Kammermusik Basel

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Werkdetails

Suite für Violoncello solo Nr. 4, Es-dur, BWV 1010 (vor 1726)

Prélude
Allemande
Courante
Sarabande
Bourrées I-II
Gigue

Das Erstaunliche an Bachs Cello-Suiten ist der Umstand, dass sie gleich zu Beginn der Literatur für Solo-Cello den Höhepunkt in dieser Gattung bilden und dies bis heute geblieben sind. Die neuere Celloliteratur hat diesen Werken fast nichts entgegenzusetzen. Die Solosonaten von Kodály und Bernd Alois Zimmermann sind zwar wichtige Werke, jedoch Einzelgänger. Bachs Suiten sind, sieht man von Werken für Viola da gamba ab, ohne bedeutende Vorbilder entstanden. Während es Werke für Violine solo seit dem frühen 17. Jahrhundert gegeben hat, sind solche für Cello, das damit aus der Generalbass-Rolle herausgeholt wird, erst kurz vor 1680 und um 1700 (Giuseppe Jacchini) nachweisbar. Vielleicht ist dies mit ein Grund für die einfachere Struktur gegenüber den Werken für Solo-Violine. Bach experimentierte mehr im Innern und im Spieltechnischen als im Formalen. Immerhin weisen auch die Englischen Suiten für das Clavier, also Bachs ureigenstes Instrument, den gleichen Aufbau auf. Somit bleibt die Frage nach der Priorität der Solo-Werke für Violine bzw. Cello offen. Unbekannt ist auch, für wen Bach die Werke geschrieben hat. Für einen der beiden Cellisten der Köthener Hofkapelle, Linigke oder den auch als Gambenvirtuose bekannten C.F. Abel? Oder nur als Studienstücke zu Lehr- und Lernzwecken? Ein langes Prélude eröffnet die 4. Suite mit absteigenden Akkordbrechungen; sie laufen auf einen Orgelpunkt mit Fermate hinaus, bevor die Anfangsbewegung wieder aufgenommen wird. Die Allemande ist ein heiter-ruhiges Stück von eingänglicher Einfachheit. Vielschichtiger wirkt die Courante mit ihrem Wechsel von binären und Triolenrhythmen. Die kontemplative Sarabande enthält über Akkorden, die gleich zu Beginn den Ton Des einbeziehen, eine elegante Melodie mit punktierten Notenwerten. Die Bourrées sind melodisch geprägt. In der ersten löst ein Motiv von fünf gleichen Noten die Bewegung des ganzen Satzes aus; die zweite, nur zwölf Takte lang, spielt mit der diesen Stücken eigenen Naivität. Die virtuose Gigue bildet eine Art Perpetuum mobile-Finale und erinnert darin an dasjenige des 6. Brandenburgischen Konzertes.

Aufführungen

717 9.11.1999 Antonio Meneses, Violoncello