Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

909

8.3.2016, 19:30 Uhr (Zyklus A 90. Saison)
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Beethoven-Zyklus 7. Konzert: «Die klassische Botschaft»

Trio Blacher/Hagen/Gerstein

Blacher, Kolja, Violine
Hagen, Clemens, Violoncello
Gerstein, Kirill, Klavier

Kolja Blacher, in Berlin geboren, ging 15-jährig an die Juilliard School of Music in New York, um bei Dorothy DeLay zu studieren. Nach Abschluss des Studiums bei Sándor Végh in Salzburg begann er eine Solokarriere, die ihn mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten zusammenführte. Von 1993 bis 1999 war er 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. 2003 holte ihn Claudio Abbado in der gleichen Funktion in sein Lucerne Festival Orchestra; er hatte sie zehn Jahre inne. Daneben pflegt er viele kammermusikalische Partnerschaften, insbesondere im festen Trio mit Clemens Hagen und Kirill Gerstein. Von 1999 bis 2009 hatte er eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, dann wurde er an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin berufen.

Clemens Hagen stammt aus einer Salzburger Musikerfamilie und begann im Alter von sechs Jahren Cello zu spielen. Er studierte am Mozarteum; später wechselte er ans Basler Konservatorium zu Heinrich Schiff. Seit 1981 spielt er mit seinen Geschwistern im Hagen Quartett und war mit diesem Ensemble mehrfach bei uns zu Gast. Als Solist gastiert Hagen bei bedeutenden Orchestern und unter grossen Dirigenten. Als Kammermusiker spielt er mit Musikern wie Gidon Kremer, Martha Argerich, Hélène Grimaud, Maurizio Pollini, Evgeny Kissin oder András Schiff zusammen. Auch Hagen war jahrelang Mitglied in Abbados Lucerne Festival Orchestra. Er spielt ein Cello von Antonio Stradivari von 1698.

Der Pianist Kirill Gerstein, 1979 im russischen Woronesch geboren, begann seine Ausbildung im Alter von drei Jahren und kam 14-jährig ans Berklee College in Boston. Später studierte er in New York, Madrid und Budapest. Er gewann 2001 den Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv. Sein Repertoire reicht von der Klassik bis zur Moderne und schliesst auch den Jazz mit ein. Gerstein gastiert bei grossen Orchestern und Festivals, gibt Soloabende in aller Welt und spielt Kammermusik mit Steven Isserlis, Emanuel Pahud, Kolja Blacher und dem Hagen Quartett. Seit 2007 lehrt er als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule. 2010 wurden ihm der «Gilmore Artist Award» und der «Avery Fisher Grant» verliehen.

Bereits 2007 hiess es anlässlich eines Konzerts des Trios bei den Salzburger Pfingstfestspielen in einer Kritik: «Die drei Musiker gönnten weder sich noch dem Publikum auch nur einen Moment geistiger Entspannung, in höchster Konzentration trieben sie die drei gehaltvollen Werke voran – mit dynamischer Frische, geistreichem Spielwitz und ausdrucksvollem Sentiment. Im Schubert-Trio gipfelten die überragenden Qualitäten jedes Einzelnen, der warm empfundene Geigenton Blachers, das zupackend präsente Cellospiel Hagens und der nuancenreiche, klare Anschlag Gersteins am Flügel. Kein einziger Moment von Zweifel daran kam auf, dass diese drei Musiker nicht berufene Botschafter der musikalischen Königsgattung Kammermusik wären.»

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 9, B-dur, WoO 39 (1812)

Allegretto

Sonate für Klavier und Violine Nr. 10, G-dur, op. 96

Allegro moderato
Adagio espressivo –
Scherzo. Allegro – Trio – Coda
Poco allegretto – Adagio espressivo – Tempo I

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 4, C-dur, op. 102, Nr. 1 (1815)

Andante – Allegro vivace
Adagio – Allegro vivace

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 5, D-dur, op. 102, Nr. 2 (1815)

Allegro con brio
Adagio con molto sentimento d’affetto
Allegro – Allegro fugato

Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio» (1811)

Allegro moderato
Scherzo: Allegro
Andante cantabile (ma però con moto) –
Allegro moderato – Presto

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 7, B-dur, op. 97 «Erzherzog-Trio»)

Die Werke, die Beethoven seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete (5. Klavierkonzert, Hammerklaviersonate, Missa solemnis, etc.) zeichnen sich durch eine besondere Grösse und Bedeutung aus und bilden nicht selten den Höhepunkt der jeweiligen Gattung. Dies ist beim "Erzherzog-Trio" nicht anders. Nicht nur die Länge des Werkes, sondern auch seine Themengestaltung zeigt Weite und gleichsam würdevollen Ernst. Und doch liegt über dem Ganzen eine "poetisch-klangschöne" Farbe, die auch der benachbarten und ebenfalls dem Erzherzog gewidmeten Violinsonate op. 96 eigen ist. Das Klavier dominiert zwar – ganz neu ist der Soloeinsatz zu Beginn mit dem weitgespannten Hauptthema, und erst noch im dolce – wirkt aber nicht solistisch-virtuos, sondern gibt dem Klangbild einen sinfonischen Zug. Den Kopfsatz prägt weniger eine kontrastierende Dualität der Themen (es sind letztlich drei) als eine gewisse Verwandtschaft. Die motivische Arbeit bezieht ihr Material vor allem aus den ersten vier Tönen und dem Trillermotiv des Hauptthemas. Das eher kurze Scherzo steht – wie später in der 9. Sinfonie – an zweiter Stelle und lässt Raum für das dem Kopfsatz in der Länge entsprechende Adagio, einen kantablen Variationensatz in D-dur. Auf vier Variationen folgt als fünfter Teil eine gedehnte Coda, die Durchführungselemente aufweist. Attacca schliesst das tänzerische, überraschungsreiche Final-Rondo an, das in einer Presto-Stretta endet.

«Als wollte Beethoven darauf aufmerksam machen, dass sich das Klavier im Klaviertrio nicht nur den Streichern unterzuordnen habe, lässt er das B-dur-Trio op. 97 mit dem Klavier allein beginnen, was er nie zuvor gewagt hatte. Allerdings forderte er vom Klavier ein dolce. Das Werk scheint die Summe der Klaviertrio-Komposition bei Beethoven darzustellen - in der Fülle der kompositorischen Gedanken, der Kraft des Emotionellen und in der Ausgeglichenheit des Klangbildes wie der Formfügung. Die Tatsache, dass Beethoven dieses Werk seinem zeitweiligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete, trug ihm den an sich nichtssagenden Titel Erzherzogtrio ein» (W.-E. von Lewinski im Beiheft zur CD-Neuausgabe sämtlicher Beethoven-Trios mit dem frühen Beaux Arts Trio). Immerhin ist der Titel des Werkes würdig, und er stellt es zu Recht im Anspruch auf die gleiche Stufe wie die ebenfalls dem Erzherzog gewidmete Missa Solemnis, die Hammerklaviersonate oder die Grosse Fuge.