Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

896

10.2.2015, 19.30 Uhr (Zyklus B 89. Saison)
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Beethoven Zyklus 5. Konzert: «Aufbruch – Durchbruch»

Trio Blacher/Hagen/Gerstein

Blacher, Kolja, Violine
Hagen, Clemens, Violoncello
Gerstein, Kirill, Klavier

Kolja Blacher, in Berlin geboren, ging 15-jährig an die Juilliard School of Music in New York, um bei Dorothy DeLay zu studieren. Nach Abschluss des Studiums bei Sándor Végh in Salzburg begann er eine Solokarriere, die ihn mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten zusammenführte. Von 1993 bis 1999 war er 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. 2003 holte ihn Claudio Abbado in der gleichen Funktion in sein Lucerne Festival Orchestra; er hatte sie zehn Jahre inne. Daneben pflegt er viele kammermusikalische Partnerschaften, insbesondere im festen Trio mit Clemens Hagen und Kirill Gerstein. Von 1999 bis 2009 hatte er eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, dann wurde er an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin berufen.

Clemens Hagen stammt aus einer Salzburger Musikerfamilie und begann im Alter von sechs Jahren Cello zu spielen. Er studierte am Mozarteum; später wechselte er ans Basler Konservatorium zu Heinrich Schiff. Seit 1981 spielt er mit seinen Geschwistern im Hagen Quartett und war mit diesem Ensemble mehrfach bei uns zu Gast. Als Solist gastiert Hagen bei bedeutenden Orchestern und unter grossen Dirigenten. Als Kammermusiker spielt er mit Musikern wie Gidon Kremer, Martha Argerich, Hélène Grimaud, Maurizio Pollini, Evgeny Kissin oder András Schiff zusammen. Auch Hagen war jahrelang Mitglied in Abbados Lucerne Festival Orchestra. Er spielt ein Cello von Antonio Stradivari von 1698.

Der Pianist Kirill Gerstein, 1979 im russischen Woronesch geboren, begann seine Ausbildung im Alter von drei Jahren und kam 14-jährig ans Berklee College in Boston. Später studierte er in New York, Madrid und Budapest. Er gewann 2001 den Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv. Sein Repertoire reicht von der Klassik bis zur Moderne und schliesst auch den Jazz mit ein. Gerstein gastiert bei grossen Orchestern und Festivals, gibt Soloabende in aller Welt und spielt Kammermusik mit Steven Isserlis, Emanuel Pahud, Kolja Blacher und dem Hagen Quartett. Seit 2007 lehrt er als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule. 2010 wurden ihm der «Gilmore Artist Award» und der «Avery Fisher Grant» verliehen.

Bereits 2007 hiess es anlässlich eines Konzerts des Trios bei den Salzburger Pfingstfestspielen in einer Kritik: «Die drei Musiker gönnten weder sich noch dem Publikum auch nur einen Moment geistiger Entspannung, in höchster Konzentration trieben sie die drei gehaltvollen Werke voran – mit dynamischer Frische, geistreichem Spielwitz und ausdrucksvollem Sentiment. Im Schubert-Trio gipfelten die überragenden Qualitäten jedes Einzelnen, der warm empfundene Geigenton Blachers, das zupackend präsente Cellospiel Hagens und der nuancenreiche, klare Anschlag Gersteins am Flügel. Kein einziger Moment von Zweifel daran kam auf, dass diese drei Musiker nicht berufene Botschafter der musikalischen Königsgattung Kammermusik wären.»

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Sonate für Klavier und Violine Nr. 6, A-dur, op. 30, Nr. 1

Sonate für Violine und Klavier Nr. 7, c-moll, op. 30, Nr. 2 (1803)

Allegro con brio
Adagio cantabile
Scherzo: Allegro
Finale: Allegro

Sonate für Klavier und Violine Nr. 8, G-Dur, op. 30, Nr. 3

Allegro assai
Tempo di Minuetto, ma molto moderato e grazioso
Allegro vivace

Klaviertrio Nr. 5, D-dur, op. 70, Nr. 1 «Geister-Trio» (1808)

Allegro vivace e con brio
Largo assai e espressivo
Presto

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 5, D-dur, op. 70, Nr. 1 «Geister-Trio»)

Hatten Beethovens Klaviertrios des Opus 1 manchmal noch eine gewisse Weitschweifigkeit aufgewiesen, so besticht op. 70/1 vor allem im Kopfsatz durch die Knappheit der Form. Mit energischem Staccato legen alle drei Instrumente unisono den Beginn des Satzes in fast unerträglicher Spannung fest und stossen bald scheinbar nach B-dur vor. Doch rasch löst sich die Spannung mit der Rückkehr ins dolce zu spielende D-dur. Liegt der Höhepunkt des ersten Satzes in der dichten Motivarbeit der Durchführung, die man ein Wunder der Konzentration genannt hat, so bildet das zentrale Largo den des ganzen Werkes. Kein Wunder, dass Beethoven darum auf ein Scherzo verzichtet. Dass es mit diesem Nachtstück etwas Gespenstisches auf sich hat, mag der Beiname auch nicht authentisch sein, zeigen die Skizzen, die sich auf dem gleichen Blatt finden wie d-moll-Entwürfe zu den Hexenchören einer geplanten Oper "Macbeth". Das Finale, wieder ein Sonatensatz, nimmt die Klangwelt des Kopfsatzes auf, erreicht aber dessen Dichte - wohl bewusst - nicht mehr.