Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

932

30.1.2018, 19:30 Uhr (Zyklus A 92. Saison)
Oekolampad Basel

Zemlinsky Quartett (Prag)

Das Zemlinsky Quartett hat sich seit seiner Gründung 1994 zu einer festen Grösse in der tschechischen Streichquartetttradition etabliert. In Bordeaux erhielten die vier Musiker aus Prag beim Internationalen Streichquartettwettbewerb 2010 den ersten Preis. Bereits 2005 bekam das Zemlinsky Quartett den Preis der Czech Chamber Music Society. Darauf folgten Auszeichnungen beim Prague Spring International Music Competition, beim Beethoven International Competition, beim Martinů Foundation String Quartet Competition sowie bei den Internationalen Streichquartettwettbewerben in Banff und in London, wo ihm unter anderem der Publikumspreis verliehen wurde. Ausserdem wurde das Ensemble von der Alexander Zemlinsky Foundation mit dem «Alexander Zemlinsky Advancement Award» ausgezeichnet. Mittlerweile konnte das Zemlinsky Quartett auf vielen grossen Bühnen die Zuhörer begeistern. Das über 180 Werke umfassende Repertoire des Zemlinsky Quartetts widmet sich intensiv sowohl dem heimischen Streichquartettschaffen wie auch der neuesten Musik. Seine Ausbildung erhielt das Zemlinsky Quartett nach Studien am Prague Conservatory und der Academy of Performing Arts Prague bei Josef Klusoň (Pražák Quartet) und Walter Levin in Basel. Dort unterrichten die Mitglieder des Zemlinsky Quartetts inzwischen selbst als Assistenten in der Kammermusikklasse. Das Quartett hat bereits viele Aufnahmen für das tschechische Radio gemacht. Die mittlerweile über 20 CDs des Ensembles werden international von den Kritikern gefeiert. Seit 2007 nimmt das Ensemble exklusiv für das französische Label Praga Digitals auf. Die Sammlung mit frühen Werken von Antonín Dvořák wurde mit dem begehrten Preis «Diapason d’Or» ausgezeichnet.

Robert Schumann
1810-1856

Streichquartett Nr. 1, a-moll, op. 41, Nr. 1 (1842)

Introduzione: Andante espressivo – Allegro
Scherzo: Presto – Intermezzo
Adagio
Presto

Streichquartett Nr. 2, F-dur, op. 41, Nr. 2 (1842)

Allegro vivace
Andante, quasi variazioni
Scherzo: Presto
Allegro molto vivace

Streichquartett Nr. 3, A-dur, op. 41/3, Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet (1842)

Andante espressivo – Allegro molto moderato
Assai agitato (con variazioni) – Un poco adagio – Tempo risoluto
Adagio molto
Finale: Allegro molto vivace – Quasi Trio

(zu Schumann, Streichquartett Nr. 1, a-moll, op. 41, Nr. 1)

Schumanns Quartette stammen (frühere Pläne 1838 und 1839) aus dem Kammermusikjahr 1842. Im März hatte Schumann der auf Konzertreise befindlichen Clara geklagt, dass er fast nur Kontrapunkt und Fugen studiere. Nach ihrer Rückkehr änderte sich dies rasch: Innerhalb von knapp zwei Monaten entstehen die drei Quartette op. 41, das erste vom 2. bis 8. Juni (kurz danach überarbeitet). Schumann setzt sich kaum mit dem Vorbild Beethoven, sondern mit den Quartetten des Widmungsträgers Mendelssohn auseinander. Im Kopfsatz steht nur die Einleitung in a-moll, das Allegro dagegen in F-dur. Das Scherzo, dessen nicht speziell bezeichnetes, dem Scherzo ähnliches Trio die Paralleltonart C-dur aufweist, und das Finale nehmen a-moll wieder auf, für das Adagio wurde F-dur gewählt. In ihm mag man im kantablen Thema Anklänge an den langsamen Satz der 9. Sinfonie Beethovens heraushören. Das heitere Finale lässt an Haydn denken, doch tragen hier die erwähnten Kontrapunktstudien Früchte. Wer will, kann am Ende der Durchführung eine Anspielung auf das Motto von Beethovens op. 130 bis 132 erkennen. Der Widmungsträger kommt zum Zuge, wenn vor Beginn der Coda Schottisches anklingt, war doch dessen «Schottische Sinfonie» kurz zuvor in Leipzig uraufgeführt worden.

(zu Schumann, Streichquartett Nr. 2, F-dur, op. 41, Nr. 2)

Drei Werke aus dem Kammermusikjahr 1842, zwei Streichquartette und das Klavierquartett, waren bzw. sind – rund ein Vierteljahr vor der 200. Wiederkehr von Schumanns Geburtstag – Teil unserer Konzertprogramme. Bereits zuvor hatte Schumann Interesse an der Komposition von Streichquartetten geäussert. Am 11. Februar 1838 schrieb er an Clara: „Auf die Quartette freue ich mich selbst, das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen oft noch eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann, namentlich ist es sonderbar, wie ich fast alles kanonisch erfinde.“ Es mag sein, dass bereits damals das eben entstehende op. 44 Mendelssohns für Schumann ausschlaggebend war, sicher war es das 1842. Denn Schumann machte vor der Komposition eingehende Studien von Vorbildern, zu denen natürlich Haydn, Mozart und Beethoven gehörten. Intensiv jedoch setzte er sich mit den 1839 im Druck erschienen Quartetten op. 44 seines Freundes Mendelssohn auseinander. Folgen davon sind nicht nur die Komposition, sondern wohl nicht zufällig die Anzahl von drei Werken und natürlich die Widmung der drei Quartette op. 41 an Mendelssohn. Und Schumann schloss sich – mehr als in anderen seiner Werke – mehr diesem Vorbild an als etwa Beethoven. Obwohl Mendelssohn, dem Schumann die drei Werke am 29. September 1842 durch Ferdinand David und seine Quartettfreunde aus dem Gewandhausorchester vorspielen liess, das 1. Quartett besonders gefiel, trägt vielleicht doch gerade das zweite Quartett, das kürzeste der Reihe, am meisten von Mendelssohn in sich. Es ist allerdings nicht der virtuose, übermütig-heitere Scherzo- und Elfenton, den wir hier vorfinden, sondern eine auch Mendelssohn durchaus eigene Besinnlichkeit verbunden mit einer keineswegs oberflächlichen Eleganz und Schönheit des Tones. Gleich der erste Satz, zwar Allegro vivace überschrieben, trotzdem eher ruhig gehalten, beginnt mit einer auf und ab schwingenden lyrischen Melodie. Der träumerische zweite Satz (As-dur) ist ein Variationensatz, doch nennt ihn Schumann quasi variazioni, weil er kühn mit der Variationsform umgeht. Ausgehend von einem 1832 entstandenen Larghetto (Nr. 13 aus den Albumblättern op. 124), von dessen drei „Strophen“ die dritte das eigentliche Thema für vier weitere Variationen liefert, kehrt Schumann zu den beiden ersten Strophen zurück und schliesst den Satz mit einer Coda, die ihrerseits wieder auf eine der Variationen zurückgreift. Unruhig, ja dramatisch gibt sich das Scherzo (c-moll), während das C-dur-Trio, am Schluss des Satzes wieder aufgenommen, mit dem Cello und den antwortenden übrigen Streichern Heiterkeit aufkommen lässt. Die heitere Klangfreude eines Perpetuum mobile bestimmt trotz intensiver thematischer Arbeit das Finale. Ein Melodieteil klingt an ein bei Schumann beliebtes und immer wieder zitiertes Thema an: Das Schlusslied aus Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“, speziell die Phrase „Nimm sie hin denn meine Lieder“. Ob hier für einmal nicht an Clara, sondern an Freund Mendelssohn gedacht ist?

(zu Schumann, Streichquartett Nr. 3, A-dur, op. 41/3, Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet)

Schumanns Schaffen verlief in der Frühzeit in Schüben: Auf die Klavierjahre folgten das Liederjahr 1840, das Sinfoniejahr 1841 und das Kammermusikjahr 1842. Doch hatte Schumann bereits 1838/39 an die Komposition von Streichquartetten gedacht, ja wohl auch mit der Komposition begonnen. An Clara schrieb er am 11. Februar 1838: „Auf die Quartette freue ich mich selbst, das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen oft noch eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann, namentlich ist es sonderbar, wie ich fast alles kanonisch erfinde.“ Ehe er seine Idee 1842 mit gleich drei Quartetten in die Tat umsetzte, studierte er eingehend die Quartette Mozarts und Beethovens. Auch die Quartette Mendelssohns, dessen drei Quartette op. 44 1837/38 entstanden, fehlten nicht. Ihm widmete er seine neuen Werke - und hält sich auch formal mehr an diese Vorbilder als etwa an Beethoven. Noch 1847, als er sich mit der Komposition von Klaviertrios wieder der Kammermusik zuwandte, freute er sich an seinen einzigen Streichquartetten: „Ich betrachte sie noch immer als mein bestes Werk der früheren Zeit, und Mendelssohn sprach sich oft in demselben Sinne aus.“ Das 3. Quartett darf wohl als Höhepunkt gelten (Mendelssohn gab allerdings bei der ersten privaten Aufführung der Nr. 1 den Vorzug.), ist es doch auch das schwungvollste der drei. Innerhalb dieses Werks dürfte der 2. Satz der ungewöhnlichste sein, ein Pseudo-Scherzo, das sich zu einer Variationenfolge in fis-moll entwickelt. Vor dem heiteren Finale, das von sanglichen Einschüben unterbrochen wird, erklingt ein ebenfalls rondoartig angelegtes Adagio in D-dur, das von ausdrucksvoller Lyrik geprägt ist.