Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

880

17.12.2013, 19.30 Uhr (Zyklus B 88. Saison)
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Beethoven Zyklus 2. Konzert: «Befreit! Bruch mit Haydn – Bruch mit der Zeit»

Trio Blacher/Hagen/Gerstein

Blacher, Kolja, Violine
Hagen, Clemens, Violoncello
Gerstein, Kirill, Klavier

Kolja Blacher, in Berlin geboren, ging 15-jährig an die Juilliard School of Music in New York, um bei Dorothy DeLay zu studieren. Nach Abschluss des Studiums bei Sándor Végh in Salzburg begann er eine Solokarriere, die ihn mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten zusammenführte. Von 1993 bis 1999 war er 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. 2003 holte ihn Claudio Abbado in der gleichen Funktion in sein Lucerne Festival Orchestra; er hatte sie zehn Jahre inne. Daneben pflegt er viele kammermusikalische Partnerschaften, insbesondere im festen Trio mit Clemens Hagen und Kirill Gerstein. Von 1999 bis 2009 hatte er eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, dann wurde er an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin berufen.

Clemens Hagen stammt aus einer Salzburger Musikerfamilie und begann im Alter von sechs Jahren Cello zu spielen. Er studierte am Mozarteum; später wechselte er ans Basler Konservatorium zu Heinrich Schiff. Seit 1981 spielt er mit seinen Geschwistern im Hagen Quartett und war mit diesem Ensemble mehrfach bei uns zu Gast. Als Solist gastiert Hagen bei bedeutenden Orchestern und unter grossen Dirigenten. Als Kammermusiker spielt er mit Musikern wie Gidon Kremer, Martha Argerich, Hélène Grimaud, Maurizio Pollini, Evgeny Kissin oder András Schiff zusammen. Auch Hagen war jahrelang Mitglied in Abbados Lucerne Festival Orchestra. Er spielt ein Cello von Antonio Stradivari von 1698.

Der Pianist Kirill Gerstein, 1979 im russischen Woronesch geboren, begann seine Ausbildung im Alter von drei Jahren und kam 14-jährig ans Berklee College in Boston. Später studierte er in New York, Madrid und Budapest. Er gewann 2001 den Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv. Sein Repertoire reicht von der Klassik bis zur Moderne und schliesst auch den Jazz mit ein. Gerstein gastiert bei grossen Orchestern und Festivals, gibt Soloabende in aller Welt und spielt Kammermusik mit Steven Isserlis, Emanuel Pahud, Kolja Blacher und dem Hagen Quartett. Seit 2007 lehrt er als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule. 2010 wurden ihm der «Gilmore Artist Award» und der «Avery Fisher Grant» verliehen.

Bereits 2007 hiess es anlässlich eines Konzerts des Trios bei den Salzburger Pfingstfestspielen in einer Kritik: «Die drei Musiker gönnten weder sich noch dem Publikum auch nur einen Moment geistiger Entspannung, in höchster Konzentration trieben sie die drei gehaltvollen Werke voran – mit dynamischer Frische, geistreichem Spielwitz und ausdrucksvollem Sentiment. Im Schubert-Trio gipfelten die überragenden Qualitäten jedes Einzelnen, der warm empfundene Geigenton Blachers, das zupackend präsente Cellospiel Hagens und der nuancenreiche, klare Anschlag Gersteins am Flügel. Kein einziger Moment von Zweifel daran kam auf, dass diese drei Musiker nicht berufene Botschafter der musikalischen Königsgattung Kammermusik wären.»

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 1, Nr. 3 (1793/94)

Allegro con brio
Andante cantabile con variazioni
Menuetto: Quasi Allegro – Trio
Finale: Prestissimo

Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1, F-dur, op. 5/1 (1796)

Adagio sostenuto – Allegro – Adagio – Presto – Tempo primo
Rondo. Allegro vivace

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2, g-moll, op. 5, Nr. 2 (1796)

Adagio sostenuto ed espressivo – Allegro molto più tosto espressivo
Rondo: Allegro

Trio Nr. 4, B-dur, für Klavier, Klarinette und Violoncello, op. 11 «Gassenhauertrio» (1798)

Allegro con brio
Adagio
Tema con variazioni: Allegretto – Allegro
(Über «Pria ch’io l’impegno» aus Weigls «L’amor marinaro»

(zu Beethoven, Trio Nr. 4, B-dur, für Klavier, Klarinette und Violoncello, op. 11 «Gassenhauertrio»)

Der Kopfsatz lebt von der Spannung zwischen Ernst und Heiterkeit, das Adagio zeigt Kantabilität. Das zeittypische Finale bereitete Beethoven später Sorgen, nicht etwa, weil es schlecht wäre, sondern für ihn nicht mehr zum Vorangehenden passte. Die raffinierten neun Variationen über eine aktuelle Opernmelodie aus Joseph Weigls kurz zuvor aufgeführtem „L’amor marinaro ossia Il corsaro“ kosten das Thema aus und führen von der ersten, wie üblich dem Klavier und der zweiten, den andern Instrumenten vorbehaltenen Variation hin zu einer virtuos-krönenden Coda.

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 1, Nr. 3)

Wer sich am Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2), doch trat er – es wirkt wie ein Kompromiss – 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Natürlich hatte er zuvor eine beträchtliche Anzahl von Kompositionen geschrieben; das op. 1 war auch nicht sein erster Beitrag zur Gattung Klaviertrio. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmt hat. Erstmals erklungen sind sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie laut Ries Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt, riet allerdings Beethoven, das c-moll-Trio nicht in Druck zu geben – was diesen eher verstimmte. Weshalb Haydn abriet, ist nicht klar. Für den Druck wurden die drei Trios nochmals überarbeitet. Mit seinem op. 1 hat Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig begründet. Er fügte gegenüber Haydn und Mozart an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch für Beethoven ist zudem, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht um ein Menuett handelt, obwohl die Bezeichnung noch so lautet. Das Stück in der „Beethoven-Tonart“ c-moll ist gewiss das dramatischste und fortschrittlichste der drei. Man hat mit ihr „Ausdrucksregionen des Düsteren, Tragischen und Wilden“ verbunden (A. Werner-Jensen). Diese gelten für den Kopfsatz, der sein Hauptthema erst nach einem unisono geführten Einleitungsmotto vorstellt, insbesondere in der Durchführung, und für das Finale. Doch werden sie im Kopfsatz durch das zweite Thema („dolce“) und dann durch die Variationen des Andante gleichsam entschärft. Auch das Scherzo spielt das Dämonische nicht aus; im Trio (C-dur) werden gar helle Töne angeschlagen. Auch der Schlusssatz wendet sich ganz am Ende wieder C-dur zu und endet pianissimo – gewiss eine Überraschung in einem beethovenschen c-moll-Werk.