier

Hirt, Fritz, Violine 1
Felicani, Rodolfo, Violine 2
Bertschmann, Albert, Viola
Wenzinger, August, Violoncello

Ehrsam, Eduard, Klavier

Joseph Haydn
1732-1809

Klaviertrio Nr. 45, Es-dur, Hob. XV:29 (vor 1797)

Poco Allegretto
Andantino ed innocentemente –
Finale: Allemande, Presto assai

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Duo für Violine und Viola Nr. 2, B-dur, KV 424 (1783)

Adagio
Allegro
Andante cantabile
Andante con Variazioni

Claude Debussy
1862-1918

Streichquartett g-moll, op. 10 (1893)

Animé et très décidé
Assez vif et bien rythmé
Andantino, doucement expressif
Très modéré – Très mouvementé et avec passion – Tempo rubato

Bohuslav Martinu
1890-1959

5 pièces brèves pour violon, violoncelle et piano (Klaviertrio Nr. 1), H. 193 (1930)

Allegro moderato
Adagio
Allegro
Allegro moderato
Allegro con brio

(zu Haydn, Klaviertrio Nr. 45, Es-dur, Hob. XV:29)

Die als letzte Dreier-Gruppe geschriebenen Trios Hob. XV:27–29 hat Haydn wie die drei letzten Klaviersonaten Therese Jansen gewidmet. Sie muss eine tüchtige Pianistin, aber auch musikalisch auf der Höhe gewesen sein. Die drei Trios zählen zu Haydns bedeutendsten und nehmen es mit wichtigsten Werken des Komponisten auf. Das Es-dur-Trio beginnt, wie dies jeweils auch in einem Werk der früheren Gruppen der Fall war, mit einem Variationensatz, der als eine Art Doppelvariation kunstvoll mit der Rondoform verknüpft wird. Darin fällt die Minore-Variation (Nr. 2) in es-moll auf. Das Ganze wirkt beinahe wie ein Fantasie. Das H-dur-Andantino mit seinem vom Klavier vorgestellten Hymnen-Thema geht nach einem Dominant-Sept-Akkord und Orgelpunkt attacca in den Schlusssatz über, der in der englischen Erstausgabe mit «in the German Style» überschrieben ist. Es handelt sich um eine Allemande, auf die auch die ländlerhaften Anklänge Bezug nehmen: ein kunstvoller Satz, der Scherzo und Sonatensatz verbindet.

(zu Debussy, Streichquartett g-moll, op. 10)

In den 1880er Jahren war Debussy begeistert von Wagners Musik und besuchte Bayreuth. Beeindruckt hat ihn lange der Parsifal, was sich auch in Pelléas et Mélisande niederschlägt. 1889, anlässlich der Pariser Weltausstellung, kam als weiteres Element die Musik des Fernen Ostens hinzu, die erstmals in Europa erklang. Wagners Klangwelt verband er mit exotischen Einfärbungen der Gamelan-Musik und mit ungewohnten Ganztonleitern – und schuf gleichwohl gerade im Streichquartett eine vollkommen französische Musik. Es ist im gleichen Jahr entstanden wie die ersten Skizzen zu Pelléas et Mélisande. Die vier Sätze sind alle aus dem Hauptthema des Kopfsatzes entwickelt, das mit den drei Tönen g–f–d beginnt. Dies geschieht aber nicht in Form der klassischen Durchführungstechnik, sondern indem derselbe Gedanke immer wieder mit exotischen Klängen und mit gleitenden Instrumentalfarben umspielt wird. Dazu kommt eine ungewohnte Rhythmik, die das Publikum der ersten Aufführung ebenso irritierte wie die neue Klanglichkeit. Besser erkannte der Komponistenkollege und Freund Paul Dukas die Bedeutung des Werks: «Alles darin ist klar und deutlich gezeichnet, trotz grosser formaler Freiheit. Debussy zeigt eine besondere Vorliebe für Verknüpfungen klangvoller Akkorde und für Dissonanzen, die jedoch nirgends grell, vielmehr in ihren komplexen Verschlingungen fast noch harmonischer als selbst Konsonanzen wirken; die Melodie bewegt sich, als schreite sie über einen luxuriösen, kunstvoll gemusterten Teppich von wundersamer Farbigkeit, aus dem alle schreienden und unstimmigen Töne verbannt sind.